Der DFB wird künftig nicht für mögliche Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen aufkommen, sondern Mehrkosten „mindestens anteilig“ an den Heimverein weitergeben. Was bedeutet das? Fragen und Antworten.
Wen trifft es am meisten?
Um was genau geht es?
In den Diskussionen um die Beteiligung der Vereine an den Polizeikosten bei Hochrisikospielen hat das DFB-Präsidium am Freitag einen Grundsatzbeschluss gefasst. Demnach werden die Kosten, die mittels eines Gebührenbescheides beim DFB in Anspruch genommen werden, „mindestens anteilig“ an den jeweiligen Heimverein weitergegeben. Der DFB sei hierzu „aufgrund der bestehenden Vermögensbetreuungspflicht grundsätzlich auch verpflichtet“, teilte er mir.
Wie lief das in der Vergangenheit ab?
Lange waren die Bundesländer zurückhaltend, wenn es darum ging, den Klubs die Mehrkosten für Hochrisikospiele in Rechnung zu stellen. Zehn Jahre lang war Bremen mit dieser Praxis allein auf weiter Flur. Erstmals stellte die Hansestadt im April 2015 für das Nordderby zwischen Werder und dem Hamburger SV die polizeilichen Mehrkosten für ein Hochrisikospiel in Rechnung und kassierte dafür mehr als 400.000 Euro.
Im Januar 2025 wies das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eine Beschwerde der Bundesliga ab, die damals noch als DFL firmierte. Die Bremer Gebührenordnung sei „mit dem Grundgesetz vereinbar“, erklärte damals Stephan Harbarth, der Vorsitzende des Ersten Senats. Mit der Durchführung von Hochrisikospielen „verlassen die Veranstalter die staatliche begrenzte Gefahrenvorsorge“. Nach damaliger Ansicht der DFL hätte im öffentlichen Raum allein der Staat für die Kosten der Sicherheit der Bürger aufkommen sollen.
Warum trifft der DFB gerade jetzt diese Entscheidung?
Zwar holte sich in der Vergangenheit nur Bremen die Polizeikosten zurück, doch nun plant die saarländische Landesregierung aktuell eine vergleichbare Regelung. Also sah sich der DFB veranlasst, einen Grundsatzbeschluss zu treffen – und den bisherigen Kurs leicht zu ändern. Im Mai hatte der Verband auf Sportschau-Anfrage mitgeteilt: „Für viele Vereine, gerade in der 3. Liga und den Regionalligen, können solche Gebührenbescheide existenzgefährdend sein und aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen auch massiv in den Wettbewerb eingreifen. Dies muss aus unserer Sicht unbedingt verhindert werden.“
Was sagt die Politik in den anderen Bundesländern?
Die meisten Bundesländer setzen auf eine zukünftige bundeseinheitliche Regelung und haben sich in der Vergangenheit in dieser Frage nicht stärker positioniert. Der rheinland-pfälzische Innenminister Achim Schwickert (CDU) lehnte es zuletzt ab, die Kosten für die Polizeieinsätze den Vereinen in Rechnung zu stellen. „Es ist nicht das Ziel von uns, diese Kosten geltend zu machen“, sagte er nach den Ausschreitungen im DFB-Pokal-Derby zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern.
Auch in Nordrhein-Westfalen, wo viele Profiklubs angesiedelt sind, äußerten sich die Verantwortlichen bisher ebenso eher ablehnend wie in Hessen. „Jeder weiß, dass ich eigentlich gegen die Weitergabe der Polizeikosten bin, aber uns fällt es zunehmend schwerer, das zu verteidigen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im März 2026 im kicker-Interview.
Sein Amtskollege aus Sachsen, Armin Schuster, erklärte damals im selben Interview über die Weitergabe der Polizeikosten: „Diesen Weg halte ich aus unterschiedlichsten Gründen für falsch. Aber der Druck auf mich angesichts des Verhaltens spezieller Fans und des Nichteingreifens des Fußballs steigt und steigt.“
Als Reaktion auf den DFB-Beschluss stellte Helge Limburg, rechtspolitischer Sprecher und Berichterstatter für Fanrechte der Bundestagsfraktion B90/Die Grünen, am Freitag fest: „Der Dauerdruck der Innenministerkonferenz hat heute zu einem schlechten und teuren Ergebnis für die Vereine und den Fußballsport geführt. Der einseitige Fokus auf Polizeieinsätze verstellt den Blick darauf, dass wir Stadionsicherheit vor allem zusammen mit Fans und Fanprojekten in Stadionallianzen erreichen.“ Ziel müsse es sein, die Anzahl eingesetzter Polizisten „zu reduzieren und dadurch Kosten zu senken“. Stattdessen werde „auf Kosten der Vereine die öffentliche Sicherheit teilweise privatisiert“.
Damit unterstützen sie grundsätzlich die Sichtweise des DFB, dessen Präsident Bernd Neuendorf sich am Freitag dahingehend zitieren ließ, dass er „die Gebührenerhebung für Polizeikosten nach wie vor für den falschen Ansatz“ halte.
Warum gibt es keinen von allen getragenen Polizeikostenfonds?
Einen solchen Polizeikostenfonds, aus dem sich die Bundesländer pauschal bedienen können, hatte etwa der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer mehrmals vorgeschlagen. Allerdings: Die Anzahl der sogenannten Rotspiele (also Hochrisikospiele) ist von Ort zu Ort so unterschiedlich, dass eine pauschale Zahlung von allen Vereinen keine Gerechtigkeit schaffen würde.
Welche Klubs wird es mehr betreffen, welche weniger?
Große, finanzstarke Klubs mit vergleichsweise kleineren Fanszenen wie etwa RB Leipzig oder die TSG Hoffenheim dürften den Beschluss am entspanntesten zur Kenntnis genommen haben. Am stärksten trifft die Weiterreichung der Kosten unterklassige Vereine mit geringerem Budget, aber relativ großer aktiver Fanszene, also vor allem traditionsreiche Dritt- und Viertligisten. Nicht zuletzt in der Regionalliga Nordost war deswegen Anfang 2025 eine große Sorge entstanden.
Was sagt die Polizeigewerkschaft?
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) reagierte wenig polarisiert. „Gebührenbescheide sind kein Selbstzweck und keine Bestrafung des Fußballs. Sie schaffen aber einen wirksamen Anreiz, Gewaltprävention und Sicherheitsmaßnahmen ernst zu nehmen“, sagte der Bundesvorsitzende Heiko Teggatz. Der Grundsatzbeschluss sei „ein wichtiger Schritt. Nun sind die Länder gefordert, dem Bremer Beispiel zu folgen und die rechtlich zulässigen Gebührenbescheide bei Hochrisikospielen konsequent zu erlassen.“
Ausdrücklich widersprach der Gewerkschafter jedoch andererseits Neuendorfs Zweifeln an der Wirksamkeit von Gebührenbescheiden: „Wir sehen sehr wohl einen richtigen Ansatz. Die Vereine müssen deutlich spüren, dass ein fahrlässiger Umgang mit der Sicherheit im Zusammenhang mit Fußballspielen richtig viel Geld kosten kann. Wer Milliarden mit dem Profifußball verdient, darf sich seiner Verantwortung für die Sicherheit nicht entziehen.“

