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Kwasniok übt versteckte Kritik und irrt in einem Punkt

Vor dem Rheinischen Duell mit Borussia Mönchengladbach wählte Kölns Trainer Lukas Kwasniok emotionale Worte und forderte einen Kulturwandel beim Traditionsklub. Doch in seinen Worten versteckte sich auch Missfallen über den Status Quo – und eine Annahme, bei der er falsch liegen dürfte.

Kein Ultimatum für den Köln-Coach

Ein Ultimatum, seinen Job nur mit einem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach behalten zu dürfen, gebe es nicht – das stellte Lukas Kwasniok schnell klar. „Diese Ansage gab es nie, hat es auch diese Woche nicht gegeben“, betonte der 44-Jährige auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Was natürlich nicht bedeutet, dass Kwasniok die Länderspielpause in allen Fällen noch als Trainer des 1. FC Köln erlebt.

Nach sechs Partien ohne Sieg zuletzt und überhaupt nur zwei Siegen in den vergangenen fünf Monaten steht der Aufsteiger nah am Abgrund. Der Abwärtstrend macht Sorgen und der Druck auf den Trainer erhöht sich immens. Dass Kwasniok von seiner Arbeit überzeugt ist, machte er auch am Donnerstag klar – und warb für Geduld und Kontinuität auf der Trainerposition.

Kwasniok fordert einen Kulturwandel

„Weil Köln eine Medienstadt ist, hat man es immer mit Trainerwechseln versucht“, übte er wenig nachvollziehbare Medienkritik. Personalentscheidungen treffen auch beim medial besonders im Fokus stehenden FC natürlich keine Journalisten, sondern Klub-Verantwortliche. Dann aber setzte Kwasniok noch eine Pointe, in der auch versteckte Kritik am Status Quo beim FC steckte.

„Zesamme sin mer stark“, bemühte der Coach eines der Klubmottos und forderte: „Das sollte uns auszeichnen, nicht nur für diese Saison, sondern für die Zukunft. Wir sind gut aufgestellt, den Verein auf links drehen zu können, um gewappnet für die Zukunft zu sein.“ Ein Satz, der einerseits die Hoffnung auf eine stabilere Zukunft ohne Kampf um den Klassenerhalt befeuerte – und andererseits deutlich machte, dass Kwasniok auf einen Kulturwandel am Geißbockheim baut. Der ist offenbar aber noch nicht erreicht, sonst hätte er die Aussicht den FC „auf links drehen“ zu können, nicht bestärkt.

Mit den Medien wird er sich arrangieren müssen

Worte, die auch Kwasnioks Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand des Aufsteigers verdeutlichen – ohne allerdings, dass er ins Detail ging welche Zustände genau man umkrempeln müsste.

Grundsätzlich erhofft er sich mehr Vertrauen, um diese Veränderungen herbeiführen zu können. Dafür bemühte er auch den Vergleich mit dem SC Freiburg, der im Streben nach Kontinuität einst sogar mit Trainer Christian Streich in die 2. Liga ging und in der laufenden Saison unter Streichs Nachfolger Julian Schuster zum dritten Mal seit dem Abstieg 2015 europäisch spielt.

„Jeder will arbeiten wie in Freiburg, festhalten wenn es mal schlecht läuft“, betonte Kwasniok und implizierte, dass es dafür dann eben auch entsprechende Ruhe und Vertrauen in die handelnden Personen benötige. Medial allerdings wird sich daran in der Millionen-Stadt Köln nichts ändern, mit dem Trubel und dem Druck von dieser Seite wird Kwasniok leben müssen. Intern allerdings sieht er durchaus das Streben nach Kontinuität.

Köln ist nicht Freiburg, das ist klar

„Sehr beeindruckt von der Vereinsführung, wie sie mit diesen Dingen umgeht“, zeigte sich der Fußballlehrer. Denn Kwasnioks Vorgesetzte, Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler und der für den Sport zuständige Vorstand Ulf Sobek beobachten die Lage des Traditionsklubs genau. Auch deswegen ist es nach kicker-Informationen nicht ausgeschlossen, dass Kwasniok seinen Job auch nach einer Derby-Niederlage vorerst behält. Denn Kessler und Sobek schätzen seine Trainerarbeit. Auch, um Kontinuität zu schaffen.

In einem Punkt aber irrt Kwasniok: Einen Abstieg mit ihm werden die Klubbosse nicht in Kauf nehmen – anders als das vor mehr als zehn Jahren in Freiburg bei Streich der Fall war. Gerät das Unternehmen Klassenerhalt zusehends in Gefahr, wird am Geißbockheim gehandelt werden. Die Vereinsführung des FC wird – völlig unabhöngig von jedem medialen Druck – nicht sehenden Auges in die 2. Liga absteigen, ohne einen Impuls auf der Trainerposition gesetzt zu haben.

Doch Kwasniok ist ohnehin sicher, dass es dazu gar nicht erst kommt. „Wir werden unser Ziel erreichen, davon bin ich überzeugt“, sagte er. Dafür wird es einen Triumph gegen Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr, LIVE bei kicker) benötigen.

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