Bayers Chancen im Rennen um die Champions-League-Qualifikation haben sich entscheidend verbessert. Doch kann Leverkusen diese auch nutzen? Plagen die Werkself doch chronische Probleme, wie Robert Andrich weiß.
Kapitän benennt Bayers chronische Probleme
Durch den Ausrutscher des VfB Stuttgart, der am Sonntag zuhause gegen Werder Bremen nicht über ein 1:1 hinaus kam, haben sich die Chancen von Bayer 04 auf Rang 5, der für die Qualifikation für die Champions League ausreichen könnte, entscheidend verbessert. Kann das Team von Kasper Hjulmand diesen Platz doch nun aus eigener Kraft erreichen.
Mit einem Sieg gegen Leipzig rückt Bayer mindestens auf Rang 5
Da am Samstag mit 1899 Hoffenheim und dem VfB die beiden jeweils zwei Punkte vor Leverkusen rangierenden Teams aufeinandertreffen, würde Bayer bei einem gleichzeitigen Sieg gegen Leipzig mindestens an einem, im Idealfall aufgrund der Tordifferenz sogar an beiden direkten Konkurrenten vorbeiziehen. Neben dem Fakt, dass Leverkusen Platz 6 und damit die sichere Qualifikation für die Europa League bei zwölf Punkten Vorsprung jetzt schon nicht mehr verspielen kann, eine gute Nachricht für den Vizemeister.
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Allerdings muss Leverkusen dafür RB schlagen. Und dafür wird eine deutlich bessere Leistung als am Samstag beim überaus glücklichen 2:1-Sieg im Derby beim 1. FC Köln vonnöten sein, bei dem Bayer bei 5:13 Chancen massive Defizite offenbarte. Daraus machte auch Kapitän Robert Andrich keinen Hehl.
„Wir haben viele einfache Fehler mit dem Ball gemacht und das hat nichts mit Feuer zu tun.“ (Robert Andrich)
„Du erhöhst die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, wenn du besser spielst, das ist klar“, stellte der Nationalspieler („Das ist ja eine Floskel“) nach dem schwachen Auftritt fest und erklärte, warum es gegen Leipzig besser laufen könnte als im Derby. „In so Spielen wie in Köln mit der hitzigen Atmosphäre kommst du vielleicht nicht so ins Spiel rein, wie du es dir vorstellst“, sagt er. Gegen Leipzig und Stuttgart werde es „wieder ein komplett anderes Spiel. Dementsprechend werden wir die Sache angehen, aber wir werden natürlich schon darüber sprechen, was nicht gut war. Das ist auch klar.“
Und von diesen Dingen hatte der 32-Jährige, der zuletzt wieder eine aufsteigende Tendenz zeigte, im Spiel einige entdeckt. „Wir haben viele einfache Fehler mit dem Ball gemacht und das hat nichts mit Feuer zu tun“, sah er in Köln kein Einstellungsproblem, „wir haben zwei-, dreimal nicht genau gespielt, dann wird es gefährlich und das hilft natürlich nicht, um Ruhe in das Spiel reinzubekommen“, analysierte Andrich.
Andrich hat einen chronischen Spannungsverlust nach Führungen ausgemacht
Der Abwehrchef hat einen chronischen Spannungsverlust nach Führungen ausgemacht. „Wir machen es dann einen Tick zu langsam und einen Tick zu locker. Wir hatten viele gute Situationen, in denen wir den Ball über lange Zeit gehalten haben. Aber wir schaffen es dann nicht umzuswitchen, um dann ein drittes Tor zu machen, uns den Gegner zurechtzulegen und noch ein viertes zu machen“, beschreibt Andrich das Phänomen, das verlässlich auftritt. „Wir tun uns immer schwer damit“, so der gelernte Mittelfeldspieler, „das ist uns schon häufig aufgefallen.“
Doch worin liegen die Ursachen dafür, dass Bayer es in solchen Phasen immer wieder nicht schafft, die Spielkontrolle zu behalten. Andrich sieht „eine Mischung aus vielleicht sich zu sicher fühlen und vielleicht dann auch nicht die richtigen Räume zu finden. Wir fallen dann relativ schnell in so eine Situation, dass jeder zum Ball kommen möchte. Dann spielen wir irgendwie Sieben gegen Drei in einem Raum, der völlig ungefährlich ist.“
„Man hat gesehen, die Woche hat schon an uns gezehrt.“ (Robert Andrich)
Zudem räumt Andrich ein, dass die beiden vorausgegangenen beiden Partien gegen Augsburg (1:2) und im Pokal-Halbfinale gegen die Bayern (0:2) der Werkself durchaus zugesetzt haben. Offenbar vor allem mental. „Man hat gesehen, die Woche hat schon gezehrt an uns“, gibt der Kapitän zu, „gerade jetzt in der Phase, wo wir viel darüber geredet haben, was noch drin ist und was nicht.“
Wobei das Ergebnis der Situationsanalyse offenbar positiv ausfiel. Vor dem Derby lautete die Hoffnung: Mit vier Siegen aus den letzten vier Spielen sei Bayer dabei in der Champions League, erzählte Andrich. Nach dem 2:1-Erfolg in Köln, egal, wie dieser zustande kam, und Stuttgarts Ausrutscher gegen Bremen ist die Wahrscheinlichkeit massiv gestiegen.

