Zum ersten Mal überhaupt muss Vincent Kompany ein Bundesligaspiel mit Bayern ohne Michael Olise angehen.
Tabellenführer in Bremen ohne den gesperrten Franzosen
Vielleicht schafft es Borussia Dortmund auch an diesem Wochenende, die Bayern ein bisschen unter Druck zu setzen und vorzulegen im Meisterschaftskampf, der vermutlich gar keiner ist. Gewinnt der Zweite am Freitagabend gegen Mainz, hätte der Erste am Samstag – wie kurzzeitig auch am vergangenen Wochenende – nur noch drei Punkte Vorsprung.
Gegen das Team der Stunde aus Sinsheim nutzte der Rekordmeister den Ansporn (wenn auch mit Startschwierigkeiten), an diesem Samstag in Bremen braucht er womöglich gar keinen zusätzlichen Anreiz – oder sollte keinen brauchen. Bei Abstiegskandidat Werder Bremen haben die Münchner zuletzt sage und schreibe fünfzehnmal in Folge gewonnen, letztmals im März 2009 zwei Punkte liegenlassen.
Und noch bemerkenswerter: Als Bremen gar das letzte Bundesliga-Spiel zuhause gegen die Bayern gewann, absolvierte der heutige FCB-Trainer Vincent Kompany tags darauf seinen elften Pflichtspieleinsatz als Innenverteidiger für den Hamburger SV. Neunzehneinhalb Jahre sind seitdem vergangen.
„Dann muss ein anderer Spieler sich auf den Einsatz freuen.“ (Kompany über die Olise-Lücke)
Kaufen können sich die Bayern von diesen sensationellen Serien gewohntermaßen gar nichts, sie existieren in irgendeiner abgespeckten Version ja gegen so viele Kontrahenten. „Es gibt kein einfaches Bundesligaspiel“, sagt Kompany am Freitag vor der Reise an die Weser, wo ein Gegner wartet, der seit drei Monaten kein Pflichtspiel mehr gewonnen hat.
„Sie haben einen neuen Trainer“, weiß Kompany, und auch wenn Daniel Thioune sein Debüt trotz langer Überzahl in Freiburg verloren hat, „bringt es eine gewisse Variabilität ins Spiel.“ Werder habe selbst ohne die ausgebliebenen Ergebnisse „nicht so schlecht gespielt, wie man das glauben kann. Sie haben nur zu wenig Tore gemacht.“
Deswegen, findet Kompany, „ist das eine gefährliche Mannschaft, weil sie, wenn das Vertrauen da ist, in jedem Bereich schwierig zu bespielen sein kann.“ Und natürlich trotzdem kein Gradmesser werden sollte für die Bayern, die seit 19 Auswärtsspielen ungeschlagen sind, an diesem Wochenende aber zum allerersten Mal überhaupt ohne den gesperrten Michael Olise auskommen müssen.
Der Franzose, der bei Crystal Palace noch mit wiederkehrenden Oberschenkelproblemen zu kämpfen hatte, stand für den FCB bis dato in 55 von 55 möglichen Ligaspielen auf dem Platz und sammelte dabei unglaubliche 59 Scorerpunkte.
„Michael war natürlich überragend bis jetzt“, erklärt Kompany, der sich wegen der Sperre keinen Kopf macht: „Hauptsache, er ist nicht verletzt. Wir haben die Möglichkeit, Michael in diesem einen Spiel zu ersetzen“, meint der Trainer. „Dann muss ein anderer Spieler sich auf den Einsatz freuen, weil Michael immer fit ist. Er spielt oft und sehr gut. Deswegen kommt diese Position ganz selten frei.“
Der Olise-Ersatz: Karl, Gnabry oder sogar Jackson?
Denkbar wäre, dass Lennart Karl, nachdem er im Pokalspiel gegen Leipzig gar nicht zum Einsatz gekommen war, mal wieder auf dem rechten Flügel beginnt, Jamal Musiala auf der Zehn startet. Oder Serge Gnabry behält seinen Posten hinter Harry Kane. Oder Nicolas Jackson, zuletzt gar nicht im Kader, rutscht gleich in die Startelf, Gnabry dafür nach rechts und Musiala auf die Zehn. Optionen bieten sich dem Trainer einige, verletzt ist aktuell kein einziger Profi.
Verdrängen wird Olise mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemand dauerhaft. Der Rechtsaußen kommt allein in den vergangenen drei Monaten, in denen Werder sieglos geblieben war, auf 20 direkte Torbeteiligungen – Bremen traf im gleichen Zeitraum siebenmal.

