Ein kurzweiliges Topspiel in Dortmund entschied Bayern München dank eines Volleys von Joshua Kimmich für sich. Ein besonderer Moment für den deutschen Nationalspieler – und zugleich für ihn die endgültige Entscheidung im Meisterrennen.
Kompany: „Werbung für die Bundesliga“
Gern weichen Fußballprofis vor konkreten Aussagen aus, umdribbeln verbal Offensichtliches und üben sich in Floskeln. Joshua Kimmich, der Matchwinner beim 3:2-Topspielsieg in Dortmund am Samstagabend, aber nicht. Der deutsche Nationalspieler stellte beim Interview mit Sky vielmehr fest, dass er mit dem FC Bayern die zweite Meisterschaft in Folge eintüten wird.
Angesprochen auf die nunmehr geltenden elf Zähler Vorsprung auf „Verfolger“ BVB erwiderte Kimmich klar und „gratulierte“ seinem Klub von der Säbener Straße quasi indirekt zum 35. Meistertitel: „Das werden wir nicht mehr abgeben, das wird so bleiben.“
Der 31-Jährige verpasste es dabei allerdings auch nicht, dem stark mithaltenden Gastgeber im trotz gedämpftem Support aus dem FCB-Lager lautstarken Signal-Iduna-Park zu loben. Die Schwarz-Gelben hatten aus seiner Sicht schließlich nicht nur aufgrund der zwischenzeitlicher 1:0-Führung sowie 2:2-Comeback vor seinem schönen Volley zum Dreier den FCB vor Aufgaben gestellt: „Wir haben uns lange Zeit schwergetan, es war ein sehr körperliches Spiel mit einigen Fehlern, vielen Unterbrechungen und Fouls.“
„Harte Wochen“ für Dortmund als Schlüssel
Warum dann doch der Spitzenreiter mit dem 3:2 in den Schlussminuten die Oberhand behalten hatte, hatte aus Kimmichs Sicht auch mit dem Spielplan zu tun. Denn während die Westfalen zuletzt in den Play-offs der Champions League (2:0 und 1:4 samt Ausscheiden) englische Wochen absolviert hatten, waren die Münchner ausgeruhter ins Spiel gegangen. Ein entscheidender Faktor laut Kimmich.
„Wir wussten natürlich in der Halbzeit, dass es hinten raus für die Dortmunder schwieriger wird, das Tempo hochzuhalten“, erklärte der DFB-Kapitän. „Sie haben harte Wochen mit vielen Spielen hinter sich, das hatten wir zuletzt nicht. Dementsprechend war uns schon bewusst, dass wir einen großen Vorteil haben, je länger das Spiel geht – und den haben wir kurz vor Schluss ja auch ausgespielt.“
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Allen voran eben durch sein schönes und insgesamt 31. Bundesliga-Tor im 315. Bundesliga-Spiel, das der Mittelfeldmann wie folgt kommentierte: „Ich schieß ja generell nicht so viele Tore, deswegen nehm ich jedes Tor sehr gern mit. Und in Dortmund so spät das 3:2 zu machen, das ist schon was ganz Besonderes.“
Jubeln mit den Fans? „Diese Zeiten sind vorbei für mich“
Als etwas ganz Besonderes empfand auch Vincent Kompany den Abend, schlich sich der Trainer des FC Bayern nach dem Schlusspfiff doch mit Richtung Gästeblock, um kurz mit den eigenen Schützlingen den Jubel zu genießen. Warum? „Ich wollte einmal kurz erfahren und spüren, was die Spieler hier erfahren“, erklärte sich der frühere belgische Nationalspieler im Anschluss. „Das ist einfach auch ein Moment für mich. Dann bin ich aber auch schnell wieder weg. Denn diese Zeiten sind vorbei für mich.“ An sich bleibe er solchen Szenen immer fern.
Doch gerade dieser intensive Samstagabend habe ihn emotional kurz mitgerissen, auch weil seine Truppe dieses schwierige Spiel angenommen hatte. „Man hat gespürt, dass Dortmund seine Chance nutzen wollte an diesem Abend. Sie sind auch nach dem 2:2 weiter nach vorn gegangen und wollten logischerweise das 3:2 machen. Das war meiner Meinung nach von beiden Mannschaften und deren Ausstrahlung mit dem absoluten Willen, nach vorn zu gehen und gewinnen zu wollen, absolute Werbung für die Bundesliga.“
Den Aussagen von Kimmich bezüglich der sicher eingetüteten Meisterschaft wollte Kompany derweil nicht ganz folgen, er umschrieb das Ganze in seinen eigenen Worten: „Es geht immer wieder weiter, wir haben 88 Tore geschossen. Warum sollten wir jetzt aufhören? Ich freue mich einfach auch auf diese letzten zwei, drei Monate in der Bundesliga.“
Er erkenne auch die klaren elf Punkte Vorsprung, dennoch wollen weitere Siege eingefahren werden – auch, um im Rhythmus für die Aufgaben in DFB-Pokal (Ende April im DFB-Pokal gegen Leverkusen) und Champions League (im Achtelfinale gegen BVB-Bezwinger Atalanta Bergamo) zu bleiben.
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„Eines kann ich sagen, was meine Mentalität ist, seit ich aufgewachsen bin“, holte Kompany diesbezüglich noch aus. „Es ist mir manchmal egal, ob wir hinten liegen oder führen.“ Ihm gehe es vielmehr darum, jeden Moment auszuleben und Negatives nie zu sehr mit sich zu tragen. Nach diesem Credo gelte es aus seiner Sicht bis zum Saisonende zu agieren – eben auch in der Bundesliga trotz im Grunde sicherer Meisterschaft 2025/26.

