Lennart Karl wird in der kommenden Woche erstmals zur deutschen Nationalmannschaft reisen – andere Eigengewächse wollen seinem Beispiel folgen.
Der FC Bayern und sein Debütantenball
Viele außergewöhnliche Dinge werden in dieser Saison beim FC Bayern relativ schnell gewöhnlich. Dass der Bundesliga-Torrekord von 101 Saisontreffern bald fällig ist (aktuell sind es 97), nimmt man inzwischen ähnlich unaufgeregt zur Kenntnis wie die Tatsache, dass binnen einer Woche zwei 16-jährige Teenager ihr Profidebüt beim deutschen Rekordmeister geben durften.
Filip Pavic, im Januar erst 16 geworden, avancierte am Mittwoch beim 4:1 gegen Bergamo zum jüngsten Champions-League-Debütanten des FC Bayern, Erblin Osmani vier Tage später zum zweitjüngsten in der Bundesliga nach Paul Wanner.
Der gebürtige Münchner Osmani, seit 2017 und damit seit dem neunten Lebensjahr beim FCB, wurde beim klaren 4:0-Erfolg gegen Union Berlin in der 87. Minute an der Seite des sieben Monate älteren Maycon Cardozo eingewechselt, der bereits beim jüngsten Heimspiel gegen Gladbach (4:1) seine Premiere gefeiert hatte.
Trainer Vincent Kompany ist nicht dafür bekannt, Einsätze im Profibereich zu verschenken, ausgerechnet er war es aber, der am Samstagabend zumindest ganz vorsichtig auf die Euphorie-Bremse trat: „Die Jungs haben was geschafft, aber sie müssen noch alles erreichen“, erklärte der Belgier. Soll heißen: Ein Champions-League- oder ein Bundesliga-Einsatz ist gut, garantiert aber keine weiteren.
Wie Karl auf die kommende Woche blickt
Vermutlich wird nicht jeder der sicherlich hochveranlagten Nachwuchsspieler genau dort beim FC Bayern eine Zukunft haben, „aber es ist möglich“, versichert Kompany. Siehe Aleksandar Pavlovic oder Josip Stanisic. Oder Lennart Karl, der mit gerade mal 18 Jahren schon langsam zu den alten Hasen unter all den Jungspunden zählt und am Donnerstag erstmals zur deutschen A-Nationalmannschaft eingeladen wurde.
Bei der Nachhilfe saß der Offensivdribbler, als Bundestrainer Julian Nagelsmann anrief. Fünf Minuten später meldete Karl sich zurück und nahm die frohe Kunde entgegen, reichte sie dann weiter an den Papa, ehe Berater Michael Ballack informiert wurde. „Ich mache mir selbst gar keinen Druck, spiele einfach meinen Fußball“, sagt Karl mit Blick auf die kommende Woche. „Dann hoffe ich mal, dass das gut klappt und ich bei der WM dabei bin.“
An Selbstvertrauen hat es dem quirligen Karl auch nach den ersten Minuten im Bayern-Trikot nicht gemangelt, ganz sicher wird sich das Toptalent beim DFB ebenso wenig verstecken. Und damit weiterhin als Vorbild dienen für die noch jüngeren Kollegen wie Pavic oder Osmani, die selbst beim FC Bayern noch nicht jedem ein Begriff sind. „Woher soll ich denn wissen, wie die Jugendspieler heißen?“, fragte ein Ordner am Samstagabend lachend einen anderen, nachdem jene zwei Youngster den Weg von den Katakomben in die oberen Arena-Bereiche gesucht hatten und an den Mitarbeitern vorbeigeschlichen waren.
Bayern stellt Leipzig-Rekord ein
Doch so unbekannt der junge Osmani noch ist, einen geteilten Bundesliga-Rekord bescherte er den Bayern bereits, weil er in dieser Saison der siebte Münchner Teenager mit dem Debüt im Oberhaus war. Diesen Bestwert hatte in der Vorsaison RB Leipzig aufgestellt.

