Bayer hinkt nicht nur tabellarisch den eigenen Ansprüchen hinterher. Deshalb rückt Kasper Hjulmand nach zuletzt ernüchternden Auftritten und Ergebnissen in den Fokus der Kritik. Die Mängelliste, die der ratlos wirkende Trainer selbst erstellt, ist lang.
Offensive liefert nur noch Magerkost
Die Aussage von Fernando Carro nach dem ernüchternden 1:1 gegen Mainz war eindeutig. „Wir müssen aufwachen“, hatte der temperamentvolle Spanier in der Mixed Zone gefordert. Und so wurde Trainer Kasper Hjulmand in der Pressekonferenz auch mit der Aussage der Geschäftsführers konfrontiert, nachdem Bayer 04 dem eher biederen Auftritt beim 0:1 bei Union Berlin und dem schwachen Spiel beim 0:0 gegen Olmypiakos Piräus im Rückspiel der Champions-League-Play-offs eine noch bedenklichere Leistung angefügt hatte.
Bayer holte 2026 nur elf Punkte aus acht Liga-Spielen
Was stimmt also nicht bei Bayer 04, wurde Leverkusens Trainer gefragt, der anders als sein Boss ein sehr ruhiger Zeitgenosse ist, nicht zu emotionalen Ausbrüchen neigt. Hjulmand, der natürlich aufgrund der mauen Darbietungen und der mageren Ausbeute von nur elf Punkten aus acht Liga-Spielen im Jahr 2026 in den Mittelpunkt der Diskussionen rückt, weil Leverkusen die Qualifikation für die Champions League zu verpassen droht, wollte keine Ausflüchte suchen.
„Es ist möglich, Argumente zu finden, aber sie würden vielleicht wie Entschuldigungen klingen“, schickte der 53-Jährige seinen Ausführungen voraus, um dann zu erklären: „Insgesamt müssen wir Lösungen finden, Analysen machen und versuchen, besser zu spielen. Es geht insbesondere um unser eigenes Spiel, unseren Rhythmus und die Intensität nach vorne – darauf bin ich fokussiert.“
Bayers Spiel fehlen grundlegende Elemente
Auf Nachfrage wurde der Däne aber dann doch konkret und führte eine ganze Reihe von Punkten an, an denen es dem Spiel seiner Mannschaft gefehlt hatte. „Wir müssen natürlich Lösungen finden – nicht nur strukturell, sondern auch qualitativ“, sagte Hjulmand und monierte unter anderem fehlende Qualität im offensiven Eins-gegen-Eins.
Doch Bayers Spiel mangelt es an grundlegenden Elementen, ist viel zu statisch. „Wir spielen uns zu wenige Chancen heraus“, räumte Hjulmand ein, der immer wieder dieselben Punkte benennt und dementsprechend ratlos wirkt. „Insgesamt war es die letzten zwei, drei Spiele offensiv zu wenig.“
Hjulmand kritisiert die fehlende Spielentwicklung
Ursachen dafür liegen auch in fehlenden Basics. Viel zu wenige Tiefenläufe, zu geringes Lauf- und Passtempo. Die Mainzer wurden eine Stunde lang vor keinerlei Probleme gestellt, weil Bayer zu wenig und in zu geringer Dosis investierte. „In der letzten halbe Stunde hatten wir mehr tiefe Läufe. Aber dafür dass der Gegner so tief steht, haben wir zu wenig von links nach rechts gespielt, um das Spiel zu öffnen“, kritisierte Hjulmand, der damit auch die Spielentwicklung monierte.
„Wir können nicht nur tief spielen und laufen, wir müssen mit vielen Pässen spielen, um die Möglichkeiten zu haben“, fordert der frühere dänische Nationaltrainer eine bessere Vorbereitung der Angriffe, „dieses Grundspiel war zu langsam“. Mit der Konsequenz, dass Bayer den Abstiegskandidaten vor keine echten Aufgaben stellte. „Deswegen ist es einfach für unsere Gegner, von der einen Seite zur anderen Seite zu verschieben und das Spiel eng zu machen“, urteilte der Trainer, der dem „Aufbauspiel zu wenig Rhythmus und Tempo“ attestierte.
Ein Treffer und kaum Chancen: Bayers Offensive liefert nur Magerkost
Ein Bild, das sich zuletzt wiederholte. Bayer wirkt offensiv ideenlos. Das Ergebnis in den jüngsten drei Partien war dementsprechend niederschmetternd. Ein Treffer gelang der Werkself in diesen, was nicht daran lag, dass Bayer Chancenwucher betrieben hätte. Insgesamt nur zwölf Chancen in drei Partien, also vier pro Spiel, stellen gegen biedere Mannschaften absolute Magerkost dar und entsprechen nicht annähernd den Leverkusener Ansprüchen und dem Selbstverständnis einer spiel- und offensivstarken Spitzenmannschaft.
Die von Hjulmand selbst erstellte Mängelliste ist lang, deren einzelne Punkte nicht erst seit den jüngsten Partien auf dieser stehen, wie auch Verteidiger Jarell Quansah nach dem 1:1 gegen Mainz offen erklärte. Schon Anfang Februar hatte der kicker beispielsweise auf die viel zu geringe Quote bei Sprints und intensiven Läufen hingewiesen – in beiden Bereichen rangierte die Werkself auf Abstiegsplatz 17. Geändert hat sich daran bis heute offensichtlich nichts.

