Rund um den enorm wichtigen 2:1-Sieg gegen Dortmund spielt Hoffenheims Torjäger Andrej Kramaric die absolute Hauptrolle – davor, darin, danach.
Appell und Ausblick des Hoffenheimer Stars
Jetzt hat er auch noch Uwe Seeler überholt. Mit seinen Bundesligatoren Nummer 137 und 138 zog Andrej Kramaric auch an Deutschlands legendärem Torjäger vorbei und ist nun die Nummer 21 der Rekordschützen. Zum dritten Mal verwandelte Hoffenheims Routinier dabei gleich zwei Elfmeter, das hatten zuvor im Oberhaus nur Georg Volkert, Werner Lorant und Sejad Salihovic geschafft, getoppt nur von Münchens Harry Kane, dem das Kunststück bereits viermal glückte und Rekordhalter Manfred Kaltz, der einst fünf Strafstoß-Doppelpacks verbuchte.
Kramarics Kabinenansprache
„Ein Extralob an Andrej Kramaric, der einem als Trainer bei solchen Situationen ein entspanntes Gefühl gibt“, versicherte TSG-Coach Christian Ilzer, der zudem die enorme Professionalität seines Topstars betonte: „Obwohl er schon so lange dabei ist, übt er Tag für Tag diese Basic-Abläufe beim Elfmeter – immer wieder und immer wieder. Dann kannst du im Spiel den Eindruck vermitteln, du bist sehr souverän in dieser Sache. Das ist etwas, das man bei ganz Großen ihres Faches sieht und das macht ihn am Ende halt dann auch zu einem ganz Großen seines Sports.“
So einen Spieler möchte kein Trainer verlieren. „Aus sportlicher Sicht kann ich nur sagen, dass man sich bei der Erfahrung und Qualität von Andrej absolut wünscht, dass er weiterhin das TSG-Dress trägt“, so Ilzer. Aber es gebe eben auch eine wirtschaftliche Seite. Doch auch diesbezüglich sendete der 48-Jährige hoffnungsfrohe Signale. „Da gibt es Grenzen, aber ich denke auch eine sehr, sehr gute Basis. Die Verhandlungen laufen, wie ich informiert bin, auf einem sehr guten und fairen Level, und es wird dann nicht mehr allzu lange dauern.“ Noch aber hat Kramaric nicht ja gesagt. „Ich glaube, das hat er bei Luka Modric gelernt, dass man sich da Zeit lässt“, flachste Ilzer, in der Tat ist Kroatiens Superstar in vielerlei Hinsicht Kramarics Vorbild.
Der hatte schon vor dem Spiel eine Kabinenansprache gehalten und die Truppe einmal mehr zur finalen Jagd auf die Champions-League-Plätze eingeschworen. „Sein Wort hat Gewicht, dann sind die Ohren gespitzt“, erklärt Ilzer, „das zeichnet einfach einen Führungsspieler aus. Er hat vor dem Spiel noch mal ganz klar erinnert, wo unser Weg ist und was wir wollen.“
„Ich will einfach die Champions League erreichen“
„Ich habe ich vor dem Spiel zu unseren Jungs in der Mannschaftskabine gesagt, wir sollen träumen, aber dafür musst du investieren, du musst dir das verdienen, und das haben wir heute gemacht“, freute sich der Doppelpacker und schickte noch einen weiteren leidenschaftlichen Appell hinterher:
„Es ist ein großer Unterschied, ob du gegen Mbappé, Haaland oder Lamine Yamal spielst, gegen Barcelona, Real Madrid oder ManCity“, ereiferte sich Kramaric, „das ist meine Ansage. Wir müssen träumen, aber alles investieren. Wir haben das verdient dieses Jahr wir können es, wir haben das Potenzial und wir müssen das mit viel Verantwortung angehen. Und wer mit diesem Druck nicht umgehen kann, der sollte dann keinen Fussball spielen. Wir müssen wir ganz klar bleiben an den letzten vier Spieltagen und um unser Leben kämpfen, weil ich will einfach die Champions League erreichen, das ist Fakt.“
Schicker: „Die Gespräche laufen gut.“
Ob Kramaric das als Voraussetzung für seine Vertragsverlängerung ansieht, bleibt unklar. „Wenn ich im Juli den Vertrag unterschreibe, ist das für mich scheißegal, aber das Wichtigste ist für mich, ich will einfach die Champions League erreichen“, betont der 34-Jährige, „was passieren wird in der Zukunft, weiß ich nicht. Ich habe schon wunderschöne Geschichten geschrieben hier, ich bin happy, ich fühle mich wohl hier. Und egal, was passieren wird, ich bin hundertprozentig fokussiert auf meine Ziele und die des Vereins.“
Bis Juli aber kann und will Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker nicht warten, der seine Kaderplanungen in solch wesentlichen Fragen zügig vorantreiben muss. Deshalb drängt die Zeit, es läuft auf eine zeitnahe Entscheidung hinaus. Und auf eine Fortsetzung der nun schon seit Winter 2016 anhaltenden Karriere Kramarics im Kraichgau. „Die Gespräche laufen gut mit ihm, die Richtung stimmt“, verriet Schicker am Samstag, „wir alle wollen, dass André auch in der nächsten Saison hier ist. Ich denke, wir sind in der richtigen Richtung unterwegs und können das hoffentlich auch zeitnah verkünden.“

