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Mainzer Abwehr-Puzzle: Schlägt jetzt die Stunde von Urgestein Bell?

Die gravierenden Abwehrfehler gegen Frankfurt bieten Diskussionsstoff bei Mainz 05. Reagiert Coach Urs Fischer auch personell?

Nach den Patzern gegen Frankfurt

Die Abwehr, oder besser: das kollektive Defensivverhalten, war der größte Mainzer Trumpf beim gelungenen Ligastart. Gegen Paderborn (0:0) und in Hamburg (5:0) ließ das Team von Trainer Urs Fischer über 180 Minuten nur eine gegnerische Torchance zu. Das jüngste 1:3 gegen Frankfurt hat indes einige vermeintliche Gewissheiten zumindest für den Moment ins Wanken gebracht. Unter anderem jene, dass die Dreier-Abwehrkette unabhängig von der personellen Besetzung zum Prunkstück taugt.

Kacper Potulski (18) und Fabio Gruber (23) boten eine nervöse Vorstellung und patzten jeweils vor einem Gegentor gravierend. Bei weitem kein Grund, die hochveranlagten Jungprofis prinzipiell infrage zu stellen. Aber sehr wohl Anlass zur Frage: Sind sie am Samstag in Gladbach als Gespann erneut die Idealbesetzung? Möglicher Knackpunkt: Mit dem unerfahrenen Potulski an seiner Seite wird die Aufgabe des zentralen Abwehrchefs für Gruber eindeutig anspruchsvoller als neben Routiniers wie Dominik Kohr (32, fehlt nach Syndesmose-OP bis Dezember) und Stefan Posch (29) bzw. Danny da Costa (33).

Die Länderspielpause gibt Fischer größere Entscheidungsfreiheit

Wo zu Saisonbeginn noch ein Luxusproblem bestand, wird die Besetzung der Abwehrreihe für Fischer jetzt also zu einem risikoreicheren Puzzle. Gewisse Freiheiten gibt dem Fußballlehrer dabei die anstehende Länderspielpause. Denn: Drei Wochen später vor dem Heimspiel gegen Leverkusen werden die Karten sowieso wieder neu gemischt. Was es Fischer nun ermöglichen würde, die Partie in Gladbach isoliert zu betrachten inklusive der punktuellen Antwort auf die Frage: Gruber oder Potulski? Oder doch wieder beide?

Dabei könnte der Coach die Youngster gemeinsam in der Startelf belassen und sie doch als Duo sprengen – indem er Posch von rechts ins Zentrum beordert und Gruber von dort nach rechts. Der Haken dabei: Gruber müsste sich auf eine schon länger nicht mehr erprobte Position einstellen, wo zudem gewisse Tempodefizite eher ins Gewicht fallen könnten. Variante zwei: Gruber bleibt zentral, Posch verdrängt Potulski auf links, und da Costa übernimmt wie während der kompletten Vorbereitung den Part des rechten Innenverteidigers. Eine mögliche, aber arg unwahrscheinliche Lösung.

Deutlicher Trend: Top-Talent Potulski behält sein Startelfmandat

Sie könnte Fischer schließlich mitten im laufenden Spiel zu größeren Umbauten zwingen, weil da Costa auch die erste Alternative zu Anthony Caci auf der rechten Schiene bildet. Unter anderem deshalb zeichnet sich relativ deutlich ab: Links erhält Potulski erneut das Startelf-Mandat. Was wiederum eine dritte Option ins Spiel bringt, die manch ein Beobachter schon gar nicht mehr auf dem Schirm hat – aber von Fischer just im öffentlichen Training am Dienstag vorgeführt wurde: Die Rückkehr von Stefan Bell (35), der es zuletzt nur wegen Kohrs Verletzung überhaupt wieder in den Spieltagskader schaffte.

Das Urgestein, mit 302 Einsätzen Bundesliga-Rekordspieler der Rheinhessen, agierte bei besagter Einheit jedenfalls im Zentrum zwischen Posch und Potulski – während Gruber im gegnerischen Team stand. Dass ein kurzfristiger Tausch im Abwehrzentrum in Fischers Gedanken zumindest eine Rolle spielt, liegt damit nahe. Sollte es so kommen, wäre das weder als Misstrauensvotum gegenüber Gruber zu werten noch als Wiederaufstieg des faktischen Standby-Profis Bell zur Stammkraft. Sondern schlicht als die womöglich erfolgversprechendste Kombination für das ganz spezielle Match im Borussia-Park.

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