Von Bremen nach Freiburg und zurück – und am Sonntag wohl erneut zurück: Eren Dinkci könnte erstmals wieder Minuten für Werder erhalten. Wobei es bei diesem Wechsel ja auch um „Größeres als Fußball“ geht.
Wie weit ist der Angreifer?
Seiner erst kürzlich vollzogenen Rückkehr nach Bremen könnte am Sonntagnachmittag auch schon gleich wieder die Rückkehr nach Freiburg folgen: Eren Dinkci ist, „wenn er am Samstag das Abschlusstraining absolviert“, ein Kandidat für den Werder-Kader, so viel kündigte Trainer Daniel Thioune vor dem Bundesligaauftakt im Breisgau schon mal an.
Nachdem der 24-Jährige unter der Woche erstmals ins Mannschaftstraining eingestiegen ist, spulte er seither jedenfalls das volle Pensum ab. Als Startelfkandidat kommt er indes noch nicht infrage, weil er zuletzt zwei, drei Wochen nicht komplett belastbar war.
Jene muskulären Probleme hatten auch den Einstieg nach seiner Leihverpflichtung aus Freiburg zunächst begleitet, weshalb Dinkci auch nicht im Kader beim Bremer Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal stand. Nun dürfte Thioune zumindest über einen Kurzeinsatz an dessen alter Wirkungsstätte nachdenken, zumal er gerade die Vielseitigkeit des Offensivspielers schätzt – Dinkci ist auf beiden Flügeln und als zweite Angriffsspitze einsetzbar.
Außergewöhnliche Umstände
Unter normalen Umständen wäre auch nicht auszuschließen gewesen, dass er an jenem 1. Spieltag nach wie vor im Freiburger Aufgebot gestanden hätte, angesichts der jüngst geäußerten wertschätzenden Worte seines Trainers beim SC, Julian Schuster. Doch die privaten Umstände von Dinkci sind nun eben schon seit geraumer Zeit nicht mehr normal, sondern außergewöhnlich.
Ende Januar wurde bei seiner Frau Cinja Leukämie diagnostiziert, im April wandte sich das Paar an die Öffentlichkeit – und seither hat diese Diagnose auch den Stellenwert des Fußballs im Leben von Dinkci verändert.
Die Rückkehr des gebürtigen Bremers in das familiäre Umfeld – dieser menschliche Aspekt – spielte nun eine wesentliche Rolle beim Werder-Wechsel für vorerst ein Jahr: „Das ist dann definitiv größer und auch wichtiger als der Fußball“, betonte Coach Schuster am Mittwoch noch einmal vor dem bevorstehenden Wiedersehen am Sonntag, das zu einer speziellen Rückkehr werden könnte. Weil sich alle Parteien eben so schätzen.
Freiburg hat „noch eine Idee“ mit Dinkci
Zumal der 41-Jährige deutlich machte, auch weiterhin große Stücke auf Dinkci zu halten: „Er ist immer noch ein Spieler von uns und wir haben immer noch eine Idee mit ihm.“ Schuster wusste da natürlich von einer „gewissen Lücke“ aus der Vorbereitung zu berichten, weil Dinkci in Freiburg zuvor einige Wochen nicht trainieren konnte, doch nun wünscht er ihm, in seinen Rhythmus zu finden – ab dem 2. Spieltag wohlgemerkt.
Wobei man seine Qualitäten bei Werder eigentlich schon jetzt bestens gebrauchen könnte: Das offensive Flügelduo aus Samuel Mbangula und Justin Njinmah machte am vergangenen Wochenende nämlich eher nicht das, was es sollte.
Marco Friedl rügte etwa: „Ich habe in der Halbzeit gesagt, dass die Flügelspieler nach innen kommen müssen, wenn der Außenverteidiger hochgeht und wir Innenverteidiger andribbeln. Das war in der ersten Halbzeit nicht einmal der Fall“, so der Kapitän: „Das sind Sachen, die nerven – nicht nur mich, denn es ist anders besprochen.“
Informant Dinkci? „Ich könnte ihn anzapfen“
Und Coach Thioune bekräftigte nach seiner Mbangula-Kritik vom Wochenende auch am Freitag noch mal: „Ich habe ihn daran erinnert, dass er sich um ein paar Prozente steigern muss, wenn er weitere Einsatzminuten sammeln möchte.“ Immerhin sei der Belgier nun „sehr gut mit dieser Kritik umgegangen“.
Ob Dinkci vier Trainingseinheiten mit der Mannschaft reichen würden, um die Vorstellungen von Thioune bereits besser umzusetzen? Werder muss zwar aufpassen, dass nicht zu viele Profis „on the job“ eingegliedert werden. Doch im Verlauf des Spiels erscheint das mindestens mal nicht ausgeschlossen – zumal die Eingewöhnung für Dinkci an das Werder-Umfeld ja genauso wegfällt wie die im Freiburger Europa-Park Stadion.
Derweil böte der Profi, der ja weite Teile der Freiburger Vorbereitung absolvierte, ja auch die Möglichkeit, den Bremer Trainer mit Informationen zu versorgen. „Ich könnte ihn anzapfen“, sagte Thioune, verwies jedoch darauf, dass der Erkenntnisgewinn nicht allzu groß wäre – weil die klaren Abläufe des SC allgemein bekannt sind: „Ich glaube, da sind wir schon sehr gut aufgestellt.“

