Neben der fulminanten Offensive stachen beim FC Bayern zuletzt auch andere Akteure hervor. Min-Jae Kim holt sich das größtmögliche Lob ab.
„Alle drei Weltklasse, das muss man einfach sagen“
Die große Aufmerksamkeit sucht Min-Jae Kim eher nicht, das bekommt man vor allem immer dann zu sehen, wenn die Action auf dem Platz vorbei ist und der Südkoreaner schnell seine Sachen packt. Mit dem Kulturbeutel in der Hand und dem Kopf weit oben schreitet er in der Regel schnurstracks und fast so schnell wie auf dem Platz aus den Katakomben der Arena.
Kim ist keiner für die großen Worte, was nicht mal so sehr an der Sprachbarriere liegt. Sein Englisch hat der 29-Jährige in den vergangenen drei Jahren verbessert, aber selbst vor wenigen Wochen in der Heimat wirkte Kim eher verlegen, als er auf Jeju Island eine Pressekonferenz geben und Fragen zu seiner persönlichen Situation beantworten musste.
Vincent Kompany saß damals daneben und musste hin und wieder grinsen, wenn Kim was auf Koreanisch erzählte, was dann natürlich erstmal übersetzt wurde. „Die meisten wissen, glaube ich, nicht, dass er einen unglaublichen Sinn für Humor hat“, sagte der Trainer über seinen Innenverteidiger. „Jedes Mal fängt sein Nebenmann an zu lachen, weil Min-Jae was gesagt hat. Das ist wahr.“
„Ich glaube, dass uns da einige Vereine beneiden.“ ()
Und bestätigt sich auch bei all dem, was aus der Mannschaft zu hören ist. Kim ist kein Lautsprecher neben dem Platz, aber ein sehr beliebter Arbeitskollege in der Kabine – und ein Antreiber auf dem Feld. Das ließ sich zum Beispiel am Freitagabend in der Allianz-Arena wieder beobachten, als Kim einen starken Auftritt beim 5:1 der Münchner gegen den VfB Stuttgart hinlegte.
Der, den sie in der Heimat nur „Monster“ nennen, antizipierte seine direkten Duelle in vorbildlicher Manier, folgte den Gegenspielern auf die von Kompany beigebrachte Art und Weise bis an den Stuttgarter Strafraum und fiel darüber hinaus mit klugen, eröffnenden Pässen auf. Die intensive Spielweise der Bayern scheint wie zugeschnitten auf Kim, der zu Beginn seiner Bayern-Zeit unter Thomas Tuchel noch große Probleme hatte, immer wieder haarsträubende Fehler einstreute und sich trotz der 50 Millionen Euro teuren Ablöse auf der Bank wiederfand.
Seit Jonathan Tah im kommenden Sommer kam, wirkt Kim souveräner, befreiter fast. Als würde ihn das Wissen, neben Dayot Upamecano nicht mehr die erste Geige spielen zu müssen, deutlich beflügeln. „Es ist einfach die Konstellation, die wir haben mit Jona, mit Upa und mit Min-Jae“, erklärt Sportvorstand Max Eberl. „Jetzt gibt es drei klare Innenverteidiger, alle drei Weltklasse, das muss man einfach sagen.“
Kim wird auch in dieser Saison oft gebraucht
Darüber lässt sich vielleicht noch streiten, Kims starken Saisonstart muss man deshalb aber nicht kleinreden. Er hat die Vorbereitung genutzt, sich Spiel für Spiel die volle Fitness zurückgeholt und sowohl im Supercup in Dortmund (2:1) als auch gegen Stuttgart verdientermaßen zur Startelf gezählt. Einmal für Upamecano, einmal mit Upamecano.
„Ich glaube, dass uns da schon einige Vereine auch beneiden über diese Qualität von drei Spielern“, meint Eberl. „Wir werden natürlich alle Spieler brauchen bei der Vielzahl der Spiele. Min-Jae hat sich wirklich letzte Saison schon total stabilisiert und setzt das jetzt gerade fort.“
Weitere Chancen werden folgen für den heimlichen Punktesammler beim FC Bayern. Schon am Mittwoch geht’s weiter in Osnabrück, dann auf Schalke. Und dann beginnt auch direkt wieder die Königsklasse.

