Die Rote Karte für Bundesliga-Debütant Filippo Mane verschärft die Probleme in Borussia Dortmunds Abwehrzentrum. Externe Verstärkung könnte allerdings zeitnah kommen.
Mane fliegt beim Liga-Debüt
Es war ein schmaler Grat, den die Dortmunder Profis und Trainer Niko Kovac nach dem Spiel beim FC St. Pauli an den Mikrofonen begehen mussten. Der Elfmeter und die Rote Karte für Filippo Mane in der 85. Minuten waren auf der einen Seite ein wesentlicher Grund dafür, dass der BVB am Millerntor eine 3:1-Führung noch aus der Hand gab. Auf der anderen Seite genießt der junge Italiener bei seinem Bundesliga-Debüt noch einen gewissen Welpenschutz – und war trotz des Aussetzers nicht alleine am enttäuschenden Auftakt schuld.
„Er hält ihn auf jeden Fall zu lange und bringt ihn ein bisschen aus der Balance“, urteilte Gregor Kobel über den Zweikampf zwischen dem Innenverteidiger und Abdoulie Ceesay: „Er zieht ihn nicht brutal runter, aber wegen der Dauer kann es sein, dass es okay ist.“ Okay war die Rote Karte allemal, weil Mane offensichtlich keine Absicht zeigte, Richtung Ball zu gehen, sondern nur am Hamburger Spieler hing, „gegnerorientiert“, wie es auf Schiedsrichter-Deutsch heißt.
Diskussionen über die Korrektheit der Entscheidung verboten sich, deswegen ging es eher darum, den Jung-Profi angemessen zu schützen. „Knackpunkt war der Elfmeter. Aber Filippo alleine war es nicht“, betonte Kovac, „auf St. Pauli ist es keine einfache Atmosphäre und es war eines seiner ersten Profispiele“, führte Kobel an: „Daher will ich nicht lange drauf rumreiten. Wir müssen ihn unterstützen.“ Und dennoch betonten der Keeper aber auch Julian Brandt, dass der BVB-Trend aus der vergangenen Saison, viel zu oft in Unterzahl spielen zu müssen, nicht fortgesetzt werden könne: „Natürlich dürfen wir solche Roten Karten nicht kriegen.“
Dem BVB gehen die Innenverteidiger aus
Und Mane? Der lieferte mit seiner Hinausstellung und zuvor auch der Mitschuld beim zwischenzeitlichen Ausgleich Argumente für gleich zwei gegensätzliche Diskussionen. Ist der 20-Jährige einfach (noch) nicht Bundesliga-tauglich und sammelte deswegen schon unter Kovacs Vorgänger Nuri Sahin berechtigterweise keine Minute für die Profis? Oder fehlt ihm die damals verwehrte Erfahrung, um Situationen wie das Luftduell gegen Andreas Hountondji beim 1:1 und eben beim Strafstoß besser zu lösen? Dass er alle seine sechs Zweikämpfe verlor, spricht bei aller fehlenden Reife auf diesem Niveau allerdings eher gegen ihn.
Klar ist, dass die Sorgen beim BVB auf der Innenverteidiger-Position durch den erneuten Rückschlag weiter verschärft worden sind. Nico Schlotterbeck und Niklas Süle fehlen noch bis Oktober, ob Emre Can aufgrund anhaltender Adduktoren-Probleme nach der Länderspielpause schon wieder eine gesunde und fitte Alternative sein wird, ist offen. Und dass Salih Özcan wie in der Schlussphase in Hamburg in der letzten Linie aushelfen muss, kann nur eine Notlösung gewesen sein.
Neuzugang könnte Abhilfe schaffen
Besserung könnte schnell folgen, vielleicht sogar schon im Laufe des Sonntags per Privatflieger. Wie unter anderem Sky berichtet, ist Chelseas Innenverteidiger Aaron Anselmino im Anflug. Ganz einig sind sich die Parteien in den Verhandlungen um einen Kombi-Deal mit Carney Chukwuemeka nach kicker-Informationen allerdings noch nicht, der endgültige Durchbruch könnte aber im Laufe des Tages erfolgen. Ein Flieger steht bereit, um das Duo zeitnah für Medinzinchecks nach Dortmund zu fliegen.
Während die letztjährige Leihgabe Chukwuemeka für rund 25 Millionen Euro fest verpflichtet werden und die Kreativitäts-Probleme im Mittelfeld lösen soll, wäre Anselmino als einjährige Leihe ohne Kaufoption eine schnelle Lösung für die Innenverteidigung. Der 20 Jahre alte Argentinier ist ein moderner, offensiv verteidigender Abwehrspieler mit einem guten und pressingresistenten Spielaufbau und könnte auf beiden Halbpositionen der Dreierkette zum Einsatz kommen.

