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Zweiter Stürmer oder Achter? Tillmans Hoffnung auf das Ende der Unzufriedenheit

Bislang konnte Malik Tillman auch die eigenen Erwartungen nicht erfüllen. Beim 3:0-Sieg gegen Villarreal lässt der selbstkritische Mittelfeldspieler jedoch den Knoten doppelt platzen. Ob er seine ideale Rolle gefunden hat, ist dabei aber eine ganz andere Frage.

Erster Doppelpack für Bayer

Manchmal reichen 90 Minuten aus, um eine zuvor getroffene Aussage ganz anders zu bewerten. Als Kasper Hjulmand am Dienstag einen Tag vor dem 3:0-Sieg über den FC Villarreal über Malik Tillman gesprochen hatte, wollte man die Worte des Leverkusener Trainers einfach nur in die Kategorie Gesundbeten einordnen. Der Däne hatte in so hohen Tönen von dem 23-Jährigen geschwärmt, dass man diese gar nicht mit den bislang gezeigten Leistungen des 35-Millionen-Euro-Einkaufs übereinbringen konnte.

Keine 36 Stunden später erschien Hjulmands Lobeshymne in einem ganz anderen Licht, hatte Tillman doch zuvor sein bestes Spiel im Bayer-Trikot (kicker-Note 1,5) abgeliefert, gleich zwei Treffer erzielt und war von der UEFA als Spieler des Spiels ausgezeichnet worden – was nicht immer etwas bedeuten muss, aber nach diesem Abend angemessen war.

„Ich bin sehr erleichtert. Ich denke, dass von mir mehr hätte kommen können, ich erwarte auch selbst mehr von mir.“ (Malik Tillman)

Für den US-Nationalspieler bedeutet sein erster Doppelpack für Leverkusen einen Befreiungsschlag. Er sei „sehr erleichtert. Ich persönlich denke, dass von mir mehr hätte kommen können, ich erwarte auch selbst mehr von mir“, räumte der Mittelfeldspieler direkt bei der ersten Frage gewohnt selbstkritisch ein, „und deswegen bin ich umso glücklicher, wieder getroffen zu haben“.

Tore sind ein wesentlicher Faktor, an dem der Rechtsfüßer Tillman gemessen wird. Schließlich sollen seine Treffer dazu beitragen, die Lücke zu schließen, die Topstar Florian Wirtz mit seinem Wechsel zum FC Liverpool im Sommer 2025 gerissen hat. Doch bislang hatte der Profi, der ein gefährlicher Distanzschütze ist, seine Abschluss-Qualitäten kaum aufblitzen lassen. Vor dem Villarreal-Spiel standen für diesen in 21 Pflichtspielen für Bayer drei Tore und ein Assist in der Bundesliga zu Buche. Für einen meist auf der Zehn eingesetzten Profi ein äußerst überschaubarer Wert.

„Ich habe das Gefühl, dass ich oft in dem Raum bin, aber eben nicht so oft diese Bälle bekomme.“ (Malik Tillman)

Nach dessen starkem Auftritt gegen Villarreal lobte Geschäftsführer Simon Rolfes den Sommer-Zugang: „Er hat es mit den zwei wirklich guten Toren super gemacht, war aber auch im Spiel präsent, hat immer wieder Zweikämpfe gewonnen, war sehr ballsicher und hat nachher auch schöne Pässe im Konter gegeben. Eine sehr, sehr gute Leistung von ihm.“ Rolfes forderte aber auch: „Mit so einem guten Schuss muss er einfach häufiger schießen.“

Warum dies bislang nicht der Fall ist, ist die große Frage. Tillman selbst deutet dies nur ganz behutsam an. „Ich weiß es nicht“, sagt, um dann sehr genau aufzuzeigen, woran es hapert. „Ich habe das Gefühl, dass ich oft in dem Raum bin, aber eben nicht so oft diese Bälle bekomme“, analysiert er vorsichtig und betont: „Ich will da nicht mit dem Finger auf irgendjemandem zeigen, sondern: Wir sind ein Team. Ich kann mich auch nur anbieten, und wenn ich den Ball bekomme, bekomme ich den Ball. Und wenn nicht, dann eben nicht. Dann muss ich einfach weitermachen.“

