Ein Spektakel für den Spektakel-Spieler des SV Werder Bremen: Diego wurde im Weserstadion mit einer Reminiszenz an sein ikonisches Weitschusstor verabschiedet – ein Wiederholungsversuch auf dem Platz missglückte.
Überraschung, Weitschuss-Versuch, schlaflose Nacht
Einmal probierte Diego tatsächlich, was er im kicker-Interview vorab noch offengelassen hatte: „Warten wir mal mein Gefühl ab“, hatte er da gesagt. Doch man durfte ahnen, dass er sich gut genug fühlen würde, um sein legendäres Weitschusstor aus 62,5 Metern gegen Alemannia Aachen bei seinem allerletzten Auftritt im Werder-Trikot ansatzweise zu wiederholen.
Als der Brasilianer die Möglichkeit ein paar Meter hinter der Mittellinie sah, missglückte sein Versuch jedoch. Später in der Mixed Zone schaute Diego an sich herab, verwies auf die Sohle seiner Stollenschuhe, unter denen noch immer etwas Rasen klebte: „Guckt sie euch an, ich bin weggerutscht. Und natürlich ist die Power nicht mehr die gleiche wie damals – aber ich habe es versucht“, so der 40-Jährige.
Diego: „Das war wie ein großer Traum“
Stattdessen folgte dann nach Schlusspfiff des Abschiedskicks, den Diego selbst mit einem Treffer vom Elfmeterpunkt zum 6:5 zugunsten der Werder-Legenden-Auswahl gegen die „Diego-Allstars“ entschieden hatte, eine aufwändige Reminiszenz an jenes ikonische Tor aus dem April 2007.
Eine von mehreren Helfern geführte Leuchtfigur lief aufs Feld, klatschte mit Diego ab, machte sich auf in die andere Platzhälfte und setzte zum Schuss an – von dort flog der Ball ins Tor vor der Ostkurve. Feuerflammen stiegen auf, ein pompöses Feuerwerk setzte über dem ausverkauften Weserstadion ein. Und Diego schaute berührt zu.
Mit dieser (Weitschuss-)Show habe er selbst nicht gerechnet: „Ja, das wusste ich nicht, es war eine Überraschung für mich. Als ich die Lichter sah, und die Leute meinen Namen sangen – das war wie ein großer Traum“, erklärte Diego.
Abschiedsworte von Ronaldo, Adriano & Co
Zuvor schon, beim Gang im Lichtkegel mit Ex-Trainer Thomas Schaaf über den Rasen, hielt er seine Tränen nicht zurück: „Ich habe geweint. Das ist Teil meines Lebens. Ich bin ein emotionaler Mensch und habe kein Problem damit, meine Gefühle zu zeigen“, bekannte Diego: „Ich war so glücklich.“
Weitere Legenden des Fußballs wie Diegos persönliches Vorbild Ronaldo, Adriano, Romario, Kaka oder Clarence Seedorf übermittelten auf der Videoleinwand ihre Abschiedsworte an den 34-maligen brasilianischen Nationalspieler, der schließlich zu einer letzten Ehrenrunde aufbrach – und im Mittelkreis niederkniete.
„Mir fehlen die Worte, um alle meine Gefühle auszudrücken. Das war mehr, als ich erwartet hatte. Ich muss einfach Danke sagen“, befand Diego in den Katakomben: „Ich denke, wir verdienen eine solche Nacht – ich und die Bremer – weil unser gemeinsamer Zyklus so wichtig und so besonders war.“
Diego: „Ich habe noch viel vor“
Doch das ganze Leben bestehe nun mal aus Zyklen, betonte Diego: „Ich kann nicht für immer Fußballprofi bleiben, so ist das eben, es ist ein Kreislauf. Jetzt muss man zum nächsten Zyklus übergehen. Ich bin 40 Jahre alt und habe noch viel vor.“
Am Samstagabend hieß das erst einmal: Party – mit entsprechend wenig Schlaf, wenn überhaupt. „Nein, darauf habe ich keine Chance. Die Menschen, die ich liebe, sind bei mir – wir werden alle zusammen feiern.“ Diegos Rückflug nach Brasilien geht am Montag: „Aber ich hoffe, dass ich bald wieder nach Bremen kommen werde.“

