In seinem ersten Halbjahr als Spieler von Eintracht Frankfurt enttäuschte 20-Millionen-Euro-Mann Elye Wahi. Doch vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison nimmt der Franzose Fahrt auf. Nun gilt es, die Frühform zu bestätigen.
Torpremiere in Koblenz
Die Überlegung, mit einer Doppelspitze zu beginnen, hatte Dino Toppmöller beim Pokalspiel gegen den FV Engers nicht in die Tat umgesetzt. Doch auch von der Bank machte Elye Wahi ein weiteres Mal auf sich aufmerksam und zeigte, warum er ein halbes Jahr nach seiner Ankunft in Frankfurt doch noch zu einem wichtigen Faktor werden könnte.
Klar, der Gegner war ein Fünftligist, doch mit seinem ersten Tor und seiner ersten Vorlage in einem Pflichtspiel für Eintracht Frankfurt stach der Franzose erneut heraus. Im Anschluss an eine Ecke traf Wahi auf Vorarbeit des neuen Kapitäns Robin Koch aus acht Metern von links per abgefälschtem Rechtschuss zum 4:0. Fast unmittelbar im Anschluss schaltete er bei einem Einwurf von Ansgar Knauff schnell, erlief die Kugel links und bediente Paxten Aaronson, der den Torwart umkurvte und zum Endstand traf.
Neben seinen beiden Premieren-Scorerpunkten lobte Dino Toppmöller im Nachgang auch das Spiel gegen den Ball. „Er hatte eine sehr gute Aktivität im Gegenpressing und ist weiterhin auf einem richtig guten Weg.“ Aussagen, die man vor wenigen Wochen so noch nicht erwartet hätte.
Der Start des Mittelstürmers bei der SGE war einer zum Vergessen. Als Nachfolger des zu Manchester City abgewanderten Omar Marmoush verpflichteten die Frankfurter den 22-Jährigen im Januar für eine stolze Sockelablöse in Höhe von 20 Millionen Euro von Olympique Marseille, das Wahi selbst erst ein halbes Jahr zuvor aus Lens losgeeist hatte.
Dass Wahi die großen Fußstapfen Marmoushs, dem bis zum Januar bereits 20 Tore und 15 Assists in 26 Pflichtspielen gelungen waren, gänzlich ausfüllt, war sicher nicht von ihm zu erwarten. Und doch blieb sein erstes Halbjahr am Main eine Enttäuschung: elf Einsätze, darunter lediglich einer von Anfang an, und keine einzige Torbeteiligung. Wahi wirkte wie ein Fremdkörper, es mangelte an Bereitschaft, in seinen beiden benoteten Spielen erhielt er jeweils die Note 5. Dass er die Kurve kriegt, war nicht zwingend zu erwarten.
19 Saisontore in der Ligue 1 2022/23
Dabei sind die Fähigkeiten, die der Franzose zumindest in sich trägt, unbestritten. „Elye kann uns Tore bringen. Das hat er in seiner Karriere auch schon bewiesen“, untermauerte Dino Toppmöller in einer Medienrunde während der USA-Reise. Für Montpellier gelangen ihm 2022/23 insgesamt 19 Treffer in der Ligue 1, in Lens waren es eine Saison später immerhin noch neun. „Er hat ein gutes Gespür für tiefe Laufwege. Elye kann den Ball festmachen und damit ermöglichen, dass die Mannschaft nachrückt“, unterstrich der Coach weitere Vorzüge und betonte: „Wir glauben an sein Potenzial.“
Und in diesem Sommer deutet er – in Frankfurt wird man sagen „endlich“ – dieses auch im SGE-Trikot an. Schon in den Vereinigten Staaten gelang Wahi bei den beiden 2:2-Unentschieden gegen Aston Villa und Philadelphia Union je ein Treffer. In Fulham war er beim 3:1-Sieg im Geheimtest, in dem Toppmöller neben Neuzugang Ritsu Doan überwiegend die Spieler auflaufen ließ, die hintendran sind, der überragende Mann. Selbst traf der Franzose zum 1:0 und 2:1, das Tor zum Endstand bereitete er leicht abgefälscht für Doan vor.
Wahi bleibt auch ohne Ekitiké zunächst Ersatz
Kombiniert mit einem Treffer und einer Vorlage in Koblenz gegen Engers ein Bewerbungsschreiben, das sich durchaus sehen lassen kann. „Jetzt gilt es, die Leistung aufrechtzuerhalten“, forderte Toppmöller mit Blick auf die ersten Pflichtspiele gegen Gegner auf Augenhöhe.
Wahi wird sich auch nach dem Abgang von Hugo Ekitiké zunächst weiter in der zweiten Reihe, hinter Neuzugang Jonathan Burkardt, einordnen müssen. Noch muss er nachweisen, dass er sich nicht von Rückschlägen ausbremsen lässt und seine Qualität auch in der Bundesliga auf den Rasen bringen kann – oder gar der in Champions League.
Dort hatte er bereits im Oktober 2023 seine Sternstunde, als er den RC Lens mit einem Tor und einer Vorlage zum überraschenden 2:1-Sieg gegen Arsenal führte. Noch im selben Monat folgte sein zweiter und bislang letzter Königsklassen-Treffer beim 1:1 gegen Eindhoven. Hält Wahi seine starke Frühform aufrecht und knüpft an die erfolgreichen alten Zeiten an, könnte er auch in Frankfurt schnell den Ruf als Flop ablegen.

