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Gladbachs Scally: Vom Dauerbrenner zum Wechselkandidaten

167 Pflichtspiele mit 23 Jahren, jahrelang konkurrenzlos: Trotzdem plant Borussia Mönchengladbach auf der rechten Abwehrseite die Zukunft offenbar schon ohne Joe Scally. Der US-Amerikaner ist ebenfalls offen für etwas Neues. Geht er jetzt – oder erst nach Vertragsende 2027?

Neue Ordnung auf der Rechtsverteidigerposition

Groß war die Freude bei Joe Scally vor einem Jahr, als Giovanni Reyna die Unterschrift unter seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach gesetzt hatte. Die dicken Kumpels aus der Jugend bei New York City FC wieder vereint – davon hatten sie immer geträumt. Die Freude währte allerdings nicht lange. Reyna hat die Borussia mit dem seit Dienstag offiziellen Wechsel nach Frankreich zu Racing Straßburg schon wieder verlassen. Und auch Scallys Zeit in Mönchengladbach steuert auf ein Ende zu. Die Frage ist nur: Schon in diesem Sommer – oder erst 2027?

Das Trainingslager am Tegernsee könnte die Abschiedstour des 23-Jährigen einläuten. Die Signale, die der Klub in diesem Sommer nicht zuletzt durch seine Transfers ausgesendet hat, sind eindeutig. Zunächst wurde Scally mit der Verpflichtung des international erfahrenen Yukhym Konoplia von Schachtar Donezk ein potenzieller Startelfkandidat vor die Nase gesetzt. Dann, nach der Verletzung des Ukrainers (Innenbandriss im rechten Knie) im zweiten Testspiel der Vorbereitung bei Rot-Weiss Essen, holte Sportchef umgehend auch noch Daiki Hashioka für die Rechtsverteidigerposition. Es wird für die Zukunft vorgebaut. Eine Zukunft, die offenbar schon ohne Scally geplant wird.

Der Vertrag läuft aus, keine Verlängerung in Sicht

Am Saisonende läuft der Vertrag des US-amerikanischen Nationalspielers aus. Eine Verlängerung ist aktuell in weiter Ferne, sodass die Borussen Scally gerne schon in diesem Sommer verkaufen würden, um noch richtig Kohle zu kassieren. Der WM-Fahrer liebäugelt seit Jahren mit einem Abschied; besonders reizvoll findet er die englische Premier League. Was richtig Ernstes entwickelte sich in den vergangenen Jahren jedoch nicht. Im Mai hatte Scally noch einmal davon gesprochen, offen für etwas Neues zu sein. Aber: Anders als erhofft entwickelte sich für ihn die Weltmeisterschaft im eigenen Land nicht zum Karriere-Booster.

Eine Einwechslung (80. Spielminute) am zweiten Gruppenspieltag beim 2:0-Sieg gegen Australien sowie ein Startelfeinsatz am dritten Spieltag bei der 2:3-Niederlage gegen die Türkei (kicker-Note 4), mehr sprang persönlich nicht heraus. Die WM war für Scally kein Turnier, um neue (und namhafte) Interessenten anzulocken.

Diskussionen sind ständiger Begleiter

Dass Scally mit nur 23 Jahren schon 167 (!) Pflichtspiele für die Borussia bestritten hat, sagt einiges aus über seinen Werdegang in Gladbach. Er ist der Dauerbrenner auf der Rechtsverteidigerposition, bisweilen auch eine Aushilfe in der Dreierkette oder auf der linken Seite. Dennoch sind die Diskussionen um seine Person seit Jahren ein ständiger Begleiter. Weil die Leistungen des flexibel einsetzbaren Defensivspezialisten bisweilen enormen Schwankungen unterliegen.

Mal ist auf ihn absolut Verlass, mal die Fehlerquote in seinem Defensivspiel unerklärlich hoch. Auch in der Offensivbewegung – Entscheidungsfindung und Passqualität im letzten Drittel oder die Genauigkeit bei den Flanken – fehlt der entscheidende Entwicklungsschritt nach vorne. Zurück bleibt das Gefühl, dass Scally stagniert.

Neue Konkurrenz rechts hinten

War Scally in der Spielzeit 2025/26 quasi konkurrenzlos auf seiner Position, hat Sportchef Rouven Schröder in diesem Sommer eine neue Ordnung geschaffen. Der griffige Konoplia (Vertrag bis 2029) wäre ohne Verletzungspech sicherlich zur ersten Wahl rechts hinten in der Viererkette geworden. Nun dürfte es zwei Monate brauchen, bis er wieder fit ist. Womöglich zieht jetzt aber „Ersatzmann“ Hashioka direkt an Scally vorbei. Beim Japaner haben die Borussen alle Karten in der Hand: Im Zuge der einjährigen Leihe wurde mit Slavia Prag auch eine Kaufoption vereinbart. Überzeugt Hashioka, der auch im Abwehrzentrum eingesetzt kann, in den kommenden Monaten, können die Gladbacher zuschlagen und sich dessen Dienste längerfristig sichern. Die Kaufoption soll im Bereich von ein bis zwei Millionen Euro liegen.

Scally weiß um die Ausgangslage, dass sein unangefochtener Stammplatz aus den vergangenen Jahren futsch ist. Nach seinem WM-Urlaub steigt er im Trainingslager jetzt richtig in die Sommervorbereitung ein – und wird sich parallel dazu auch mit dem Thema Perspektive und Zukunft beschäftigen.

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