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Trotz Tempodefizit: Wie Uzun auf dem Flügel wertvoll sein kann

Vor einem Jahr kam Can Uzun mit der Empfehlung von 16 Zweitligatoren aus Nürnberg. In Frankfurt hofft er nach einem Premierenjahr mit Licht und Schatten auf mehr Spielzeit. Bekommt er sie auf dem Flügel?

Duftmarke im ersten Eintracht-Test

Sein Startelf-Debüt für Eintracht Frankfurt im vergangenen Oktober hatte sich Can Uzun sicherlich anders vorgestellt. Das Europa-League-Heimspiel gegen das internationale Leichtgewicht Riga (1:0) geriet für den damals 18-Jährigen zu einem Abend zum Vergessen. Nach nur 35 Ballkontakten und kaum gewonnenen Zweikämpfen (22 Prozent) wurde er bereits in der 58. Minute ausgewechselt (kicker-Note 5,5). Allerdings musste Uzun im 4-4-2 auf dem linken Flügel ran – nicht seine Idealposition. Außerdem war die gesamte Mannschaftsleistung an diesem Abend schlecht, auch das macht es für einen jungen Spieler nicht einfach.

Kaum schneller als Götze

Uzuns Topspeed lag in der vergangenen Saison bei 31,7 km/h. Das ist kein idealer Wert, wenn man nominell auf dem Flügel eingesetzt wird. Damit war er nur unwesentlich schneller als der 14 Jahre ältere Mario Götze (31,1 km/h), dessen Leistungen in der Hinrunde ebenfalls darunter litten, dass er oftmals auf dem Flügel spielen musste. Das änderte sich erst, als Top-Stürmer Omar Marmoush zu Manchester City wechselte und Trainer Dino Toppmöller auf eine Spitze umstellte.

In welcher Grundordnung Frankfurt in die kommende Saison gehen wird, lässt sich noch nicht vorhersehen. Eine gewisse Flexibilität wird sicherlich beibehalten werden. Nach dem Abgang des nächsten Himmelstürmers, Hugo Ekitiké, könnte es auf ein 3-4-3 oder 4-2-3-1 hinauslaufen. Denkbar ist aber auch weiterhin ein 4-4-2, falls noch ein hochwertiger Stürmer kommt.

Im ersten Testspiel der Vorbereitung beim FSV Frankfurt (3:2) wählte Toppmöller ein 4-4-2 – und beorderte Uzun auf den linken Flügel. Von dort zog der türkische Nationalspieler nahezu permanent nach innen ins offensive Mittelfeld. Die ersten zwei Treffer bereitete er mit klugen Pässen vor, das dritte Tor erzielte er mit einem schönen Schuss an die Unterkante der Latte selbst. Gewiss, es war nur ein Test gegen einen Regionalligisten, und Uzun gelang längst nicht alles, doch eine erste Duftmarke hat er mit diesem Auftritt allemal gesetzt.

Anerkennende Worte von Toppmöller

„Das ist eine Position, auf der er sich insgesamt auch wohlfühlt. Grundsätzlich ist Can trotzdem ein Spieler, der noch zentraler spielen kann oder sollte“, sagt Toppmöller. Das Einsatzgebiet auf dem linken Flügel sei aber „immer eine gute Option, weil er fußballerisch gut ist und nach innen ziehen kann“. Zusammen mit einem lauffreudigen Außenverteidiger, der Überzahlsituationen herstellt, könne das eine „sehr gefährliche Kombination“ sein, glaubt der Coach. Anerkennend ergänzt er: „Can hat genau das gemacht, was er in der ganzen Trainingswoche schon gezeigt hat. Er hat sehr gut gespielt und auch für die defensiven Momente eine super Bereitschaft gezeigt. Dass er vorne die Qualität hat, sah man bei allen Toren.“

Links konkurriert Uzun unter anderem mit dem schnellsten Spieler der Bundesliga: Jean-Matteo Bahoya sprintete in der vergangenen Saison in der Spitze 37,2 km/h. Tempo, das der Franzose gegen tiefe Gegner jedoch nicht so gut einbringen kann. Man denke nur an das Heimspiel gegen St. Pauli (2:2) am 33. Spieltag. Gerade in solchen Partien könnte der filigrane Uzun die bessere Wahl sein. Im Offensivzentrum dürfte allerdings der in der Rückrunde aufgeblühte Götze weiterhin die Nase vorne haben, in Fares Chaibi und Paxten Aaronson lauern weitere Konkurrenten.

Ob und auf welcher Position Uzun sich in der neuen Saison durchsetzen kann, ist eine der spannendsten personellen Fragen. Bereits Anfang Februar forderte er forsch: „Ich will mehr spielen.“ Chancen in der Startelf blieben jedoch selten. Im zarten Alter von 19 Jahren können sich 31 Pflichtspieleinsätze (fünf Tore, drei Assists) für einen Top-Klub der Bundesliga zwar sehen lassen, allerdings stand Uzun 19-mal weniger als 30 Minuten auf dem Feld. Kommende Saison will der abschlussstarke Filigrantechniker mehr bewegen. Eine positive Entwicklung ist ihm absolut zuzutrauen.

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