Leipzig, Nürnberg, Schalke, Mainz, Luton, Bochum: Die letzten Jahre von Tom Krauß waren turbulent. In Köln möchte er eine neue Heimat finden und hat schon an Tag 2 des Trainingslagers das Gefühl, die richtige Wahl getroffen zu haben. Sein Mittelfeldkollege Eric Martel erleidet derweil einen Rückschlag.
Martel bricht Training ab
Aus Kölns Trainingslager in der Steiermark berichtet Dennis Zaremba
Der zweite Trainingstag des 1. FC Köln in Bad Waltersdorf startete mit einem Ständchen der mitgereisten Fans. Als Timo Hübers den Platz betrat, sang der Anhang im Thermenstadion „Happy Birthday“ für den Innenverteidiger, der seinen 29. Geburtstag feierte. Im Anschluss leitete Lukas Kwasniok durch eine intensive Einheit, die Eric Martel mit Rückenbeschwerden abbrechen musste. Eine Diagnose steht bei dem Sechser noch aus. Jacob Christensen absolvierte eine Laufeinheit, Luca Kilian trainierte weiter individuell.
Auch Neuzugang Tom Krauß war die Anstrengung bei Sonnenschein und knapp 30 Grad nach dem Training anzusehen. „Aber wir brauchen die Körner für die Liga, das wissen wir auch“. Schon in der nun zurückliegenden Woche sei er mit seinen neuen Kollegen ans Limit gegangen. „Das habe ich schon brutal gemerkt, nach so einem Testspiel war ich noch nie so kaputt“, blickte er auf das 2:2 gegen Fortuna Köln am Freitagabend zurück.
Viele Vereinswechsel: „Das ist ja nicht mein Ziel“
Dennoch, der 24-Jährige fühlt sich „sehr, sehr gut aufgenommen“ bei seinem siebten Verein seit der Saison 2021/22. Und wenn es nach Krauß geht, soll mit den vielen Wechseln nun erstmal Schluss sein. „Meine Eltern sagen auch: Jetzt müssen wir wieder in die nächste Stadt. Das ist ja nicht mein Ziel. Klar, wenn man so viele Vereine hat, kann man das denken, aber es gab eben auch gewisse Gründe“, erklärte der Mittelfeldspieler und untermauerte: „Jetzt bin ich hier, um längerfristig zu bleiben.“
Dass Köln dafür der perfekte Ort sein könnte habe viele Gründe. „Man sieht wie riesig der Klub ist, wie viele Fans auch hier im Trainingslager sind. Ich habe das auch bei Schalke erlebt und da gemerkt, das passt irgendwie zu mir“, blickte Krauß auf seine Saison 2022/23 in Königsblau zurück. „Hinzu kommt die Stadt, meine Freunde sind alle in der Umgebung. Man muss sich wohl fühlen und ich glaube, ich habe jetzt schon nach zwei Wochen so ein bisschen das Gefühl, dass das hier passieren könnte.“ Entsprechend sei der Wechsel schon jetzt „der richtige Schritt“.
„Es ist immer gut, wenn sich das Gespräch anfühlt wie zehn Minuten und am Ende ging es über eine Stunde.“ (Tom Krauß)
Überzeugt hat ihn auch der neue Coach Lukas Kwasniok. „Ich hatte ein sehr gutes, langes Gespräch mit ihm. Es ist immer gut, wenn es sich anfühlt wie zehn Minuten und am Ende ging es über eine Stunde.“ Der Trainer habe ihm seine Stärken, aber auch seine Schwächen und sein Entwicklungspotenzial aufzeigen können. Und auch Krauß selbst glaubt, „es gibt noch viel zu verbessern“. Der gebürtige Leipziger geht daher gerne auf den Trainer zu, bittet ihn beispielsweise um Analysen, „auch wenn es nur ein Spiel gegen einen Viertligisten war“.
Krauß: „Ekelhaft“, aber nicht arrogant
Schon in Bochum, wo er das letzte halbe Jahr verbachte, konnte Krauß einen nächsten Schritt machen. „Ich habe meine Spielintelligenz weiterentwickelt, habe dort viel mehr mit dem Ball gemacht und viel mehr Verantwortung vom Trainer bekommen“, erklärte er. „Aber natürlich, meine Stärken liegen auch im Spiel gegen den Ball. Dieses Ekelhafte, dieses „An mir kommst du nicht vorbei“ und dann die Bälle weitergeben an die kreativen Spieler, das bin ich einfach.“
Was er dagegen nicht sei, ist „arrogant“. So hatte Dieter Hecking sein Auftreten auf dem Platz – allerdings im positiven Sinn – beschrieben. „Ich war selbst überrascht“, erklärte Krauß, der sich eigentlich als „sehr locker“ sieht, angesprochen auf die Aussage. „Vielleicht kommt es so rüber, wenn einer an mir vorbeigeht, ich mir den Ball zurückhole und ihm dann noch ein paar Worte mitgebe, dass es eine gewisse Arroganz ist“, tat er sich mit dem Begriff dennoch schwer. „Ich will einfach zeigen, dass an mir kein Vorbeikommen ist, dass ich ein ekelhafter Spieler bin und dass wir Spiele gewinnen wollen.“
Zusammenhalt als Schlüssel im Tabellenkeller
Es sollten mehr sein, als der VfL im letzten Jahr, wenngleich Krauß erst dazustieß, als die Mannschaft nach der Hinrunde mit zehn Punkten am Tabellenende stand. „Wenn wir auch nur zehn Punkte in der Hinrunde holen, dann wird’s genauso passieren“, ist mit einem kleinen Augenzwinkern eines der Learnings von Krauß aus der Vorsaison im Abstiegskampf. „Ganz wichtig ist der Zusammenhalt in der Mannschaft. Du wirst negative Momente erleben, das gehört dazu. Die Frage ist, wie du als Verein, als Team damit umgehst.“ Außerdem komme es darauf an, die engen Spiele auf die eigene Seite zu ziehen. „Aber im Vordergrund steht auf jeden Fall, dass du zusammenstehst. Das hab ich aus dem letzten Jahr total mitgenommen.“
Dafür soll in der Steiermark sowohl auf als auch neben dem Platz der Grundstein gelegt werden. Am Montagnachmittag bat Kwasniok seine Mannschaft zunächst ins Videostudium, am Montag stehen dann erstmals seit der Ankunft zwei Einheiten an einem Tag auf dem Plan.

