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Verräterische Zahlen: Der Haken an Hjulmands Intensitäts-Kritik

Nach dem 1:1 in Gladbach war Bayer-Trainer Kasper Hjulmand sauer und prangerte mangelnde Intensität an. Doch wenn man den Zahlen glaubt, taugt dieser Faktor eher nicht zur Erklärung des enttäuschenden Auftritts. Vielmehr sind sie in anderer Hinsicht verräterisch.

DFL-Daten weisen Bayer schlechtes Saison-Zeugnis aus

Kasper Hjulmand war nach dem 1:1 im Borussia-Park bedient. Nicht nur mit dem Ergebnis zeigte sich der Leverkusener Trainer hoch unzufrieden, sondern vor allem mit der blutleeren Vorstellung seiner Mannschaft vor der Pause. Hätte der krisengeschüttelte Abstiegskandidat aus Mönchengladbach doch als klar bessere Mannschaft gegen völlig harmlose Leverkusener zur Halbzeit führen müssen, was einzig ein Eigentor der Gastgeber verhinderte.

Hjulmand prangerte daher die mangelnde Intensität seiner Profis bis zum Seitenwechsel an. “ Ballbesitzfußball heißt nicht nur, den Ball zu behalten, sondern Intentionen und Intensität mit dem Ball zu haben, Tempowechsel, Läufe in die Tiefe“, zählte Hjulmand die Mängel auf und urteilte, „das hat heute gefehlt.“

Die Statistik untermauert Hjulmands These nicht

Was den 53-Jährige gleich doppelt fuchste, weil er das Thema bereits tags zuvor in der Pressekonferenz in Leverkusen aufgemacht hatte. Ob er sauer sei, weil er gerade dieses Problem am Tag vor der Partie auch öffentlich thematisiert habe. „Ja, das ist richtig“, gab Hjulmand zu, der vor allem im Spiel mit Ball zu wenig Aktivität bemängelte.

Die Intensität, mit der eine Mannschaft agiert, lässt sich am besten an den absolvierten Sprints und den intensiven Läufen feststellen. Doch inwieweit taugen die Werte aus dem Gladbach-Spiel, um Leverkusens schwachen Auftritt vor der Pause im Borussia-Park wirklich zu erklären? Am Ende nicht wirklich.

Bei der Zahl der Sprints ist Leverkusen Vorletzter in der Liga

So standen nach den 90 Minuten 140 Sprints für den Werksklub zu Buche. Ein Wert der unwesentlich unter dem Leverkusener Saison-Durchschnitt von 149 Sprints liegt. In insgesamt sechs ihrer bislang absolvierten 20 Bundesliga-Spiele in dieser Saison lag der Wert niedriger.

Als die einzige Ursache für die Nicht-Leistung taugt dieser Wert also eher nicht. Vielmehr fällt etwas anderes ins Auge, wenn man die Werte zu Sprints und intensiven Läufen im Liga-Vergleich betrachtet. Denn diese gestalten sich alles andere als schmeichelhaft für das Hjulmand-Team.

Bayern, BVB und TSG laufen Bayer nicht nur in der Tabelle davon

So liegt Bayer sowohl bei den pro Spiel absolvierten Sprints als auch bei den intensiven Läufen pro 90 Minuten auf dem 17. und damit vorletzten Tabellenplatz. Und vergleicht man dies mit den drei Top-Teams der Liga, also dem FC Bayern München, Verfolger Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim, dann sieht man, dass diese Bayer nicht nur in der Bundesliga-Tabelle davonlaufen.

So absolvieren die beiden großen Rivalen, Bayern München und Borussia Dortmund, im Schnitt 171 bzw. 169 Sprints pro Partie. Davor liegen Leipzig und Spitzenreiter Hoffenheim (immer Stand vor den Sonntagsspielen), die TSG mit im Schnitt 180 Sprints pro 90 Minuten.

Auch bei den intensiven Läufen ist Bayer Vorletzter

Ein ähnlich entlarvendes Bild zeigt die Statistik zu den intensiven Läufen: Auch dort ist Bayer Vorletzter, während Hoffenheim, Bayern und der BVB auf den ersten drei Plätzen rangieren.

Die Leverkusener Werte bei den Sprints haben sich übrigens im Vergleich zu den Spielen vor der Winterpause nicht verändert. Sie liegen jeweils bei 148 Sprints. Der bei 149 Sprints liegende Saisonschnitt liegt an den beiden Partien unter Erik ten Hag, unter dem Bayer an den ersten beiden Spieltagen im Schnitt 163 Sprints abriss.

Bayers Sprintschwäche ist kein akutes Problem

Bayers Sprintschwäche ist also weniger ein aktuelles Phänomen, sondern eines, dass sich in der Zeit unter Kasper Hjulmand etabliert hat. Die Zahlen sind also verräterisch – allerdings nicht in der Hinsicht, dass sie eindeutig die Leverkusener Vorstellung in Gladbach erklären, sondern vielmehr für Bayers Spielstil unter dem neuen Trainer stehen.

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