Sportlich hat der Hamburger SV mit dem 1:1 in Mainz einen Rivalen im Abstiegskampf auf Abstand gehalten, nach der Partie aber für einen Aufreger gesorgt. Mittendrin: Linksverteidiger Miro Muheim.
HSV punktet weiter und schimpft
Der Schweizer Nationalspieler Muheim gilt grundsätzlich als besonnener Zeitgenosse. In der ZDF-Aufstiegs-Doku „Always Hamburg“ hatte ein hartes Wortgefecht mit Youngster Alexander Rössing-Lelesiit für eine Szene gesorgt, die Muheim Außenstehende in der Form nicht zugetraut hätten. Auch am Freitagabend am Sky-Mikrofon fuhr der Führungsspieler überraschend aus der Haut. „Ich habe lange nicht mehr gegen so eine Tretertruppe gespielt“, lederte Muheim in Richtung der Mainzer. Ein unnötiges Nachtreten gegen einen Kontrahenten, der im Abstiegskampf zwar sämtliche Mittel ausschöpfte, die Fehler aber hatten in erster Linie bei Schiedsrichter Dr. Robin Braun gelegen.
Der Referee hätte dem 05er Silas für dessen zweites gelb-würdiges Foul in der 39. Minute ebenso Gelb-Rot geben müssen wie Dominik Kohr für dessen rüden Tritt mit offener Sohle gegen Muheim (53.). Braun ahndete die Fouls jeweils, verzichtete aber unverständlicherweise auf die fällige Strafe. Immerhin, mit etwas zeitlichem Abstand zum TV-Interview in der Mixedzone traf Muheim dann wieder den richtigen Ton, richtete seine Kritik nicht mehr an die Mainzer, sondern an den Unparteiischen: „Es ist zweimal klar Gelb-Rot. Dass der Schiedsrichter nicht eingreift, ist Wahnsinn, und ich kann das nicht verstehen.“
Glücklicher Punkt unter erschwerten Bedingungen
Zur Wahrheit freilich gehört: Auch der HSV profitierte einmal von Brauns Fehlleistung. Der Ausgleichstreffer durch Fabio Vieira hätte nicht zählen dürfen, da Nicolai Remberg bei der Freistoßausführung nicht den Abstand zur Mainzer Mauer eingehalten, sondern regelwidrig mitten in dieser gestanden hatte.
Die Folge: Der HSV nimmt einen Punkt mit, der nach dem Verlauf der zweiten Hälfte glücklich ist, der den Hanseaten jedoch weit mehr hilft als den Gastgebern. Hinzu kommt: Die Bedingungen waren nicht nur wegen der Sperre von Abwehr-Chef Luka Vuskovic kompliziert. Wegen eines Staus bei der Anreise kam der HSV-Tross mit 40 Minuten Verspätung im Stadion an, und Merlin Polzin sieht im Umgang mit den Problemen den Schlüssel: „Wir hatten zehn Minuten Zeit uns umzuziehen, hatten ein Warm-up ohne Torabschlüsse – aber wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, Widrigkeiten anzunehmen.“
In gewisser Weise gilt dies sogar für Muheim – auch der hatte sich nach seinem ersten verbalen „Foulspiel“ gegen die Mainzer auf dem Gang in die Kabine immerhin wieder etwas abgekühlt und treffendere Töne angeschlagen. Einen Vorwurf wollte er den Mainzern für deren Spielweise ohnehin nicht machen: „Sie sind im Abstiegskampf – genau wie wir.“

