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Stuttgarter Zukunftsfragen: Anteile, Präsident, Investitionen

Eine für Stuttgarter Verhältnisse ruhige Mitgliederversammlung erwartet man beim VfB. Allerdings werden die Weichen gestellt für wichtige Zukunftsfragen. Bei einem Thema gibt es unterschiedliche Darstellungen.

VfB-Mitglieder wählen am Samstag

Mitgliederversammlungen (MV) beim VfB Stuttgart hatten in den vergangenen Jahren durchaus ihre Sprengkraft. Bundesweit Schlagzeilen etwa schrieb 2019 das WLAN-Gate, an dessen Folgetag Wolfgang Dietrich vom Präsidentenamt zurücktrat. Vergangenen Sommer wurde sein Nach-Nachfolger, Claus Vogt, mit denkwürdigen 86 Prozent und nach einem beispiellosen Machtkampf abgewählt.

Der VfB braucht mehr Platz, mehr Plätze und ein Frauenstadion

Fast schon langweilig dürfte es dagegen an diesem Samstag in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle werden, zumindest in der zentralen Wahlfrage: Bestätigt die MV Interimspräsident Dietmar Allgaier in seinem Amt? Es ist davon auszugehen, kaum Aufreger bot der Wahlkampf, sodass sich die Konkurrenten Pierre-Enric Steiger und Jochen Haas kaum Hoffnung machen dürfen, dem hauptamtlichen Landrat des Kreises Ludwigsburg gefährlich werden zu können. Neben dem höchsten Amt im e. V. werden auch noch Präsidium und Vereinsbeirat neugewählt.

14 Handlungsfelder hat man klubintern ausgemacht, die unter dem neuen Präsidium zu bewältigen sein werden. Manche sind neu dazugekommen, künstliche Intelligenz etwa. Manche drohen zum Dauerthema zu werden, beispielsweise die Infrastruktur. Der VfB braucht mehr Platz (und Plätze), er bräuchte ein Stadion für seine Frauen, die auf Sicht in die Bundesliga sollen, und das Klubzentrum muss erweitert werden.

Studie der Stadt sieht Investitionsvolumen von 60 Mio. Euro

Momentan konzipiert der Klub eine Machbarkeitsstudie für mehr Plätze auf der anderen Seite der Mercedesstraße, auch mit Blick auf Sportarten wie Faustball, Leichtathletik oder Hockey, ein Klubzentrum und eine Aufrüstung des Robert-Schlienz-Stadions. Zudem liegt bereits eine Machbarkeitsstudie der Stadt für den Neckarpark vor, die von einem Investitionsvolumen von 60 Millionen Euro ausgeht. Nicht ausgeschlossen, dass der Bedarf dahingehend noch wachsen wird.

Kurzum: Der Klub braucht Geld und was läge näher, als die noch verbliebenen 3,9 Prozent an der Profifußball-AG zu verkaufen? Aktuell halten Mercedes Benz und Porsche je gut 10 Prozent, Jako etwa 1 Prozent und der VfB e. V. die übrigen knapp 79 Prozent an der AG. Nach wie vor gilt der Beschluss der 2017er-MV: 75 Prozent plus eine Aktie müssen im e. V. verbleiben. An einer Aufweichung dessen, so heißt es, sei niemand interessiert. Allerdings gibt es auch entgegenstehende Aussagen, die eine Aufsichtsratssitzung vom 18. Januar betreffen.

Anteilsverkäufe immer heikel, aber die Darlegung ist nur professionell

Geplant war eigentlich eine Klausurtagung, letztlich aber kam das Gremium lediglich am Vormittag des 4:0-Triumphs über den SC Freiburg zusammen, auch um sich von AG-Vorstandschef Alexander Wehrle Optionen für die Entwicklung des Bundesligisten bis 2030 präsentieren zu lassen. Darin enthalten: Szenarien, die vom Verkauf der (erlaubten) 3,9 Prozent bis hin zur durch die deutsche 50+1-Regel gesetzten Grenze reichen, aber auch andere Finanzierungsmodelle.

