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„Wenn man etwas zu verlieren hat, ist es logisch, dass manchmal die Knie wackeln“

Für Urs Fischer war das Auswärtsspiel seiner Mainzer bei Union Berlin ein besonderes: Er kehrte an seine alte Wirkungsstätte zurück. Dort verspielte sein Team nach einem starken Auftritt eine 2:0-Führung. Ein Punkt war für die 05er an diesem Tag eigentlich zu wenig – da waren sich alle einig.

Fischer verpasst Sieg an alter Wirkungsstätte

Zwischen 2018 und 2023 war Urs Fischer für mehr als fünf Jahre Cheftrainer von Union Berlin und feierte mit den Eisernen große Erfolge: Der Aufstieg in die Bundesliga und der erstmalige Einzug in die Champions League waren wohl die denkwürdigsten Meilensteine seine Amtszeit. Am Samstagnachmittag kehrte der Schweizer etwas mehr als zwei Jahre nach seinem Aus bei Union an die Alte Försterei zurück – als Trainer von Mainz 05.

Fischers neues Team wartet in der Bundesliga seit dem 20. September 2025 auf einen Sieg. Und in Berlin-Köpenick sah es lange Zeit danach aus, als würden seine 05er endlich ihren zweiten Dreier in dieser Spielzeit einfahren. Am Ende mussten sie sich aber mit einem Punkt zufriedengeben: „Weil wir das dritte Tor am Ende nicht gemacht haben“, sagte Fischer nach dem Spiel bei Sky.

Fischer ordnet nüchtern ein – Hollerbach wird emotional

Beim Stand von 2:0 hatte der Ex-Berliner Benedict Hollerbach noch eine große Chance, die er aber an das Kreuzeck setzte. „Und dann bekommst du ein zu einfaches Gegentor. Dann wird es halt noch mal heiß“, ordnete der Mainzer Trainer die Situation nüchtern ein. Hollerbach war da deutlich emotionaler: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wir müssen heute unbedingt gewinnen.“

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Seine Enttäuschung ist verständlich, denn lange Zeit hatte nichts darauf hingedeutet, dass Union noch mal in dieses Spiel zurückfinden würde. Aus dem Nichts köpfte Woo-Yeong Jeong die Eisernen zurück ins Spiel. Dieses Gegentor bezeichnete Hollerbach im Nachhinein als „brutal dumm“. Vor allem der Zeitpunkt sei problematisch gewesen, „weil sie noch eine Menge Zeit haben, um das Zweite zu machen“.

Und diese Zeit, die den Berlinern noch blieb, nutzten sie. Nach einem Standard fiel kurz vor Schluss das 2:2. Das war zu diesem Zeitpunkt aber auch schon gar nicht mehr unverdient, weil das Heimteam das Momentum komplett auf seiner Seite hatte. Für Fischer war es nur menschlich, wie sich seine Spieler nach dem Anschlusstreffer verhielten: „Wenn man etwas zu verlieren hat, ist es logisch, dass vielleicht manchmal die Knie wackeln.“ Das wolle er jetzt aber aus den Köpfen rausbekommen. „Wenn du ein solches Spiel hier ablieferst, musst du dich am Ende belohnen.“

Endlich das erste Tor: Ist Hollerbachs Knoten jetzt geplatzt?

Die 05er bleiben zwar unter dem neuen Coach weiterhin ohne Niederlage, drei Punkte aus drei Bundesliga-Spielen helfen aber auch nicht wirklich weiter, um aus dem Tabellenkeller zu klettern. Es müssen Siege her, das findet auch Hollerbach: „Der Sieg wäre wahnsinnig toll gewesen für den Spirit, für das Momentum.“ Der Stürmer gestattete sich selbst aber trotz des unnötigen Punktverlustes, sich über seinen ersten Bundesliga-Treffer für Mainz 05 zu freuen: „Mir tut es natürlich gut.“

„Ich habe ganz andere Ambitionen.“ (Benedict Hollerbach in Bezug auf sein erstes Bundesliga-Tor für Mainz)

Für seinen Geschmack sei der Treffer aber viel zu spät in dieser Saison gekommen: „Ich habe ganz andere Ambitionen.“ Vielleicht hing das Platzen des Knotens damit zusammen, dass er sich im Stadion An der Alten Försterei besonders wohlfühlt. Denn nicht nur für Fischer war es eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte, sondern auch für Hollerbach, der erst im Sommer als Burkardt-Ersatz nach Mainz gewechselt ist: „Ich freue mich natürlich total über das Tor hier an alter Wirkungsstätte. Hier fällt es mir irgendwie leicht. Ich hoffe, dass das für mich ein Startschuss war.“

Ob es der erhoffte Startschuss für einen hollerbachschen Sturmlauf im Mainzer Trikot war, kann der Stürmer schon in wenigen Tagen zeigen. Bereits am Dienstag (20.30 Uhr) steht für die 05er das enorm wichtige Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten aus Heidenheim auf dem Programm. Deshalb macht sich Fischer auch nicht viele Gedanken, wie er den einen Punkt in Berlin als Gewinn verkaufen kann: „Wir haben nicht lange Zeit. Am Dienstag wartet das nächste schwierige Heimspiel. Dann musst du wieder bereit sein.“

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