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Plötzlich Vorstandsboss: Wie Hellmann seine neue Rolle in Frankfurt interpretiert

Nach dem Aus von Sportvorstand Markus Krösche gibt es viel Gesprächsbedarf in Frankfurt. Der zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegene neue „Eintracht-Kapitän“ Axel Hellmann vermittelte am Donnerstag gleich mehrere wichtige Botschaften.

Sportdirektor Hardung „brennt total“

Eintracht Frankfurt schippert in diesem Kalenderjahr durch stürmische See. Haushohe Wellen werfen zwei Cheftrainer über die Reling, der Sportvorstand düst im Rettungsboot davon. Weitere Männer gehen von Bord und verschwinden in der tosenden See. Nun zieht auch noch dichter Nebel auf. Eine brenzlige Lage. Um das Schiff in ruhige Gewässer zu führen, braucht es einen erfahrenen Kapitän, der nicht die Nerven verliert.

In dieser Rolle befindet sich Axel Hellmann. Am Sonntag ernannte der Aufsichtsrat der Eintracht Frankfurt Fußball AG den bisherigen Vorstandssprecher zum Vorstandsvorsitzenden. Interimsweise übernimmt der Jurist auch die Aufgaben des auf eigenen Wunsch ausgeschiedenen Sportvorstands Markus Krösche. Auf der Mitgliederversammlung am Montag hatte der Aufsichtsratsvorsitzende und Präsident Mathias Beck berichtet, dass es ihn „einige Anläufe und Überzeugung gekostet“ habe, den 55-Jährigen dafür zu gewinnen, die Rolle als Vorstandsvorsitzender anzunehmen.

„In der Gesamtdarstellung kein gutes Jahr“

Auch Hellmann betonte am Donnerstag: „Das war kein Karriereplan.“ Er habe die Überschrift gelesen, dass er den „Platz in der Sonne“ eingenommen habe. Das empfand er als erstaunlich, launig kommentierte er diesen Befund: „Ich habe in den letzten zehn Jahren ehrlicherweise nicht das Gefühl gehabt, dass ich bei Eintracht Frankfurt im Schatten unterwegs war.“ Stimmt. Hellmann ist eine Erscheinung, wortgewaltig und omnipräsent im Eintracht-Kosmos, darüber hinaus auch in verschiedenen Gremien (u. a. Präsidiumsmitglied der Bundesliga, Mitglied der UEFA-Klublizenzierungskommission).

Auf der knapp einstündigen Pressekonferenz am Donnerstag ließ Hellmann keinen Zweifel daran, dass er sich der Aufgabe gewachsen sieht. „Wir dürfen nicht wie 2021 in eine Vakuumphase fallen“, betonte er. Damals gingen mit einigem Getöse Fredi Bobic (Sportvorstand) und der nun zurückgekehrte Adi Hütter von Bord, Bruno Hübner (Sportdirektor) verabschiedete sich in den Ruhestand. Die Pandemie riss gewaltige Löcher in die Kassen. Trotzdem feierte Frankfurt nur ein Jahr später den Gewinn der Europa League.

„2026 ist in der Gesamtdarstellung von Eintracht Frankfurt kein gutes Jahr gewesen – wir gehen ja auf der Zielgeraden. Wir können diese Gesamtwahrnehmung eigentlich nur noch auf dem Platz reparieren oder verbessern. Ob uns das gelingt in den nächsten Wochen, ist natürlich hauptsächlich dem Zusammenwirken von Trainer und Mannschaft in die Hände gelegt“, sagte Hellmann. So gesehen ist Hütter als erfahrener und krisenerprobter Coach der Steuermann.

