Nach dem ersten Pausenrückstand in dieser Saison berappelte sich der FC Bayern beim Topspiel in Leipzig noch – und wie: Aus dem 0:1 bog der Rekordmeister noch ein 5:1. Für Vincent Kompany ein Kraftakt der alten Schule.
Beckenbauer-Marke von Neuer
Die Einwechslung von Michael Olise hatte den Spieß sich komplett drehen lassen. Nach dem zunächst erzielten 1:1 von Serge Gnabry und der Top-Parade von Manuel Neuer gegen Romulo war der zunächst geschonte Weltklasse-Mann vom 2:1 bis zum 5:1 jeweils direkt beteiligt und trug sich am Ende mit drei Assists sowie einem Treffer in die Statistik ein.
Der ein oder andere Zuschauer dürfte sich spätestens da gefragt haben: „Warum spielt Olise eigentlich nicht von Beginn an?“
Darauf hatte Trainer Vincent Kompany bereits vor dem Spiel am Sky-Mikrofon gesagt, dass er die hohe Belastung bei all seinen Profis stets im Blick haben müsse: „Es waren einfach zuletzt drei Spiele in sechs Tagen, wie soll ich das anders erklären?“ Was der 39-Jährige aber hier schon angedeutet hatte: „Michael wird wahrscheinlich später auch eine ganz wichtige Rolle spielen.“ Wahre Worte.
„Es war pure Alte-Schule-Mentalität“
Mit dem Joker hatte sich die gesamte FCB-Mannschaft verbessert gezeigt und Kompany Lob abgerungen. „Die haben uns richtig Probleme gemacht in der ersten Halbzeit, waren klar die bessere Mannschaft. Es fühlte sich an, als wären sie doppelt so gut wie wir“, holte der Münchner Coach dabei mit Blick auf den Rückstand und einige vergebene Top-Chancen der Leipziger aus, um einzulenken: „Aber zweite Halbzeit: Mein Gott! Die Jungs haben geliefert.“ Seine Spieler seien plötzlich sechs Kilometer mehr als der Gegner gelaufen. Und obwohl am Ende des Tages nicht alles perfekt gelaufen war, befand er: „Es war pure Alte-Schule-Mentalität: Laufen, kämpfen, grätschen.“
- Die aktuelle Tabelle
Sein Kapitän Neuer, der in seiner Laufbahn weiterhin noch nie gegen Leipzig verloren hat (13 Siege, drei Remis), hatte laut Zählung der Bundesliga an diesem Abend sein 584. Pflichtspiel für den Rekordmeister bestritten und war deshalb mit Legende Franz Beckenbauer gleichgezogen. Ihm sang Kompany ob dessen weiterer guten Parade auch beim möglichen 2:2 von Yan Diomande ein Extra-Loblied: „Man kann ihn nicht genug loben.“
Kompanys Empfehlung nach langen Verletzungspausen
Neben Olise und Neuer ging es auch viel um Jamal Musiala, der nach seinem Wadenbeinbruch beim Klub-WM-Viertelfinale gegen Paris nach Einsteigen von Torwart Gianluigi Donnarumma nach fast 200 Tagen sein Comeback direkt mit einem Assist feierte. „Es ist natürlich sehr schön, dass Jamal wieder da ist nach so einer langen Zeit“, sagte Serge Gnabry über seinen Mannschafts- und DFB-Kollegen, der nach langer, individueller Reha Mitte Dezember wieder ins Teamtraining eingestiegen war.
„Er nimmt sehr viel positive Energie mit“, sagte nach dem Comeback außerdem Trainer Kompany. „Wenn du aus diesem dunklen Tunnel herauskommst, sind auch die kleinen Sachen toll. Ich empfehle den Jungs, die aus Verletzungen kommen, immer, dass sie das erste Gefühl, das sie haben, wenn sie zurück sind, nie vergessen.“ Überbewerten wollte der Coach das Ganze aber nicht: „Es geht erst einmal um die Integration.“ Erst mit weiteren Einsätzen und weiterer Zeit werden dann wieder 100 Prozent erreicht.

