In der Hinserie war die Mittelstürmerposition die Achillesferse des HSV. Inzwischen hat Merlin Polzin sein System modifiziert, außerdem hat er nun fünf Kandidaten zur Auswahl. Yussuf Poulsen brennt besonders auf den Sonntag und RB Leipzig.
HSV-Kapitän fühlt sich bereit für den Ex-Klub
Dass kein Grund zur Sorge bestehe, hatte Polzin schon beim Start in die Trainingswoche am Dienstag erklärt. Da hatte Poulsen abseits der Kollegen eine individuelle Einheit bestritten, sein Trainer aber versichert, dass es sich angesichts der Vorgeschichte des Dänen lediglich um eine gezielte Trainingssteuerung handele. Tatsächlich war der 31-Jährige an den folgenden Tagen wieder im Kreise der Kollegen, und auf der Pressekonferenz am Freitag unterstrich sein Chef auch, dass er bereit ist für mehr.
Rückkehrer Stange spielt am Freitagabend in der Regionalliga
Gegen Union (3:2) und in Mainz (1:1) hatte Polzin den Angreifer zunächst für 18 und zuletzt für 25 Minuten gebracht und steht nun vor der Frage: Welchen Mittelstürmer bringt er gegen RB wie lange? Klar ist, dass Ransford Königsdörffer weiter stürmt. Seit der 24-Jährige, im 3-4-3-System formal rechts positioniert, von seiner Seite aus immer wieder in die Mitte rückt und nicht mehr der alleinige zentrale Angreifer ist, kommt er deutlich besser zur Geltung. Neben ihm stürmte zuletzt zweimal Robert Glatzel, der beste Zielspieler im Kader. Auch Winter-Leihgabe Damion Downs durfte in dieser Rolle schon ran, während Otto Stange seit seiner Rückkehr aus Elversberg noch ohne Einsatzminute ist und am Freitagabend in der Regionalliga Nord die Reserve beim SV Meppen verstärkt.
Für Glatzel spricht, dass er gut mit Königsdörffer harmoniert, ihm gegen Union einen Treffer auflegte; Downs‘ Plus sind, womöglich gerade gegen RB, dessen Qualitäten im Anlaufverhalten – und Poulsen besticht in seinen Jokereinsätzen durch seine enorme Präsenz. „Diese Rolle“, sagt Polzin, „tut Yussi auf jeden Fall gut, er kann als Joker Akzente setzen, kann zudem unser Pressing steuern“. Doch der 35-Jährige weiß auch: „Er will wie jeder natürlich maximale Spielzeit.“
Diese traut Polzin seinem Routinier auch mittlerweile zu, nachdem er schneller als erwartet aus seiner Syndesmoseverletzung zurückgekommen ist. „Wir wissen um seine Historie. Nicht nur um die in Leipzig, sondern auch um seine Verletzungen, aber er konnte in dieser Woche gut trainieren und ist maximal angespornt, mehr zu unserem Spiel beizutragen als in der Hinrunde.“ Der Spieler bestätigt das: „Ich fühle mich sehr gut und wieder fit. Das hat man bei den intensiven Minuten, die ich zuletzt in Mainz hatte, auch gesehen.“
Poulsen konnte Hinspielpleite nicht verhindern
Im Oktober letzten Jahres war Poulsen gerade frisch aus einer von insgesamt drei Muskelblessuren während des ersten Halbjahres genesen, kam nach 76 Minuten in die Partie und konnte die 1:2-Hinspielniederlage trotz eines überaus ansprechenden HSV-Vortrags nicht abwenden. „Wir haben da gesehen, dass für uns in dieser Liga gegen Top-Mannschaften auch absolute Top-Leistungen nicht zwingend zu Punktgewinnen führen müssen“, erinnert Polzin. Nach zuletzt sechs Partien ohne Niederlage scheinen die Vorzeichen andere. Der HSV scheint einen Schritt weiter. Und Poulsen auch.