Kapitän Hellmann muss das große Ganze im Blick behalten und an den entscheidenden Stellschrauben drehen. Als Vorstandsvorsitzender will er Schwankungen wie in diesem Jahr „nicht mehr zulassen“; er kündigt „Klarheit in den Entscheidungen und in der Kommunikation“ an. Seinen Führungsstil beschreibt er salopp: „Links mal mehr Kordel lassen, rechts mal mehr die Zügel anziehen. Das ist eine Gefühlsfrage.“

„Du darfst nicht halb schwanger sein“

Ein erster wichtiger Schritt waren die Gespräche mit dem Führungspersonal aus dem von Krösche verantworteten sportlichen Bereich. In diesen Gesprächen vermittelte er die Botschaft, dass jeder überlegen muss, ob er noch mit vollem Herzen dabei ist. Hellmann drückte es so aus: „Die Erwartungshaltung ist für mich zuvorderst: Du darfst nicht halb schwanger sein, sondern musst zu 100 Prozent für diese Aufgabe brennen.“ Gewissheit erlangen will er in einer zweiten Gesprächsrunde.

Auch mit dem einst von Krösche installierten Sportdirektor Timmo Hardung ging er in den Austausch. „In dem Gespräch hatte ich den Eindruck, dass er total brennt und auch klare Vorstellungen hat, wie er den Job jetzt angehen wird“, schilderte Hellmann und verdeutlichte seine Haltung: „Für mich gibt es nur: Entweder ist einer da und macht es mit 100 Prozent, dann mache ich ihn aber auch stark – oder er brennt nicht. Dann geht man auseinander. Das Signal, das ich gesehen habe, ist: Er brennt.“ Hellmann räumte aber auch ein, dass der neue Sportvorstand möglicherweise andere Vorstellungen mitbringen könnte. Damit bleibt Hardungs Zukunft vorerst offen.

Krösche-Nachfolge: Zeitnahe Gespräche geplant

Hellmann rechnet eher mit Wochen als mit Monaten, bis der Krösche-Nachfolger feststeht. Der dreiköpfige Hauptausschuss des Aufsichtsrats mit Präsident Beck an der Spitze werde „sehr zeitnah eine ganze Reihe von Gesprächen“ führen. Nicht in Stein gemeißelt ist, dass der neue Mann ebenfalls die Bezeichnung Sportvorstand tragen wird. Das ließ Hellmann durchklingen. Nach kicker-Informationen ist es aber zumindest das Ziel des Hauptausschusses, einen Sportvorstand zu installieren. „Diese Entscheidung trifft nicht der Vorstand, sondern der Aufsichtsrat“, bekräftigte der Vorstandsboss. Allerdings habe er seine Ideen und Empfehlungen geteilt.

Hellmann verfolgte in den vergangenen Jahren die Entwicklung von Sportmanagern im nationalen wie im internationalen Fußball und suchte mit diversen Protagonisten den Austausch. Das habe er sich von Krösche abgeschaut, der dies auf dem Trainermarkt so handhabte. Wichtig sei ihm, dass der Klub in seiner Strategie „keine 180-Grad-Drehung“ vollziehe: „Modifikation ist das Zauberwort.“ Über die Anpassung der Transferstrategie an die neuen Marktgegebenheiten hatte er bereits auf der Mitgliederversammlung am Montag ausführlich gesprochen.

Lufthoheit für den Sportvorstand

Der künftige starke Mann im Sport soll wie zuvor auch Krösche viel Beinfreiheit in seinen Entscheidungen genießen. In die Details auf einzelnen Positionen, die Trainingsarbeit oder gar die Aufstellung werde er sich nicht einmischen. „Jeder Sportvorstand muss die Lufthoheit über Alltagsentscheidungen haben“, bekräftigte Hellmann. Es sei nicht so, dass Führungskräfte jede Entscheidung von ihm absegnen lassen müssten: „Hier müssen wir lebensnah denken. Ich glaube, da wird die Rolle des Vorstandssprechers nicht so viel anders sein als die des Vorstandsvorsitzenden.“

Bei für den Gesamtklub strategischen Entscheidungen wie Trainingslagern behält er sich allerdings vor, das letzte Wort zu sprechen, falls es keine einvernehmliche Entscheidung gibt. Es ist kein Geheimnis, dass die Eintracht künftig auch mal wieder über den Chiemsee hinaus verreisen wird. Stichwort Auslandsvermarktung. Exemplarisch spitzt es Hellmann auf die Frage zu: „Macht man in der Vorbereitung eine Reise in die USA oder geht man nach Österreich?“ Die gute Nachricht: Mit dem Schiff müssen Kapitän Hellmann und die Eintracht nicht über den großen Teich fahren.

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