Rani Khedira sieht Union Berlin in der Vorbereitung auf einem guten Weg, sowohl was die Fitness als auch die Theorie anbelangt. Von zwei Neuzugängen verspricht sich der 31-Jährige mehr Torgefahr und warnt vor Träumereien.
Vize-Kapitän von Burkes Tempo beeindruckt
Aus Union Berlins Trainingslager in Herzogenaurach berichtet Jannis Klimburg
Am Mittwoch machte sich der Union-Tross mit der Bahn gen Nürnberg, um dort mit dem Mannschaftsbus nach Herzogenaurach weiterzufahren, weil dort bis zum 1. August das Trainingslager stattfinden wird. Die Spieler haben am Adidas-Stützpunkt ihre Bungalows bezogen und die ersten „knackigen“ Einheiten absolviert, wie Vize-Kapitän Rani Khedira in einer Medienrunde berichtete: „Die sportlichen Bedingungen sind Weltklasse. Man hätte nichts besser machen können, die Wege sind sehr kurz, das Essen schmeckt außergewöhnlich gut. Es gibt nichts zu meckern.“
Laut dem 31-Jährigen sei man in den ersten zwei Wochen der Vorbereitung „gut reingekommen. Wir haben die Belastung nicht überdreht. Trotzdem sind wir jetzt schon auf einem ordentlichen Fitnesslevel. Wir versuchen jetzt akribisch an Dingen zu arbeiten, die uns auszeichnen sollen.“ Zudem erzählte er, dass dafür unter anderem viele Videositzungen auf dem Programm standen: „Wir sind kritisch in der Analyse und versuchen unser Spiel so zu strukturieren, dass es uns auf dem Platz einfacher fällt, Entscheidungen zu treffen.“
Khedira beschreibt Burkes Tempo als „Waffe“
In den zurückliegenden beiden Spielzeiten haben die Eisernen in zu vielen Bundesligapartien allerdings zu viele Fehlentscheidungen getroffen, weshalb die Mannschaft lange im Abstiegskampf gesteckt hatte. „Ich hoffe, dass wir daraus gelernt und unsere Schlüsse gezogen haben, dass du tagtäglich an dir arbeiten musst und man sich nicht zurücklehnen sollte, wenn es mal ein Stück weit besser läuft“, mahnte Khedira, der von den Neuzugängen sehr angetan ist.
Wie zum Beispiel von Oliver Burke: „Mit ihm durfte ich schon zusammenspielen. Das ist für mich der schnellste Spieler, den ich live erleben durfte. Das ist eine Waffe, die uns vielleicht helfen kann.“ Aber auch über Ilyas Ansah fand er lobende Worte: „Er hat jede Menge Potenzial. Wenn er das auf dem Platz bekommt, dann wird er uns extrem weiterhelfen.“ Die beiden sollen unter anderem dabei helfen, dass sich Union in der kommenden Runde torgefährlicher zeigt. Laut Khedira sei es das „Schwierigste“ im Fußball, sich im letzten Drittel Torchancen zu erarbeiten. „Wenn du da nicht eine hohe individuelle Qualität hast, musst du viel über Flanken und zweite Bälle kommen, sodass du dir danach keinen Konter fährst.“
Vize-Kapitän mahnt zur Demut
Daran werden die Köpenicker unter anderem im Trainingslager tüfteln, dass sie sich in Zone drei mehr Möglichkeiten herausspielen, um die Chance zu erhöhen, mehr Tore zu erzielen und so im Endeffekt mehr Punkte einzufahren. Denn klar ist auch, dass durch die beiden Aufsteiger Hamburger SV und Köln die Bundesliga nicht unbedingt einfacher geworden ist. „Es geht für uns darum, schnell auf die Tabelle zu kommen und das Polster stetig auszubauen“, unterstrich Khedira. Die drei Spielzeiten im internationalen Geschäft von 2021 bis 2024 scheinen momentan weit weg.
Ob das in naher Zukunft noch mal realisierbar ist? Khedira: „Das waren außergewöhnliche Jahre bei uns. Es wird sich keiner wehren, wenn man auf einer Euphoriewelle ist und am Ende dort irgendwo landet. Ich bin aber eher ein Freund davon, mit einer ordentlichen Portion Demut in die Saison zu gehen als große Sprüche rauszuhauen und am Ende doof dazustehen. Wir müssen hart arbeiten und am Ende lügt die Tabelle nicht.“

