Die Kritik an Maximilian Beier wehrte Niko Kovac auf der Pressekonferenz am Freitag mit Lob ab. Der einstige Mittelstürmer wird auch in den kommenden Wochen ein wichtiger Faktor für Borussia Dortmund bleiben.
BVB-Coach schützt Angreifer
Die Pressekonferenz war fast schon gelaufen, die zahlreichen Baustellen beim 0:1 in Bodö hinlänglich besprochen und auf das anstehende Spiel bei Union Berlin geblickt, da folgte noch eine Nachfrage zur aktuellen Situation von Maximilian Beier. Auch der 23-Jährige machte in Norwegen keine sonderlich gute Figur, seine Positionierung auf der Schiene sorgt zumindest bei Teilen der Anhängerschaft ohnehin regelmäßig für Kritik. Dass es „viele“ seien, die diese Meinung vertreten, dagegen wehrte sich Niko Kovac allerdings vehement.
„Wir müssen immer die Kirche im Dorf lassen, wir können nicht aus der Minderheit eine Mehrheit machen“, warf sich der Trainer schützend vor seinen Spieler und setzte anschließend zum lobenden Gegenschlag an. „Ich bin Trainer. Ich weiß, was der Maxi kann und rede auch mit ihm. Er hat schon richtig viele gute Spiele gemacht.“ Auch gegen Bodö sah Kovac zumindest gegen den Ball einen guten Auftritt seiner Nummer 14, die auf der linken Schiene begann und im Zuge des Vierfach-Wechsels von Kovac eine Position nach vorn in den linken offensiven Halbraum rückte. Offensiv blieb er, wie über weite Strecken die gesamte Mannschaft, wirkungslos.
Die Zahlen sind durchwachsen
Doch es ist genau diese Variabilität, die Beier für seinen Trainer so wertvoll macht. Er sticht selten fußballerisch heraus, stößt hin und wieder technisch an seine Grenzen und auch seine Daten sind nicht unbedingt berauschend. Wettbewerbsübergreifend steht er bei 47 Prozent gewonnenen Zweikämpfen, von acht Dribblings gelangen ihm drei, aus 17 Abschlüssen und 2,19 erwarteten Toren erzielte Beier nur eins – allerdings das entscheidende in Stuttgart (1:0). Seine acht Flanken fanden zudem allesamt keinen Abnehmer, auch wenn erwähnt sei, dass er anderweitig zwei Treffer vorlegte und einen Elfmeter herausholte.
Dass Kritik am zehnmaligen Nationalspieler aufkommt, der auch Jürgen Klopp nicht von einer Nominierung in seinen 44er-Kader überzeugen konnte, ist also nicht großartig verwunderlich. Was man Beier allerdings stets zugutehalten muss: Am Einsatz mangelt es dem einstigen Mittelstürmer der TSG Hoffenheim, der in der Spitze 35,6 km/h läuft, nie. Egal, ob auf der Schiene oder im Halbraum, egal ob links oder rechts – oder, wenn Serhou Guirassy und Fabio Silva mal nicht können sollten, auch wieder vorn im Sturm.
„Wenn es sein müsste, würde er sofort ins Tor gehen.“ (Niko Kovac über Maximilian Beier)
Naturgemäß fühlt sich Beier offensiv etwas wohler, doch seine eigenen Befindlichkeiten stellt er hinten an. In sechs der sieben Bundesliga- und Champions-League-Spiele der laufenden Saison stand er in der Startelf, begann dreimal links defensiv, einmal links offensiv und einmal rechts defensiv. Wobei er wie zuletzt in Bodö oder zuvor gegen Bremen (2:2) auch regelmäßig mehrere Positionen in einem Spiel bekleidete.
Beier vereint Disziplin, Einsatz und Verlässlichkeit. Eigenschaften, mit denen man bei Kovac hoch im Kurs steht. Der wehrte sich entsprechend gegen die Kritik. „Das lasse ich nicht stehen“, betonte er und hob hervor, was er an Beier so schätzt: „Maxi macht es richtig gut und identifiziert sich mit allem, was ich ihm sage. Wenn es sein müsste, würde er sofort ins Tor gehen.“
So weit wird es zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht kommen. Doch auf der Schiene, der Doppel-Zehn oder im Fall der Fälle in der Spitze, wird Beier auch kurzfristig wieder dabei helfen, dass Kovac in den vier aufeinanderfolgenden englischen Wochen, in denen sich der BVB befindet, rotieren kann. Beim 3:0 an der Alten Försterei in der vergangenen Saison begann Beier rechts offensiv und erzielte von dort ein Tor. Damit könnte er wohl auch am Samstag weitere Fans auf seine Seite ziehen. Die, auf der Kovac schon längst steht.

