Eine ungewöhnliche Gesprächsrunde im Freiburger Trainingslager: Drei Japaner, zweifelhafte KI-Übersetzungen und ein neuer Torhüter, der im Nebenjob keine Anlaufschwierigkeiten hat. Mio Backhaus gibt dank seiner Sprachkenntnisse einen Einblick in die neue Japan-Connection des Sport-Club.
Die Japan-Connection des SC Freiburg
Aus Freiburgs Trainingslager in Schruns berichtet Moritz Kreilinger
Am 23. Mai unterschrieb Mio Backhaus einen Vertrag beim SC Freiburg – als Spieler, konkret als Torhüter. Schon wenige Tage später kristallisierte sich heraus, dass das Arbeitspapier eigentlich um eine Anlage ergänzt werden müsste. Knapp zwei Monate später sind die zusätzlichen Aufgaben zwar nicht schriftlich festgehalten, der 22-Jährige geht dennoch in seinem unerwarteten Zweitjob beim SC Freiburg auf: als Dolmetscher.
Nur drei Tage nach dem Backhaus-Transfer verkündet der Sport-Club die Verpflichtung des Japaners Rihito Yamamoto, am 11. Juni unterschreibt auch noch dessen Landsmann Keisuke Goto im Breisgau. Binnen 19 Tagen wird der SC zur Japan-Hochburg. Denn das neue Duo trifft auf den schon seit einem Jahr dort spielenden Yuito Suzuki – und eben auf Backhaus, der als Sohn eines deutschen Vaters und einer japanischen Mutter auch in Japan aufgewachsen ist und die Sprache fließend spricht.
Suzukis Zweifel an der KI
Genau das stellt er an diesem Samstag im Trainingslager eindrucksvoll unter Beweis. Der eigentliche Plan im Interview mit den dreieinhalb Japanern sieht spezielle Kopfhörer und eine Simultanübersetzung-App vor. Doch schon bei der ersten an Suzuki gerichteten Frage werden angesichts des skeptischen Blicks des 24-Jährigen Probleme deutlich. „This is not right, I think“, betont Suzuki dann auch verbal.
Backhaus springt ein und übernimmt den für die KI vorgesehenen Job des Dolmetschers – von dem er bei der Vertragsunterschrift wirklich nichts ahnte. „Ich wusste ja nicht, dass die zwei noch kommen. Aber ich freue mich, wenn ich neben dem Platz helfen kann. Sie wissen, dass sie immer auf mich zukommen können.“
Damit nicht das gesamte Wohl der Freiburger Japan-Connection an Backhaus‘ Kommunikationsfähigkeiten hängt, drücken sie auch die Schulbank. Goto hat beispielsweise schon während der WM durch einen vom SC vermittelten Sprachkurs die Möglichkeit, das Können in der englischen Sprache aufzubessern.
Suzuki kennt das bereits. Doch nicht nur wegen seiner guten Englisch-Kenntnisse dürfte er weniger auf Backhaus‘ Angebot zurückgreifen, er spielt schließlich seit einem Jahr beim SC. „Die größte Schwierigkeit war anfangs, mich dem Team, der Spielweise und der Liga anzupassen. Als das geschafft war, habe ich die Saison genossen“, blickt Suzuki zurück, der mit wettbewerbsübergreifend acht Toren und sechs Vorlagen auf Anhieb seinen Teil zum Erfolg beitragen konnte. Die neue Gesellschaft ist noch ungewohnt, wie Suzuki erklärt: „Es ist etwas ganz Neues für mich, hier in Europa mit Japanern zusammenzuspielen. Ich weiß noch nicht, wie sich das anfühlen wird, aber ich freue mich sehr darauf.“
Suzuki kennt beide – von der WM und den U-Teams
Diese Erfahrung hat das neue Duo bereits gesammelt. Zwar gingen die zehn Millionen Euro Ablöse für den 21 Jahre alten Goto auf das Konto des RSC Anderlecht, doch vergangene Saison spielte dieser leihweise an der Seite von Mittelfeldspieler Yamamoto in St. Truiden, für den sieben Millionen Euro dorthin flossen. Als Goto seinen Wechsel nach Freiburg finalisierte, wusste er bereits, dass ihn dort seine Landsleute erwarten. „Mir hat der Gedanke geholfen, dass Yuito hier direkt ein gutes Jahr hatte. Das hat schon eine Rolle gespielt, dass Japaner hier offensichtlich gut zurechtkommen können“, erklärt Goto, der zusammen mit Suzuki unlängst Teil des WM-Kaders war.
„Niemand muss auf Krampf versuchen, der nächste Johan Manzambi zu sein.“ (Yuito Suzuki)
Den Austausch mit Suzuki hat auch der 24-jährige Yamamoto explizit gesucht, beide sind Jahrgang 2001 und kennen sich aus 18 gemeinsamen Spielen für japanische U-Nationalmannschaften. „Ich habe in vielen Gesprächen mit dem Klub das Gefühl bekommen, dass ich mich hier weiterentwickeln kann. Yuito hat mir das auch bestätigt, dass ich dafür hier genau richtig bin. Für mich ist das hier der nächste Schritt, um in der Bundesliga und international zu spielen“, beschreibt Yamamoto.
Auf ihn warten beim SC große Fußstapfen, die ihm Johan Manzambi hinterlassen hat. Zumindest positionstechnisch könnte er den für bis zu 70 Millionen Euro zu Aston Villa abgewanderten Schweizer ersetzen. „Ich bin ein anderer Spielertyp“, wendet Yamamoto ein, der auf der Sechs spielen kann, sich selbst am liebsten aber auf der Acht sieht. „Ich versuche auf meine Art und Weise, das Spiel in die richtige Richtung zu lenken und mein Bestes zu geben.“ Suzuki pflichtet ihm bei: „Jeder bei uns hat seine eigene Spielweise und niemand muss auf Krampf versuchen, der nächste Johan zu sein.“
Dabei könnte auch Backhaus nicht helfen. Der hat schließlich gar nicht mit Manzambi zusammen gespielt. Denn während die neue Nummer 1 abseits des Rasens ganz gekonnt als Integrationshelfer und Dolmetscher fungiert, vergisst man beinahe, dass Backhaus selbst erst vor einigen Wochen vom Bremer ins Freiburger Trikot geschlüpft ist.