Das hat in der Tat Skandalisierungspotenzial, weil Anteilsverkäufe bei Traditionsvereinen stets ein Stück weit heikel sind. Es ist aber im Prinzip nur professionell, gerade angesichts des infrastrukturellen Finanzierungsbedarfs, alle Optionen auf den Tisch zu legen. AG-seitig betont man, noch nicht einmal eine Sondierung vorgenommen zu haben, mit Blick auf die 3,9 Prozent. Und was einen darüber hinausgehenden Verkauf angeht, hatte sich Aufsichtsratschef Allgaier (genau wie seine Konkurrenten Steiger und Haas) im Wahlkampf klar positioniert: kein Thema.

Die Lage spricht dafür, mit den 3,9 Prozent noch abzuwarten

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Ein entsprechend hartes Dementi gegenüber anderslautenden Gerüchten gab der VfB bei den Stuttgarter Nachrichten („Weder Vorstand noch Aufsichtsrat der AG beabsichtigen einen weiteren Verkauf von Aktien, durch welchen der Anteil des VfB Stuttgart 1893 e. V. an der AG auf unter 75,1 Prozent sinken würde.“). Das Protokoll der Sitzung vom 18. Januar soll ausweisen, dass es hierzu auch perspektivisch keinen Arbeitsauftrag des Aufsichtsrats an den Vorstand gebe. Allerdings ist auch zu hören, dass die Niederschrift nicht eins zu eins das wiedergeben soll, was drei Gremiumsmitglieder aussprachen: Langfristig müsse man sich darüber schon Gedanken machen. Stichwort Finanzierungsbedarf.

Für den Moment jedenfalls könnte der VfB es sich dank seiner nicht zuletzt durch den Porsche-Einschuss wieder entspannten Eigenkapitalsituation erlauben, vergleichsweise günstig an Fremdkapital zu kommen. Zumal das bis zu 25 Millionen Euro schwere, coronabedingte KfW-Darlehen „nach einer Sondertilgung im Geschäftsjahr 2023 fast vollständig zurückgeführt“ wurde, wie es im entsprechenden Jahresabschluss heißt. Darüber hinaus dürfte die VfB AG nach Vize-Meisterschaft und Champions-League-Teilnahme für 2024 – der Klub bilanziert kalendarisch – einen hohen Gewinn ausweisen, nicht wenige rechnen mit Rekordzahlen. Plus: Die Unternehmensbewertung wird sich basierend auf der Königsklassen-Saison 2024/25 und der nach wie vor vorhandenen Möglichkeit, auch 2025/26 international zu spielen, Stichwort DFB-Pokal, eher verbessern. Was dafür spricht, mit den 3,9 Prozent noch zu warten.

Lizenzetat Richtung 80 Mio., hohe Personalkosten außerhalb

Allerdings hat sich auch die Kostenstruktur nachhaltig verändert. Schon 2023 wuchs der Personalaufwand im Lizenzspielerbereich um 12,4 Millionen Euro auf 71,7 Millionen Euro. Aktuell soll dieser Kostenfaktor nach kicker-Recherchen stramm in Richtung 80 Millionen Euro marschieren, was ob diverser Vertragsverlängerungen (Stiller, Leweling) respektive teurer Zukäufe (Undav, Demirovic) kein Wunder ist. Begleiterscheinungen, die natürlich auch der sportliche Erfolg mit sich bringt und die durch diesen in aller Regel klar aufgefangen werden.

Allerdings schiebt der VfB – und das ist kein neues Phänomen – einen erheblichen Kostenapparat außerhalb des Lizenzbereichs vor sich her, der gemessen am Gesamtumsatz prozentual weit vorne im Bundesligavergleich liegen soll. 2023 lagen die Gesamtpersonalkosten im Konzern bei 105,8 Millionen Euro. Heißt: 34,1 Millionen Euro gaben e. V., AG und Töchter für Personal außerhalb des Profifußballs aus (zu dem in der Regel der Nachwuchs ab U 17 sowie die U 21 gezählt werden), also fast 17 Prozent des durch die Verkäufe von Borna Sosa, Wataru Endo und Konstantinos Mavropanos durch Einmaleffekte erhöhten Gesamterlöses von 204,1 Millionen Euro anno 2023. Auch diese Zahlen werden AG-Vorstand, Aufsichtsrat und damit eben auch das neu zu wählende Präsidium in den nächsten Jahren beschäftigen.

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