Trainingsstart bei Borussia Mönchengladbach. Der Kapitän ist mit dabei – und fühlt sich für die Fohlenelf wie ein Neuzugang an. Das persönliche WM-Aus hat er längst abgehakt und blickt jetzt angriffslustig auf die kommende Saison.
Neuanfang für Borussias Kapitän und Torjäger
Strahlender Sonnenschein. Hochsommerliche Hitze im Bereich der 30-Grad-Marke. Und großer Andrang im Borussia-Park. Rund 1600 Besucher hatten sich am Sonntag aufgemacht, um den Trainingsauftakt der Fohlenelf vor Ort zu verfolgen.
Zu sehen bekamen die Anhänger in der knapp 90-minütigen Einheit auf dem Trainingsplatz 1 die sieben bisherigen Sommerzugänge. Daniel Batz (Mainz 05), Yukhym Konoplia (Schachtar Donezk), David Herold (Karlsruher SC), Enzo Leopold (Hannover 96), Jan Leszczynski (Legia Warschau) und Isac Lidberg (Darmstadt 98) waren beim Start sofort mit von der Partie, der im Aufbau befindliche Zento Uno (Shimizu S-Pulse) arbeitete noch individuell. Im Fokus der Beobachter stand aber auch ein Rückkehrer, der sich fast wie ein weiterer Neuzugang anfühlte: Tim Kleindienst.
Sportchef Schröder lobt Kleindienst: „Er hat quasi durchgearbeitet“
Im Grunde hatte der Kapitän die komplette Spielzeit 2025/26 aufgrund einer Knieoperation vom Mai 2025 verpasst. Zwei Kurzeinsätze im November sowie ein Fünf-Minuten-Comeback am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison gegen die TSG Hoffenheim (4:0) blieben die einzigen Auftritte in der Liga. Umso größer ist die Hoffnung bei den Borussen, dass Kleindienst ab sofort wieder voll angreifen kann.
„Tim macht einen hervorragenden Job. Er hat während der Urlaubsphase quasi durchgearbeitet und strotzt vor Selbstvertrauen“, lobte Sportchef Rouven Schröder und sieht den Kapitän schon in guter Verfassung. „Wir sind guter Dinge, dass er von Anfang an alles mitmachen kann. Aber nach fast einem Jahr Pause muss man an das Thema auch mit der nötigen Sensibilität rangehen und ihn vielleicht auch mal bremsen.“
„Ich kann von Tag eins an mittrainieren. Darauf habe ich hingefiebert.“ (Tim Kleindienst)
Kleindienst selbst strahlte nach der ersten Einheit mit der Sonne um die Wette. „Das ist jetzt eine ganz andere Situation als im Mai. Da kam ich aus einer Scheißsaison, so muss man das ja nennen, mit elf Monaten Verletzungspause und Aufbautraining. Jetzt kann ich von Tag eins an mittrainieren. Darauf habe ich hingefiebert und mich auch so vorbereitet, dass ich wieder vernünftig auf der Platte stehen kann“, sagte Kleindienst.
Er werde in der Vorbereitung „alles dafür tun, um bestmöglich an die 100 Prozent Matchday-Fitness ranzukommen“, versprach der Stürmer. „Aber das wird am Ende ein paar Spiele brauchen – und ist auch logisch nach der langen Pause.“ Dennoch zeigte schon die erste Platzeinheit: Kleindienst hat bereits wieder in den Attackemodus geschaltet. Die Energie des Kapitäns und unumstrittenen Anführers tut der Mannschaft gut.
Kleindienst hadert nicht mit dem persönlichen WM-Aus
Lange hatte Kleindienst trotz der langen Ausfallzeit um seinen WM-Traum gekämpft. Am Ende blieb es bei der Zuschauerrolle vorm TV. Als „bitter“ empfindet der sechsmalige Nationalspieler (vier Tore) das frühe Aus des DFB-Teams, „da spreche ich sicherlich für viele, die mehr oder weniger enttäuscht sind über das Abschneiden der Mannschaft.“ Hinsichtlich seiner persönlichen Ambitionen habe er absehen können, dass die Zeit für eine Nominierung wohl nicht reichen würde. „Schade ist es natürlich, aber am Ende weiß man ja auch nicht, ob man gespielt hätte oder nur mitgefahren wäre. Von daher ist alles in Ordnung.“
Und die Entwicklungen bei der DFB-Auswahl nach dem Ausscheiden? „Die habe ich in der kicker-App auf meinem Handy verfolgt“, sagte Kleindienst und wollte sich zum Aus von Julian Nagelsmann und der Personalie Jürgen Klopp nicht groß äußern: „Da ist nicht mein Thema. Ich bin kein Verantwortlicher des DFB. Für mich ist Julian Nagelsmann ein guter Trainer gewesen, aber jeder kennt ja auch das Fußballgeschäft.“
„Ich hoffe, dass Spiele gegen Borussia Mönchengladbach unangenehm sind, dass wir eklig sind.“ (Tim Kleindienst)
Das Thema WM hat Kleindienst für sich abgehakt, sein Blick geht nach vorne, auf die neue Saison. „Ich hoffe, dass unsere Spielweise, auch mit den neuen Spielertypen, die wir dazubekommen haben, ein bisschen intensiver wird. Dass man davon spricht, dass Spiele gegen Borussia Mönchengladbach unangenehm sind, dass wir eklig sind. Fußballspielen können alle, das muss man niemandem beibringen“, sagte Kleindienst. „Bei den Basics“, so der Angreifer, „können wir sicherlich noch hochschrauben. Da hat in dem einen oder anderen Spiel in der vergangenen Saison doch etwas gefehlt. Aber ich glaube, das ist alles machbar.“ Vor allem, wenn Kleindienst in der neuen Saison auch wieder als Mentalitätsspieler vorangeht.

