In der Bewertung seines Treffers überschlugen sich sämtliche Protagonisten des Aufsteiger-Duells zwischen dem HSV und Köln (1:1). Fabio Vieira hat wieder einmal für ein Glanzlicht gesorgt. Ausgerechnet gegen jenen Gegner, gegen den er in der Hinserie unrühmliche Geschichte geschrieben hat.
HSV-Regisseur als Mann für die besonderen Momente
An der 1:4-Pleite im Hinspiel in Köln war Fabio Vieira maßgeblich beteiligt, weil er sich, obwohl vorgewarnt, mit Gelb-Rot vom Platz gemeckert hatte – die Ampelkarte am ersten November-Wochenende des vergangenen Jahres bedeutete den bereits zweiten Platzverweis im fünften Bundesligaspiel und einen Rekord, auf den die Leihgabe des FC Arsenal gern verzichtet hätte. Er fiel in eine Zeit, da der Edeltechniker noch sichtbare Anpassungsprobleme hatte. Spätestens seit der Winterpause sind diese Geschichte.
„Eines der drei schönsten Tore meiner Karriere“
Das Trainerteam hatte schon nach der Wiederaufnahme des Trainings im neuen Jahr gespürt, dass sich Fabio Vieira deutlich offener als noch zuvor innerhalb der Gruppe präsentiert hatte. Auch auf dem Feld wird der Anpassungsprozess sichtbar. Weil er Dinge beherrscht, die andere nicht mal erlernen können. Mit einem herrlichen Heber beim ersten Kontakt nach einem Traumpass von William Mikelbrencis hatte der 25-Jährige am Samstagabend zur HSV-Führung getroffen. Es war bereits sein fünftes Tor, dazu kommen vier Vorlagen.
Fabio Vieira ist sich der Schönheit seines Treffers durchaus bewusst. „Es war ein großartiges Tor. Es gehört zu den drei schönsten meiner Karriere. Als ich ganz jung war, habe ich in der zweiten Mannschaft des FC Porto mal einen ähnlichen Treffer gemacht.“ Selbst FC-Trainer Lukas Kwasniok schwärmt: „Das war Weltklasse.“ HSV-Coach Merlin Polzin findet: „Es lohnt sich definitiv, dieses Tor noch ein paarmal anzuschauen.“ Aber, wie lange, ist die Kunst von Fabio Vieira in Hamburg noch zu begutachten?
Kaufoption über 20 Millioenen Euro
Der Leih-Vertrag endet am 30. Juni, die Kaufoption beträgt 20 Millionen Euro. Ein zu hoher Preis für den HSV für einen Spieler, der in einzelnen Situationen zu gut für diese Mannschaft erscheint, ihr in einigen Phasen jedoch auch immer mal wieder keine Hilfe ist – weil er eigentlich nicht in das auf Kompaktheit und Arbeit gegen den Ball ausgerichtete System des Aufsteigers passt. Gleichzeitig sind die Geniestreiche überlebenswichtig für den Neuling. „Fabio“, sagt Polzin, „trifft teilweise deutlich bessere Entscheidungen als wir vom Trainerteam ihm vorgeben.“ Eine Aussage, die vortrefflich abbildet, dass der Portugiese besonders ist.
Sein Coach nennt ihn „einen geilen Zocker“ und sagt: „Ich freue mich über jede Minute, die wir mit ihm haben.“ Ein Satz, der beinhaltet, dass der 35-Jährige weiß, dass die Zeit mit dem Zauberer endlich ist. Und was sagt Fabio Vieira selbst? „Jetzt kommt der echte Fabio Vieira zurück“, findet er. „Mein Selbstvertrauen ist gestiegen, ich bin sehr glücklich. Es war ein toller Schritt, nach Hamburg zu kommen. Es ist großartig hier.“ Und doch ziemlich sicher nur eine Verbindung auf Zeit.