Tillman sieht nicht mangelndes Selbstbewusstsein als Grund

Dass Tillman von seinen Mitspielern geschnitten wird, ist eher unwahrscheinlich. Zwar wirkt dessen Auftreten auf dem Platz wegen seiner Körpersprache und seiner großen Übersetzung schnell phlegmatisch, doch tatsächlich ist er ein anderer Typ. Zurückhaltend, einer, der sich eher zu viel den Kopf zerbricht, und eben selbstkritisch. Ein Teamplayer, dem von seinen Kollegen das Erfolgserlebnis gegönnt wird. „Ich hoffe, dann wird er heute auch mal gelobt“, erklärte Torhüter Janis Blaswich, „das hat er sich sehr, sehr verdient. Ich freue mich sehr für ihn. Das habe ich ihm auch schon gesagt.“

Mangelndes Selbstvertrauen aufgrund zuvor fehlender Erfolgserlebnisse schloss Tillman am Mittwochabend als Grund dafür aus, dass er bislang nicht annähernd so oft wie erwünscht aus der Distanz zum Abschluss kam. „Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich nicht selbstbewusst bin“, erwidert er, „ich war bisher selten in dieser Situation.“

„Er ist ein zweiter Stürmer. Malik muss in diese Position laufen. Das hat er sehr gut gemacht.“ (Kasper Hjulmand)

So spielt vielmehr die Positionierung von Tillman eine entscheidende Rolle. „In Eindhoven habe ich ja viele solche Tore gemacht“, erklärte der Profi zu seinem Treffer zum 2:0 von der Strafraumgrenze, als er einen von Patrik Schick per Kopf perfekt zurückgelegten Ball direkt wie präzise flach versenkte, „ich hoffe und ich gebe alles dafür, dass es hier auch noch dazu kommt.“

Bei der PSV Eindhoven agierte er allerdings meist als halblinker Achter in einem 4-3-3-System, also aus eher zurückgezogenen Position. Hjulmand hingegen sieht ihn in einer anderen Rolle. „Wir haben darüber gesprochen. Er ist ein zweiter Stürmer. Malik muss in diese Position laufen. Das hat er sehr gut gemacht“, erklärte der Trainer nach dem Doppelpack seiner Nummer 10, nachdem er bereits tags zuvor gefordert hatte, dass dieser näher an der einzigen Spitze agieren müsse.

Bei seinem 2:0 agierte Tillman wie ein Achter, nicht wie ein zweiter Stürmer

Zumindest auf den ersten Blick geben die Treffer gegen Villarreal dem Trainer recht. Doch betrachtete man die Entstehung des Tillman-typischen 2:0, sah man, dass der US-Nationalspieler aus einer tieferen Position mit einem Steckpass in die Box auf den stark spielenden halblinken Zehner Ibrahim Maza die Leverkusener Ballstafette über fünf Stationen einleitete, die er dann selbst am Ende – immer noch außerhalb des Strafraums lauernd – abschloss. Also nicht aus einer klassischen Position als zweite Spitze, sondern eher aus der eines Achters.

Seinen zweiten Bundesliga-Treffer beim 1:1 gegen Gladbach am 4. Spieltag hatte Tillman, der gegen Villarreal formal als halbrechter Zehner agierte, übrigens als einer von zwei Sechsern erzielt, als er bei einem Angriff nachgerückt war und den zurückgelegten Ball versenkt hatte. Grundsätzlich ist er deutlich gefährlicher, wenn er bereits in Richtung Tor orientiert ist und nicht aufdrehen muss. Denn dies stellt in engen Räumen zwischen den Ketten nicht die Stärke des 1,87 Meter großen Athleten dar, der seine Dynamik am besten mit Anlauf aus der Tiefe entwickeln kann.

Zweiter Stürmer oder Achter? Trifft Tillman nicht weiter, muss intern die Diskussion geführt werden

Zweiter Stürmer also – oder doch eher ein Achter? Trifft Tillman nun weiterhin wie am Mittwoch gegen Villarreal, dann wird sich diese Diskussion in Luft auflösen. Falls nicht, wird sie intern geführt werden müssen. Ob es so weit kommt, hängt von Tillman selbst ab und davon, wie er die ihm von Hjulmand zugedachte Rolle als zweiter Stürmer interpretiert. Bereits die Partie am Samstag bei Eintracht Frankfurt dürfte dafür weitere Hinweise liefern.

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