Was zwischenzeitlich stabilisiert aussah, brach innerhalb kürzester Zeit zweimal ein. Auch in Frankfurt hielt die Defensive des 1. FC Köln nicht über die vollen 90 Minuten. Ein Problem, das René Wagner in den entscheidenden Wochen im Abstiegskampf in den Griff bekommen muss.
Der FC läuft immer wieder hinterher
„Was passiert ist, ist dass wir in der zweiten Hälfte aufgehört haben, Duelle zu gewinnen“, analysierte Frankfurts Trainer Albert Riera nach dem 2:2 gegen den 1. FC Köln. Eigentlich ein großes Lob für den Aufsteiger, den daraus resultierenden Lohn gab es aber nur in Form eines statt dreier Punkte. Der Grund: Zweimal innerhalb kürzester Zeit, da stimmte es nach der Pause eben auch aus Sicht der Kölner überhaupt nicht in den Duellen.
Erst schob sich Fares Chaibi zwischen die Ketten und nutzte Abstimmungsprobleme in der Kölner Defensive. Weder rückte Cenk Özkacar vor, noch schoben Denis Huseinbasic oder Jakub Kaminski weit genug zurück, um den Algerier aufzunehmen. Auch Kristoffer Lund kam nicht mehr ran, im Strafraum ließ Chaibi Özkacar viel zu leicht stehen. Dass weder Rav van den Berg noch Sebastian Sebulonsen im Fünfmeterraum am Gegenspieler standen, ermöglichte Jonathan Burkardt den einfachen Treffer. Nur drei Minuten später profitierte der Torschütze vom schwachen Zweikampfverhalten van den Bergs und leitete auch den zweiten Treffer ein.
Nur Heidenheim und Wolfsburg hielten seltener die Null
„Das müssen wir besser verteidigen, da werden wir drüber sprechen“, sagte René Wagner nach seiner Premiere. Dabei schien es lange Zeit, als hätte er der Mannschaft mit einer ruhigeren Spielweise mehr Stabilität verleihen können. Zwar hatte der FC nur 33 Prozent Ballbesitz, weniger waren es nur beim 0:1 in Dortmund (30 Prozent) und dem 1:3 gegen die Bayern (28 Prozent), geriet dabei aber kaum unter Druck.
Doch Frankfurts Bemühungen genügten eben dennoch, um die Defensive zweimal innerhalb kürzester Zeit zum Einsturz zu bringen. Wie das Team reagierte, war wieder einmal löblich, doch der FC wird die Anfälligkeit in den entscheidenden Wochen des Abstiegskampfes abstellen müssen. Schließlich ist die – zwischenzeitlich stark von Verletzungen gebeutelte – Kölner Abwehr bislang alles andere als ein Bollwerk. In den vergangenen acht Spielen musste die Mannschaft immer einem Rückstand hinterherlaufen. Nur dreimal spielte sie in dieser Saison zu null. Seltener gelang das lediglich Wolfsburg (einmal) und Heidenheim (keinmal), den Teams, die aus gutem Grund Rang 17 und 18 belegen.
Wagner wird weiter nach den richtigen Stellschrauben suchen, um die Abwehr zu festigen. Dabei kann er nun aus dem Vollen schöpfen und auch wieder auf Jahmai Simpson-Pusey zurückgreifen. Der 20-jährige Engländer könnte mit seiner Gelassenheit und den spielerischen Qualitäten gut in das nun ruhigere Spiel der Kölner passen.
Özkacar und Simpson-Pusey auf dem Prüfstand
Die kommenden Wochen dürften zudem darüber entscheiden, wie die FC-Abwehr über den Sommer hinaus aussieht. Der von Manchester City geliehene Simpson-Pusey wird beweisen müssen, dass er die Qualitäten auf den Platz bringt, die das Ziehen der zweifellos teuren Kaufoption rechtfertigen. Deutlich geringer ist da die finanzielle Hürde bei Özkacar, zwei Millionen Euro Ablöse an den FC Valencia wären für eine Festverpflichtung fällig, doch auch für den Türken geht es darum, sich weiterhin zu empfehlen. Äußerte er doch unlängst seinen Wunsch, über den Sommer hinaus bleiben zu wollen.
Über allem dürfte und sollte jedoch zunächst der gemeinsame Klassenerhalt stehen. Für den könnte der FC sich mit den anstehenden direkten Duellen am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Bremen und am darauffolgenden Freitag (20.30 Uhr) bei St. Pauli eine deutlich komfortablere Position schaffen – oder sich mit weiteren defensiven Wacklern noch tiefer in die Bredouille bringen …

