Am vergangenen Samstag knackte der FC Bayern zum dritten Mal in seiner Geschichte und als einziges Team die Marke von hundert Saisontoren in der Bundesliga. Am Samstagabend könnte der Uralt-Rekord von 101 egalisiert und verbessert werden.
Neue Bestmarke auf St. Pauli
Für Uli Hoeneß und Franz „Bulle“ Roth ist die Sache klar: Das historische 102. Tor sollte Harry Kane gehören, die beiden Bayern-Granden waren sich diesbezüglich im großen kicker-Interview vor zwei Wochen einig. Ob Vincent Kompany dies auch so sieht? Gut möglich, dass Bayerns Trainer im Spiel beim FC St. Pauli (Samstag, 18.30 Uhr) die Rotationsmaschine anwirft und plötzlich ein ganz anderer Spieler, vielleicht einer aus der zweiten Reihe, im Rampenlicht steht.
Schließlich findet diese Partie zwischen Hin- und Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen Real Madrid statt, wollen die Bayern nach dem 2:1-Sieg im Bernabeu möglichst frisch in die entscheidende zweite Partie am kommenden Mittwochabend gehen. Andererseits möchte Kompany auch nichts verschenken, soll hinter den Gewinn der Deutschen Meisterschaft so bald wie möglich ein Haken gemacht werden.
Das 100. Tor erzielte am vergangenen Samstag Lennart Karl in der neunten Minute der Nachspielzeit zum 3:2-Sieg beim SC Freiburg. Damit befindet sich der 18-Jährige in illustrer Gesellschaft. 1972 hieß der Jubiläumstorschütze Uli Hoeneß, als er am letzten Spieltag das 4:1 beim 5:1 gegen Schalke 04 machte. Bayern wurde dadurch im ersten Bundesligaspiel im Olympiastadion Meister. 2020 vollendete Thomas Müller am letzten Spieltag bei einem 4:0 in Wolfsburg die Dreistelligkeit.
Gesucht: Der zweite Beckenbauer
Mit ihrem nächsten Saisontor stellen die Bayern den Rekord von 101 Toren aus 1971/72 ein. Der Schütze steht dann in den Annalen gleichbedeutend mit Franz Beckenbauer, der per Freistoß 1972 den Schlusspunkt setzte und mit seiner Mannschaft eine Marke schuf, die bis heute kein Team mehr erreicht hat.
Und die 102? Blickt man auf die interne Torschützenliste, heißt der wahrscheinlichste Kandidat Harry Kane mit 31 Treffern, gefolgt von Luis Diaz mit 15, Michael Olise mit elf, Serge Gnabry (8) und Karl (5). Doch wer von ihnen steht auf dem Platz, wenn das Tor fällt? Karl nicht, er fällt mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel vorerst aus. Und fällt es schon auf St. Pauli oder erst eine Woche später im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart?
Spielereien, klar. Aber eben mit einer historischen Dimension. Und vielleicht wird es sogar Alphonso Davies. Der Kanadier ist seit Tom Bischofs Doppelpack am vergangenen Wochenende nämlich der einzige Feldspieler aus dem Profikader ohne Bundesligator in dieser Saison. Gäbe es einen besseren Zeitpunkt für die Premiere?

