Als seine neuen Teamkollegen am Montagnachmittag erstmals seit der Rückkehr aus dem Trainingslager in Herzogenaurach wieder in Hamburg trainierten, war Daniel Peretz noch nicht mit auf dem Platz – am Abend aber verkündete der HSV das Leihgeschäft mit dem Keeper vom FC Bayern. Das schafft eine besondere Situation.
Konkurrent für Heuer Fernandes kommt für ein Jahr
Daniel Heuer Fernandes ist beim HSV Aufstiegs-Held und Anführer in der Kabine, gehört seit diesem Montag aber zu jenen Säulen, die nicht mehr sicher stehen. Denn: Der 25-jährige Israeli Peretz, seit 2023 beim FC Bayern und in nur sieben Pflichtspielen eingesetzt, kommt naturgemäß nicht, um nach dem Platz auf der Münchner Bank nun in Hamburg auf der Bank zu sitzen. Zur Einordnung: Serie-A-Klub Genua FC hatte er nach intensiven Gesprächen angeblich abgesagt, weil er keine Einsatzgarantie bekommen hatte. Beim HSV bekommt er zumindest die Aussicht auf Spiele.
Im Leihvertrag soll keine Kaufoption enthalten sein
Merlin Polzin sagt: „Unser Ziel war es von vornherein, auf allen Positionen bestmöglich aufgestellt zu sein und einen Konkurrenzkampf zu haben.“ Das ist keine Einsatzgarantie für Peretz, aber auch kein Persilschein für Heuer Fernandes, der pikanterweise ausgerechnet am vergangenen Samstag ein starkes Statement in eigener Sache abgegeben hatte.
Fast zeitgleich zum Test des HSV in Graz (1:2) war sein neuer Konkurrent in der Hansestadt gelandet, der 32-jährige Routinier aber lieferte eine Top-Leistung, verhinderte mit mehreren Großtaten eine höhere Niederlage. So nachvollziehbar die sportliche Entscheidung ist, einen Konkurrenzkampf auszurufen, so gefährlich könnte dieser für die Hierarchie sein. Denn: Peretz soll ohne Kaufoption geliehen sein, müsste demnach im kommenden Sommer zurück nach München.
Die Karten liegen offen auf dem Tisch
„Nach dem Wechsel von Matheo Raab zu Union war klar, dass wir auf der Torwartposition noch was machen müssen“, sagt Sportvorstand Stefan Kuntz, „bereits die vergangene Saison hat gezeigt, wie enorm wichtig es ist, eine starke Torwartgruppe zu haben.“ Da war Raab als potenzielle Nummer 1 in die Vorbereitung gestartet, hat diese dann wegen einer Lungenentzündung verpasst und kam nicht mehr an Heuer Fernandes vorbei. Nun liegen die Karten zumindest offen auf dem Tisch. „Wir freuen uns, dass sich mit Daniel ein Torwart mit internationaler Erfahrung für uns entschieden hat“, erklärt Kuntz. Sportdirektor Claus Costa ergänzt: „Er ist ein kompletter Torhüter, der sehr mutig in der Raumverteidigung agiert und eine gute Mentalität mitbringt.“
Auch der Sportdirektor ruft offiziell den Konkurrenzkampf aus, indem er sagt: „Durch diese Verpflichtung sind wir auf der Torwartposition insgesamt hervorragend besetzt und erhoffen uns, dass sich die Jungs gegenseitig zu Höchstleistungen pushen.“ Der Kampf um den Platz im HSV-Tor beginnt am Dienstag, wenn der siebenfache A-Nationalkeeper Israels erstmals im Volkspark trainiert – und das ohne eine laute Kampfansage vorweg: „Wir wollen die Klasse erhalten. Dazu möchte ich als absoluter Teamplayer beitragen.“

