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Der Weisheit zum Trotz: Kölns Erfahrungen mit dem „schwierigen zweiten Jahr“

Zum fünften Mal hat der 1. FC Köln nach einem Aufstieg in die Bundesliga die erste Saison überstanden. Doch, so wird es im Fußball gerne erzählt, es ist das zweite Jahr, das einen Verein wirklich fordert. Letztmals in dieser Situation sprang der FC dem Abstieg gerade noch von der Schippe.

FC vor dem fünften Anlauf

Das zweite Jahr ist immer das schwierigste. Diese vermeintliche Weisheit hält sich seit Jahrzehnten im Fußball und hat schon das eine oder andere Phrasenschwein befüllt. Erst in der abgelaufenen Saison bekräftigte der FC St. Pauli mit dem Abstieg ein weiteres Mal diese Theorie.

In der kommenden Spielzeit liegt es neben dem Hamburger SV auch am 1. FC Köln, diese zu widerlegen. Die jüngere Bilanz muss jedenfalls keinem Kölner Angst machen, denn nur einmal, im allerersten Fall 2001/02, ging es im zweiten Jahr ins Unterhaus. Anschließend entwickelte sich der FC zur Fahrstuhlmannschaft, stieg zweimal sofort wieder auf und ab, überlebte daraufhin aber nach den drei weiteren Aufstiegen immer sowohl die erste als auch die zweite Saison. Zuletzt auf dramatische Art und Weise 2020/21.

Nur einmal scheiterte Köln im zweiten Jahr

Es war – wie seit jeher prognostiziert – eine von Beginn an schwierige Spielzeit für den FC, der die ersten drei Spiele verlor und sogar bis zum 9. Spieltag, einem 2:1 in Dortmund, auf den ersten Sieg warten musste. Die Kölner beendeten die Hinrunde auf Rang 16, rutschten aufgrund der fulminanten Mainzer Aufholjagd aber am 28. Spieltag auf den direkten Abstiegsplatz. Die 2:3 Niederlage im direkten Duell mit dem FSV war das achte sieglose Spiel am Stück und zugleich das letzte für Trainer Markus Gisdol.

Friedhelm Funkel übernahm und führte die Kölner in ein spektakuläres Saisonfinale. Auf Rang 17 liegend, mit einem Zähler Rückstand auf Bremen und zwei auf Bielefeld, ging der FC in den letzten Spieltag zu Hause gegen das bereits abgestiegene Schlusslicht Schalke. Während die Arminia ihre Hausaufgaben in Stuttgart erledigte (2:0) und Platz 15 sicherte, stieß Werder Bremen mit einem schwachen Auftritt gegen Gladbach (2:4) die Tür zur Relegation für den FC weit auf.

Nach 67 Minuten fingen sich die Bremer bereits das 0:4, während Köln parallel anrannte, aber immer wieder am starken Ralf Fährmann scheiterte. In der 71. Minute war Schalkes Schlussmann dann geschlagen, Sebastian Andersson drehte zum Jubel ab. Doch was die königsblaue Nummer 1 nicht verhindern konnte, erkannte diesmal der VAR ab – Abseits, weiterzittern!

„Das war eine Achterbahnfahrt der Gefühle.“ (Timo Horn)

Zumindest für 15 weitere Zeigerumdrehungen. Dann flankte der damals erst 18-jährige Jan Thielmann, heute dienstältester Kölner, auf den Kopf von Sebastiaan Bornauw. Der Innenverteidiger nickte den Ball an Fährmann vorbei ins Gehäuse und sorgte für die wohl leiseste Ekstase, die das Müngersdorfer Stadion je sah. Schließlich fand das Spiel aufgrund der Corona-Pandemie ohne Zuschauer statt.

„Das war eine Achterbahnfahrt der Gefühle“, sagte Torwart Timo Horn, der in der Nachspielzeit noch einen Kopfball von seinem überragenden Gegenüber Fährmann (Note 1,0) am Tor vorbeifliegen sah. Und diese Fahrt war für den FC noch nicht vorbei.

Köln verliert zuhause, Hector poltert im Interview

In der Relegation kam Holstein Kiel zunächst nach Köln und holte einen 1:0-Auswärtssieg. Der Ursprung zahlreicher weiterer Sorgenfalten in Köln und eines legendären Interviews von Jonas Hector, der am DAZN-Mikro lospolterte. „Immer diese Scheißfragen“, regte sich der Kapitän über eine Frage, die auf die vermeintliche Leere in ihm abzielte, auf. „Das ist ja ihr Job, dumme Fragen zu stellen, das machen sie gut.“

Der Job von Hector und dem FC war es derweil, in Kiel eine Reaktion zu zeigen. Und der Kapitän ging mit gutem Beispiel voran. Nach nur drei Minuten köpfte er sein Team in Führung. Zwar hatte Jae-Sung Lee ebenfalls per Kopf die schnelle Antwort, doch Andersson lenkte das Spiel mit den Kopfballtreffern drei und vier innerhalb der ersten 13 Minuten in die Kölner Richtung. Nach 90 Minuten stand ein 5:1-Erfolg und – der alten Weisheit zum Trotz – ein weiteres überstandenes zweites Jahr in der Bundesliga fest.

Viele Baustellen vor dem fünften zweiten Jahr

Mit dieser Zielsetzung geht der FC auch in die kommende Spielzeit. Wobei man sich das ganz große Drama am Geißbockheim gerne sparen würde. Dass René Wagner als Cheftrainer dafür sorgen soll, ist bekannt, ansonsten aber stehen noch viele Fragezeichen über dem FC.

Neben zahlreichen Lücken im Kader, die es für Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler und sein Team zu füllen gilt, bleibt abzuwarten, wo die Zukunft von Said El Mala und Jakub Kaminski liegt. Bis zum Bundesliga-Auftakt Ende August sollte der FC jedenfalls eine schlagkräftige Truppe zusammenhaben, damit auch das nächste zweite Jahr ein erfolgreiches wird.

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