In der Dreierkette muss Niko Kovac vor dem Auftakt von Borussia Dortmund wohl eine weitere Lücke schließen. Auf der Sechs und der Acht hat er dagegen ein Überangebot.
Dortmund und Kovac vor dem Auftakt gegen den HSV
Ziemlich genau ein Jahr ist es her, da stand Niko Kovac plötzlich fast ohne Innenverteidiger da. Vor dem Auftakt im DFB-Pokal und in der Liga in der vergangenen Saison fehlten ihm Nico Schlotterbeck, Emre Can und Niklas Süle zeitgleich. Ins kalte Wasser wurde damals Filippo Mane geworfen, der zuvor gerade einmal die Erfahrung aus fünf Drittliga-Spielen für die U 23 mitbrachte. Bei Rot-Weiss Essen im Pokal blieb er unauffällig und fehlerlos, beim FC St. Pauli eine Woche später aber patzte der junge Italiener und flog zudem vom Platz.
Ein Jahr später vor dem Liga-Auftakt gegen den Hamburger SV am Samstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) ist die Ausgangslage mit Blick auf die Dreierkette ähnlich und doch grundlegend anders. Erneut fehlen Can und Schlotterbeck, zudem ist Ramy Bensebaini nach einem unglücklichen Zusammenprall im Supercup wegen eines Schlags auf Leber und Rippen fraglich. Dafür aber ist der inzwischen ein Jahr ältere Mane zur echten Alternative geworden. „Er hat einen sehr guten Sprung gemacht“, lobt Trainer Kovac den 21-Jährigen, der in der Zwischenzeit sogar sein Debüt für die italienische Nationalmannschaft gegeben hat.
Zudem habe er „noch andere Möglichkeiten“, wie zum Beispiel Julian Ryerson, der in der Vergangenheit auch schon in der Dreierkette aushalf, seine Stärken aber weiter rechts hat. „Da werden wir mixen, wie wir es auch schon vergangene Saison getan haben“, kündigt Kovac an, „wenn Ramy nicht dabei sein sollte, werden wir eine gute Lösung finden“. Beim Algerier dürfte es am Freitag die Tendenz geben, ob er spielen kann oder nicht. Als letzter verbliebener Linksfüßer für die Kette wäre er wohl neben Waldemar Anton und Joane Gadou gesetzt.
Drei Neue drängen im Zentrum in die Startelf
So eng es kurzzeitig hinten wird, so viele Möglichkeiten hat der Coach im Mittelfeldzentrum. Gleich drei Neue drängen in die Startelf, die beiden Griechen Giannis Konstantelias und Konstantinos Karetsas auf der Acht, Joey Veerman auf der Sechs. Und damit dürften gleich mehrere Profis in die zweite Reihe versetzt werden, wie sie es angesichts von 24 Feldspielern überhaupt in den Kader schaffen. Das gilt für Marcel Sabitzer ebenso wie für Jobe Bellingham, für Allzweckwaffe Maximilian Beier, Youngster Samuele Inacio oder Carney Chukwuemeka, der nach muskulären Problemen wieder die komplette Woche trainieren konnte. Auch Fabio Silva ist hier ein Kandidat, den sein Coach für dessen eigentliche Position als Mittelstürmer als „Herausforderer“ bezeichnet.
Aufstellung und Kader-Nominierung sind für Kovac aktuell echte Luxusprobleme: „Jeder einzelne, der im Kader steht, hat natürlich die Möglichkeit zu spielen. Wir haben viele gesunde und viele sehr gute Spieler im Kader. Von daher werden wir wieder die Qual der Wahl haben.“ Und der Kroate deutet an, zunächst nicht großartig durchwechseln zu wollen. „Bis zur ersten Länderspielpause haben wir nicht die Anzahl der Spiele, wegen der wir jeden dritten Tag wechseln müssen, weil die Belastung sonst zu hoch ist“, sagt er. Gleichzeitig sollen es auf Acht und Sechs auch noch keine festen Kombinationen werden: „Wir werden jetzt nicht sagen: Das sind die zwei Paare, das sind die zwei Paare.“
Das Gerüst steht
Trotzdem: Ein klares Gerüst dieser Mannschaft steht. Gregor Kobel, Anton, Felix Nmecha und ganz vorne Serhou Guirassy sind aktuell gesetzt. Auch die vier hochkarätigsten Neuen Gadou, Karetsas, Konstantelias und vor allem Veerman haben gute Chancen, sich festzusetzen – wenn sie schnell die Umstellung auf die neue Liga, die neuen Ideen und neuen Ansprüche schaffen. Da geht es ihnen vor dem Start wie der ganzen Mannschaft, glaubt Kovac: „Es geht immer darum, dass man sich im Moment noch ein wenig sucht und noch nicht genau weiß, wo man steht und wie im Vergleich zu den anderen Teilnehmern in der Bundesliga.“

