Die geforderte Nordderby-Reaktion bleibt aus, der Bremer Negativtrend setzt sich fort: Ist man sich dieser kritischen Situation am Osterdeich ausreichend bewusst?
Kein „La Paloma“, keine Sorgen – aber Verstärkung?
Am Ende seines Arbeitstages nahm sich Horst Steffen kurz Zeit, um sich ein genaueres Bild davon zu machen, wie es um den SV Werder Bremen in der Bundesliga aktuell steht: Das Gespräch mit den Bremer Journalisten im Anschluss an die Pressekonferenz war am späten Sonntagabend gerade beendet, als der Cheftrainer noch einmal vor jenem Bildschirm Halt machte, der die Tabelle nach diesem abgeschlossenen 14. Spieltag abbildete.
Dass Werder dort derzeit Platz 12 belegt, hatte Steffen bereits kurz zuvor als Antwort angeführt, als es darum ging, wo man den Nordklub aktuell denn verorten könne. Und wenngleich man dem Coach da natürlich nur schwer widersprechen konnte, bezog sich die Frage eigentlich eher auf die jüngste Entwicklung seiner Mannschaft.
Und diese stellt sich nach der 0:4-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart ja zunehmend so dar, dass sich die Bremer vor dem Jahres-Abschluss am kommenden Samstag in Augsburg (15.30 Uhr, LIVE! beim kicker) nun selbst in eine Situation versetzt haben, die kurz vor Weihnachten in einer äußerst ungemütlichen Festtagsstimmung münden könnte. Schon am Sonntag setzte es Pfiffe im sonst so harmonisch anmutenden Weserstadion …
Ratlosigkeit bei den Protagonisten
Vier Spiele sind die Bremer jetzt also sieglos, und wenngleich die Leistungen gegen Leipzig (0:2) und Köln (1:1) zu Anfang dieser Phase tatsächlich zunächst keinen Anlass zur Beunruhigung boten, so taten dies die vergangenen zwei Partien umso mehr: Erst war da ja der im Nachgang viel kritisierte Auftritt im Nordderby, dem nun gegen Stuttgart genauso viel versprochene Besserung folgen sollte – doch die blieb nach kurzem Aufschwung in den ersten zehn Minuten letztendlich ebenfalls aus.
Einmal mehr machte die Zweikampfquote deutlich, dass es bei Werder aktuell in essenziellen Bereichen hapert: Gegen den HSV waren es nur 37 Prozent gewonnene Duelle, gegen den VfB unwesentlich mehr: 42 Prozent. Und beide Gegner waren indes unter der Woche noch in einem anderen Wettbewerb im Einsatz gewesen (DFB-Pokal, Europa League).
„Ich sehe nicht, dass einer ‚La Paloma‘ macht“
Doch was genau der Steffen-Elf abhandengekommen ist und warum, war bei den Protagonisten am Sonntagabend einmal mehr nicht wirklich zu ergründen. Niklas Stark etwa entgegnete: „Wo soll ich denn anfangen, was soll ich erzählen? Es ist offensichtlich, dass wir nicht richtig in die Zweikämpfe kommen.“
Weiter meinte der Verteidiger: „Ich sehe nicht, dass einer von den Jungs ‚La Paloma‘ macht oder nicht will oder sonst was – aber wir müssen uns schon die Frage stellen, wieso das Ganze so ist?“ Und da die Abstände einmal mehr zu groß ausfielen, müsse man wahrscheinlich auch an dem „Plan arbeiten“, mit dem Werder aktuell in die Spiele geht. Ein Auftrag an den Trainer also, der genauso gefordert ist wie jeder Spieler. Aktuell jedoch fällt es schwer jemanden auszumachen, der auf dem Platz wirklich vorangeht.
Schmeichelhafte Werder-Siege
Eine weitere Frage ist, ob die Zeichen der Zeit wirklich allen ausreichend bewusst sind am Osterdeich? Eine gefährliche Gemengelage ergibt sich aktuell ja auch deshalb, weil sich eben noch immer viel auf die erwähnten erbaulichen Auftritte in Leipzig und gegen Köln kapriziert. Natürlich wäre es unsinnig, nun alles in einen Topf zu werfen – doch de facto machte Stark auch deutlich, dass zuvor schon einige Positiv-Ergebnisse nicht zur überschaubaren Bremer Leistung gepasst hatten.
Die Siege gegen St. Pauli (1:0) oder auch Wolfsburg (2:1) waren äußerst schmeichelhaft zustande gekommen, weshalb der 30-Jährige weitere Skepsis offenbarte: „Da haben wir auch nicht das gespielt, was wir uns vorgestellt haben, aber die Punkte waren okay. Und ich glaube, das fällt uns jetzt ein bisschen auf die Füße. In der Saison ist es immer so, dass alles immer gerecht ist.“
Noch keine Sorgen in Bremen
Mittlerweile muss Werder gehörig aufpassen, dass diese angesprochene Realität nicht alsbald mit einem weiteren Abrutschen in der Tabelle einhergeht. Coach Steffen indes wirkte noch relativ gelassen: „Wir kämpfen mit allen anderen Teams ab Platz acht abwärts um Punkte und ich glaube, dass wir da auch schwer kämpfen müssen.“
Doch Sorgen in Bremen? „Die müssen wir uns nicht machen“, befand ebenso Leiter Profifußball Peter Niemeyer: „Aber wir müssen alle Antennen ausfahren und wirklich die Grundtugenden an den Tag legen.“ Und womöglich auch Ausschau halten nach einer Lösung für den Angriff, der sich einmal mehr als viel zu harmlos entpuppte – eine offensive Achse ist nicht in Sicht, geschweige denn eine Stammformation.
Bessert Werder im Angriff nach?
Wird Werder also zeitnah vielleicht noch mal auf dem Transfermarkt nachlegen? Klar positionieren wollte sich Niemeyer am Sonntagabend dazu nicht, verneinte diese Gelegenheit aber auch nicht: „Natürlich bewerten wir unseren Kader und schauen, was im Winter möglich ist.“ Von der Quantität her sei der Sturm mit Keke Topp und Victor Boniface „nicht groß“ besetzt, so der 41-Jährige.
Nur: Ist Werder finanziell in der Lage und willens, im Winter entsprechend zu investieren? Das Leih-Kontingent für diese Saison ist mit sechs Sommer-Neuzugängen auf Zeit aktuell eigentlich bereits ausgeschöpft.

