Knapp aberkanntes Führungstor, mangelhaft im Abschluss und schwach in Schlüsselzweikämpfen. Trotz eines klaren Chancenübergewichts verliert Freiburg zum Start 1:3 gegen Augsburg. Trainer und Spieler sind entsprechend bedient.
Freiburgs Niederlage trotz klarem Chancenplus
Christian Günter kennt die Achterbahnfahrten der Gefühle, die ein Profifußballer immer wieder erlebt, seit vielen Jahren. „Manchmal ist der Fußball gnadenlos. Da gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft oder die Mannschaft, die vielleicht auch in der Statistik besser ist, sondern die, die eiskalt vor dem Tor ist. Das war Augsburg und somit nehmen sie die Punkte mit nach Hause“, lautete das nüchterne Fazit des Freiburger Kapitäns, nach einem Saisonauftakt, der sich für den letztjährigen Fünften sehr bitter anfühlte.
Die Gäste stellten jedenfalls mit Glück, einem geschickten Matchplan und wegen der Freiburger Abschlussschwäche sowie defensiver Fehler schon in der ersten Hälfte den Spielverlauf völlig auf den Kopf. Zunächst hatte der FCA Fortuna auf seiner Seite, als Han-Noah haarsträubender, aber auch durch gutes Freiburger Pressing provozierter Abspielfehler im eigenen Strafraum ungestraft blieb. Lucas Hölers sehr sehenswertes Hebertor wurde nach VAR-Eingriff wegen einer knappen Abseitsposition aberkannt.
Während Eren Dinkci und vor allem Yuito Suzuki, der aus wenigen Metern über das nur noch von einem Feldspieler bewachte FCA-Tor schoss, im ersten Durchgang gute bis sehr gute Chancen ungenutzt ließen, zeigten sich die Augsburger brutal effizient, trafen bei drei Chancen dreimal.
„Es ist zu einfach, wie wir die Gegentore bekommen“
„Die Brutalität, die der Fußball mit sich bringen kann, hat zugeschlagen“, fand SC-Coach Julian Schuster, der in der ersten Hälfte bei seinem Team „viele Dinge gesehen hatte, die wir uns genauso vorgestellt“ haben. „Wir hatten das Spiel defensiv kontrolliert, hatten genügend Momente, in Führung zu gehen, machen dann auch ein Tor. Das war dann ein bisschen symptomatisch, dass es leider etwas knapp Abseits war“, analysierte Schuster.
Der Trainer des Jahres 2025 betonte aber auch die Anlässe zur Selbstkritik: „Es ist für die Bundesliga zu einfach, wie wir die Gegentore bekommen. Das sind Situationen, in denen wir uns definitiv besser verhalten müssen. Das müssen wir abstellen, weil so kann es in der Bundesliga sein, dass drei Torschüsse ausreichen können für drei Tore.“
Fatal war Dinkcis Aktion vor dem 0:3
Schuster spielte vor allem auf die Fehlerkette vor dem 0:1 an. Zunächst verlor der ansonsten präsent und variabel antreibende Johan Manzambi auf der Grenze zum eigenen Abwehrdrittel den Ball an Kristijan Jakic, danach hatte Flankengeber Marius Wolf rechts außen zu wenig Druck, in der Mitte misslang Philipp Lienhart eine saubere Klärung der Hereingabe und der Schuss des zu frei stehenden Dimitrios Giannoulis wurde von Lukas Kübler auch noch unhaltbar ins eigene Netz abgefälscht.
Fatal war im Besonderen aber die Aktion Dinkcis vor dem vorentscheidenden 0:3 vor der Pause. Nach eigener Ecke spielte der Rechtsaußen als zentral vor dem gegnerischen Strafraum postierte letzter Mann des SC Wolf den Ball in den Fuß und konnte anschließend dessen 60-Meter-Sololauf nicht mehr stoppen.
Obwohl nach dem Seitenwechsel keine erfolgreiche Aufholjagd folgte, lobte Schuster sein Team für den Auftritt in der zweiten Hälfte: „Nach 0:3 ist es mental nicht so einfach. Aber die Jungs haben die Kontrolle bewahrt, alles versucht, noch mal zurückzukommen, ein Tor noch gemacht und hatten weitere Möglichkeiten. Positiv war auch, dass wir keine weitere Chancen zugelassen haben.“
Immerhin den Elfer-Fluch gebrochen
Finn Dahmen wehrte Fernschüsse von Vincenzo Grifo und Manzambi ab und parierte einen Kopfball von Matthias Ginter in der 90. Minute sehenswert, zudem köpfte Manzambi aus guter Position nach einer Ecke vorbei und Matchwinner Chrislain Matsima rettete bei einem Höler-Schuss für seinen Torwart. Letztlich stand ein Chancenplus von 10:4 zugunsten der Gastgeber. In der elfminütigen Nachspielzeit wurde der SC allerdings nicht mehr gefährlich, auch, weil er es zu viel durchs Zentrum versuchte.
Ein Fluch scheint allerdings beendet durch Grifos Tor vom Punkt zum 1:3. Freiburgs zuvor letzter Strafstoß-Treffer war am 23. Spieltag 2023/24 beim 1:2 in Augsburg gelungen. Freiburg hatte vor dem Grifo-Tor seine jüngsten sechs Elfmeter verschossen, hat nun aber die Einstellung des Bundesliga-Negativrekords verhindert. Den hält weiter der BVB, der von November 1963 bis Januar 1965 sieben Elfmeter-Fehlschüsse in Serie sammelte.
Grifos zurückerlangtes Treffergefühl aus elf Metern könnte in Zukunft hilfreich sein. Vielleicht schon Sonntagabend in Köln? Ein wenig stehen die Freiburger jedenfalls schon unter (eigenem) Erfolgsdruck. „Wir wollen auf jeden Fall nicht mit null Punkten in die Länderspielpause gehen“, bekräftigte Maximilian Eggestein nach dem misslungenen Liga-Start.

