Harry Kane wird erst mit Verspätung zur Nationalmannschaft reisen – und dann wieder Robert Lewandowski angreifen.
Bayerns Toptorjäger hat Lewandowski noch im Blick
Das Leben eines Stürmers ist manchmal großartig und manchmal nicht so großartig, im Fall von Harry Kane ist es meistens großartig. Am Samstagnachmittag, beim 4:0 gegen Union Berlin, war es sogar beides.
Erst schoss Kane einmal aus einem zugegeben nicht optimalen Winkel am beinahe leeren Tor vorbei, später probierte er es unverhältnismäßig kläglich mit einem lockeren Lupfer über Union-Keeper Frederik Rönnow. Und „die vermutlich schwierigste Chance des Spiels habe ich genutzt“, sagte der Bundesliga-Toptorjäger über seinen 31. Saisontreffer, der irgendwie im Fallen und doch irgendwie sehr überlegt und platziert gefallen war.
„Wenn wir uns den Spielplan angucken im April und Mai, dann die Weltmeisterschaft. Da ist es eine sinnvolle Entscheidung.“ (Kane über seine verspätete Anreise zur Nationalmannschaft)
Kane hat damit genauso viele Tore auf dem Konto wie Union Berlin oder der Hamburger SV, was er so angeblich nicht auf dem Schirm hatte, „nice“ fand er es trotzdem. „Ich fühle mich gut, es ist schön, wieder im Rhythmus zu sein.“ Kurzzeitig hatte der Angreifer ja wegen Wadenproblemen mal aussetzen müssen und keine weiteren Tore sammeln können auf dem Weg zum Allzeitrekord von Robert Lewandowski.
Für „möglich“ hält Kane es trotzdem noch, die 41-Tore-Marke zu erreichen, weiß aber auch, dass „ich mal wieder einen Hattrick bräuchte“. Wie zum Beispiel in der Hinrunde gegen Leipzig, in Sinsheim oder in Stuttgart. Oder einen Doppelpack wie gegen Hamburg, Bremen, Hoffenheim, Bremen, Frankfurt oder Dortmund.
Wie gut also, dass unter den verbleibenden sieben Bundesliga-Gegnern die aktuell letzten Fünf vertreten sind. Und der VfB, gegen den Kane in fünf Pflichtspielen bislang zehnmal getroffen hat.
Und wie gut auch, dass der 32-Jährige nun wieder eine kleine Verschnaufpause erhält. Kane muss zu Wochenbeginn noch nicht in London bei der englischen Nationalmannschaft antanzen, der Kapitän darf wie zahlreiche andere Kollegen erstmal freimachen, die Akkus aufladen und dann Richtung Wochenende zum Tross dazustoßen, der es in einem Testspiel zuvor mit Uruguay aufnimmt.
Nationaltrainer Thomas Tuchel hat dafür extra einen 35-köpfigen Kader nominiert. Viele neue Gesichter dürfen sich im Test gegen die Südamerikaner zeigen, die Arrivierten messen sich am Dienstag darauf mit Japan. „Ich glaube, das ergibt Sinn“, meint Kane mit Blick auf seinen Kurzurlaub. „Wenn wir uns den Spielplan angucken im April und Mai, dann die Weltmeisterschaft. Da ist es eine sinnvolle Entscheidung, in dem Zeitraum so frisch wie möglich zu sein. Ich hätte vermutlich sowieso nicht beide Spiele gespielt.“
Und genauso wie das Leben eines Stürmers großartig und nicht so großartig zugleich sein kann, heißt „frei“ bei einem Fußballer nicht gleich „frei“. „Wir müssen die Zeit nutzen“, verspricht Kane, also „aber scharf bleiben. Mental und physisch.“ Um dann nach München zurückzukehren und die Hürde Real Madrid zu überspringen. Und die Hürde Lewandowski.

