Am Montag kam Nelson Weipers Kader-Ausbootung für viele überraschend. Doch der Eklat hat eine Vorgeschichte.
Stürmer fehlt auch in Trondheim und trainiert bei der U 23
Am Dienstagvormittag absolvierte Nelson Weiper (20) am Mainzer Bruchweg noch das so genannte „Spielersatztraining“ mit den Profi-Kollegen, die am Vorabend beim Pokalerfolg in Dresden (1:0) nur teilweise oder gar nicht zum Einsatz gekommen waren. Oder die, wie überraschend auch Weiper selbst, gar nicht zum Kader gezählt hatten. Der junge Mittelstürmer wirkte ganz normal bei der Sache, bewies eindrucksvoll seine unbestrittenen Abschlussqualitäten und hatte Spaß in der Gruppe. Doch der schöne Schein trog: Das Tischtuch zwischen dem Eigengewächs, das 2012 als Siebenjähriger zu den 05ern kam, und seinem Ausbildungsklub ist nach Lage der Dinge zerschnitten. Dass sich das Verhältnis noch einmal reparieren ließe, wäre im Moment eher ein romantischer Wunderglaube als eine seriöse Hoffnung.
Am Montag hatte Coach Bo Henriksen Weipers kurzfristige Rückkehr in den Kader noch offengelassen. Doch inzwischen steht die Entscheidung: Der Angreifer wird auch nicht zum Reisetross zählen, der am Mittwoch nach Trondheim aufbricht, wo tags darauf das Hinspiel der Conference-League-Play-offs bei Renommierverein Rosenborg ansteht. Weiper soll stattdessen in den kommenden Tagen mit dem Regionalligateam trainieren. Realistisch betrachtet liegt sogar auf der Hand: Weiper wird zumindest bis 1. September, dem Ende der Transferperiode, keine Rolle mehr bei den Mainzer Profis spielen. Es sei denn, der Youngster würde plötzlich doch noch seinen im kommenden Sommer auslaufenden Vertrag verlängern, worauf im Moment freilich rein gar nichts hindeutet. Ganz im Gegenteil: Die Fronten sind komplett verhärtet.
Die Ausbootung in Dresden kam nur für Außenstehende aus heiterem Himmel
Die logische Folge: Wie der kicker erfuhr, hat sich der Verein seit Wochenbeginn intensiv auf die Fahndung nach einem weiteren Stürmer begeben. Nicht unbedingt nach einem, „der alle drei offensiven Positionen spielen kann“, wie Sportdirektor Niko Bungert noch vergangene Woche unabhängig von Weiper in den Raum stellte. Tatsächlich steht auf der Agenda: Eine klare Nummer 9, die den 1,92 Meter großen, kopfballstarken Zentrumsstürmer Weiper auch vom Profil her eins zu eins ersetzen kann. Mit Weiper, so die klare Botschaft dieser Transfer-Aktivitäten, wird nicht mehr geplant. Ganz im Gegensatz zum ursprünglichen und lange betriebenen Vorhaben des Klubs, nach dem Abschied von Jonathan Burkardt keinen neuen Mittelstürmer zu holen – sondern in dieser Rolle absolut auf Weiper zu setzen.
Auch deshalb kam für außenstehende Beobachter die Entwicklung mit Weipers Kader-Ausbootung in der ersten DFB-Pokalrunde aus dem viel zitierten heiteren Himmel. Intern freilich rumorte es nach kicker-Informationen schon wesentlich länger rund um den Jungstar, der bei der U-21-EM in diesem Sommer mit vier Toren und einem Assist in sechs Partien auch international nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hat. Grund: Die schon seit langem intensiven Bemühungen des Klubs, den im Sommer 2026 auslaufenden Vertrag Weipers zu verlängern. Und eine Haltung des Spielers sowie seines Beraters Alexander Schütt, die auf Seiten der 05er bereits seit Monaten als Hinhalte-Taktik interpretiert wurde. Dass es nun, zum Pflichtspielstart und angesichts des nahenden Endes der Sommertransferperiode, auf einen Eklat zulaufen musste, war für die unmittelbar Beteiligten insofern absehbar.
Weipers Zweifel wirken irrational – und nähren einen logischen Verdacht
Grundsätzlich nachvollziehbar sind die Standpunkte beider Parteien. Mainz 05 will tunlichst vermeiden, ein hoch veranlagtes Eigengewächs ablösefrei zu verlieren, nachdem man ihm 2025/26 vermutlich zum endgültigen Durchbruch in der Bundesliga verholfen hätte. Weiper argumentiert, zunächst abwarten zu wollen, ob ihm von Verein und Trainer wirklich die entsprechende Perspektive eingeräumt wird, ehe er sich längerfristig bindet. Angesichts von 23 Bundesliga-Einsätzen in 2024/25 und der nun deutlich eingeräumten Gelegenheit zur Burkardt-Nachfolge wirken Weipers Zweifel indes irrational. Und nähren den zumindest logischen Verdacht, der Profi lege es ganz gezielt auf nichts anderes an als den ablösefreien Wechsel in einem Jahr.
Auch das wäre generell Weipers gutes Recht – ebenso wie das des Vereins, dann eben ab sofort nicht weiter in die Ausbildung seines Top-Talents auf höchstem Level zu investieren und anderweitig zu planen. So geschieht es derzeit, verbunden mit dem deutlichen Signal an Weiper, doch bitteschön sofort zu wechseln, wenn er seine Zukunft generell nicht mehr in Mainz verortet. Dass der eine oder andere Interessent kurzfristig mit einem Transfer-Angebot bei den 05ern vorstellig wird, gilt derzeit als erwartbar. Die spannende Frage wäre: Was würde passieren, wenn Weiper auch am 2. September noch bei seinem Heimatverein unter Vertrag stünde? Würde er dann doch wieder im Bundesligakader eingegliedert – oder bliebe er dauerhaft zur U 23 versetzt? Das dürfte vor allem davon abhängen, wie erfolgreich sich der künftige Sturm-Rivale schlägt, der demnächst mit ziemlicher Sicherheit am Bruchweg vorgestellt wird. Willkommen im Profifußball!

