Köln schlägt Lugano, und insgesamt ist Trainer Lukas Kwasniok nicht unzufrieden. Dann aber wird der FC-Coach grundsätzlich – und nimmt seine Spieler in die Pflicht.
Zufrieden nach dem Lugano-Test
Aus Kölns Trainingslager in La Nucia berichtet Jim Decker
Nach dem 2:1-Testspielsieg gegen den FC Lugano hatte Kölns Trainer Lukas Kwasniok Redebedarf. Der Bundesliga-Aufsteiger hatte den Tabellendritten der ersten Schweizer Liga auf dem Trainingsplatz in Spanien bezwungen, allerdings durchaus nicht komplett ohne Zweifel. Soweit sei auch alles in Ordnung, sagte Kwasniok über das einzige Testspiel vor dem Liga-Jahresstart gegen den 1. FC Heidenheim. Und dann sprach er über etwas, das eben doch nicht in Ordnung war.
„Ich bin immer recht ehrlich“, sagte Kwasniok den mitgereisten Journalisten und fuhr fort: „Die ersten zwei, drei Tage waren so, dass ich das Gefühl hatte, wir müssen einen Zahn zulegen. Es hat schon ein Quäntchen gefehlt. Wir haben ein wichtiges Spiel am Samstag und deshalb gab es schon den Hinweis, Fußball mit Hingabe zu arbeiten.“
In Spanien soll Köln zu alter Stärke finden
Übersetzt hieß das, dass Kwasniok mit dem Trainingslager-Start und damit auch mit dem Jahresauftakt alles andere als zufrieden war. Dabei setzt der Trainer nach sechs Partien ohne Sieg am Ende des vergangenen Jahres darauf, in La Nucia entscheidende Impulse für den Re-Start der Bundesliga setzen zu können. Etwas von Pech verfolgt waren die Kölner zuletzt, aber auch zu fehlerhaft in der Defensive und obendrein zu harmlos im Angriff. Eine gefährliche Kombination.
In Spanien will Kwasniok, dass sich sein Team wieder auf die Stärken besinnt, die es am Jahresbeginn zum Überraschungs-Aufsteiger hatte werden lassen. Deswegen sprach der Coach am Sonntagabend etwas länger zu seinen Spielern. „Du kannst deinen Job erledigen, oder du kannst ihn mit Hingabe erledigen“, erklärte er. „Wir tun gut daran, das vom ersten Tag an zu tun. Ich habe ein wenig beobachtet, ob das aus der Mannschaft herauskommt. Von innen heraus war das nicht der Fall und deswegen habe ich etwas länger zur Mannschaft gesprochen und darauf hingewiesen, worum es für den 1. FC Köln geht – nämlich den Klassenerhalt.“
Schwer zu glauben, dass das nicht längst allen FC-Profis bewusst war, aber offenbar brauchte es einen Weckruf des 44-Jährigen. Und der wurde gegen Lugano gehört, auch wenn die Schweizer mit der einen oder anderen sehenswerten Kombination durchaus die Schwachstellen der Kölner offenlegten.
„Ich habe kein Zuckerschlecken erwartet, sondern gute Haltung, Kommunikation und Bereitschaft in der Arbeit gegen den Ball. Das haben sie heute gemacht und deswegen bin ich unterm Strich zufrieden“, urteilte Kwasniok nach dem Testspielsieg milde. Angesichts der nahenden Aufgaben gegen Heidenheim, den FC Bayern und Mainz 05 kam der Partie allerdings eine deutlich wichtigere Bedeutung zu, als es bei gewöhnlichen Testspielen der Fall gewesen wäre. Eine Blamage weniger als eine Woche vor dem wichtigen Heidenheim-Spiel hätte wohl den einen oder anderen Kölner in Erregung versetzt.
So aber kehrt zumindest für ein paar Tage halbwegs Ruhe ein, wenn auch die Angespanntheit nicht verfliegen wird. „Wir hatten eine ordentliche Stabilität, haben trotzdem ein, zwei Aktionen zugelassen. Aber in den Umschaltern waren wir auch schon ganz gut“, resümierte Kwasniok einigermaßen zufrieden.
Und trotzdem erhofft er sich mehr Lebenszeichen und Engagement aus der Mannschaft. „Da will ich, dass das auch mal aus der Mannschaft kommt und nicht auf Ansage des Trainers gehofft wird“, stellte Kwasniok klar. Ob seine Profis das begriffen haben, wird sich dann spätestens am Samstagnachmittag zeigen.

