Der Start in Leverkusen verlief für Eliesse Ben Seghir holprig, im Winter wäre er beinahe wieder weg gewesen. Nun startet er nach seiner Verletzung den zweiten Anlauf – und bringt mit, was Leverkusen in den vergangenen Wochen häufig fehlte.
Nach Sprunggelenkverletzung
Die Erwartungen waren durchaus groß, als Bayer 04 Leverkusen im Sommer kurz vor dem Ende des Transferfensters noch einmal zuschlug und Eliesse Ben Seghir aus Monaco in das Rheinland lotste. 32 Millionen Euro Ablöse, die mit Boni noch um drei weitere Millionen ansteigen können, legte die Werkself für den damals 20-jährigen Linksaußen hin.
Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes schwärmte damals von einem „erstklassigen Techniker, ideenreich, clever im Dribbling und mit präzisem, öffnendem Passspiel“. Er sei eine „Top-Verstärkung“ für den Kader, „schwer auszurechnen“ und sollte der Offensive einen „zusätzlichen Schub“ verleihen.
Schwacher Start, dann nur noch Joker
Einen Schub, der auf sich warten lässt. Ben Seghirs Zeit in Leverkusen verlief bislang alles andere als zufriedenstellend. Er kam auf den letzten Drücker, brachte zudem Schambeinprobleme mit. Zwar gewährte ihm Kasper Hjulmand zunächst vier Startelf-Chancen, in einer sich noch einspielenden Mannschaft setzte Ben Seghir jedoch kaum Akzente (zweimal Note 4,5, zweimal 5) – und war fortan maximal Joker.
Den Marokkaner ereilte ein ähnliches Schicksal wie Claudio Echeverri, einem weiteren Kreativspieler für die Offensive, der unter Hjulmand noch seltener zum Zug kam und den Verein nach nur einem halben Jahr wieder verließ. Auf Ersatz verzichtete der SVB.
Fast-Abgang im Winter
Beinahe wäre es auch bei Ben Seghir nach mageren 200 Spielminuten in der Bundesliga (wettbewerbsübergreifend 405) zum schnellen Abgang gekommen. Eine Rückleihe zur AS Monaco stand im Raum. Weil der Marokkaner schon zu Saisonbeginn für die Monegassen aufgelaufen war und die Regularien keinen dritten Verein innerhalb einer Saison erlauben, war es die einzige Option für den Rechtsfüßer, um die Chancen auf Spielpraxis zu erhöhen. Die Leihe platzte jedoch.
Zuletzt bremste Ben Seghir zudem eine Sprunggelenkverletzung aus, die er sich im Abschlusstraining vor dem – zumindest sportlich verlorenen – Afrika-Cup-Finale mit Marokko gegen den Senegal zugezogen hatte. Doch nun ist der Dribbler zurück und startet seinen zweiten Anlauf.
Individualisten gegen die Passivität
Jene Stärke im Eins-gegen-eins, mit der Ben Seghir auch mal für Überraschungen sorgen kann, ist dabei genau das, was die Werkself in der aktuellen Situation benötigt. Eine Facette des Spiels, die Ibrahim Maza bislang weitestgehend allein schultern musste.
Klar, beim Ausscheiden gegen den FC Arsenal (1:1, 0:2) hat sich die Werkself durchaus teuer verkauft. In den Spielen in Freiburg und Heidenheim (beide 3:3) oder zuhause gegen letztlich neun Bayern (1:1) zeigte sich während der jüngsten Sieglos-Serie aber das, was auch schon vor dem Auswärtssieg in Hamburg (1:0) zu sehen war. Der Werkself fehlt es an Individualisten, an Freigeistern, die den Gegner immer wieder beschäftigen und so verhindern, dass die Mannschaft wie zuletzt, selbst als klarer Favorit und mit einer 2:0-Führung beim Schlusslicht, in Passivität verfällt.
Bringt Hjulmand Ben Seghirs Qualitäten diesmal ein?
In der Bundesliga war Ben Seghir in sechs seiner elf versuchten Dribblings erfolgreich und steht damit – bei deutlich geringerer Gesamtanzahl – genau wie Maza bei 55 Prozent Erfolgsquote. Der Marokkaner komplettierte im Schnitt alle 33,3 Minuten ein Dribbling, der Algerier alle 39,2 Minuten.
Das Profil Ben Seghirs wird in Leverkusen derzeit zweifelsohne benötigt. Abzuwarten bleibt, ob Hjulmand es diesmal auch nutzt. Und ob der 21-Jährige seine Qualitäten nach den wohl schwierigsten Monaten seiner noch jungen Profilaufbahn schnell auf den Rasen bringen kann.

