Am Samstag treffen zwei alte Rivalen aufeinander: Der Hamburger SV gastiert beim FC Heidenheim. Der Kader sieht gut aus, doch was denkt Frank Schmidt über die anstehende Partie?
Frank Schmidt mit mehr Möglichkeiten
Tabellenschlusslicht FC Heidenheim empfängt an diesem Samstag (ab 15.30 Uhr LIVE! bei kicker) den Hamburger SV, einen alten Rivalen, mit dem man sich bereits in der 2. Liga etliche Male duelliert hat. Der FCH ist den Hamburgern seit dem Aufstieg 2023 ein Dorn im Auge, vor allem bei den Fans, die sich bereits aufgestiegen wähnten. Der FCH zerschlug sehr spät die Träume der schon jubelnden Hamburger. Beim ersten Bundesliga-Duell in der Hinrunde setzten sich die Hamburger dagegen knapp mit 2:1 durch, jetzt will der FCH die Revanche.
Leonidas Stergiou und Adam Kölle werden Frank Schmidt nicht zur Verfügung stehen, der Rest aber ist bereit für den Hamburger SV, was dem FCH-Trainer deutlich mehr Möglichkeiten gibt. Selbst der lange verletzte Budu Zivzivadze ist wieder da und auch auf Christian Conteh dürfen sich die Heidenheimer Fans freuen. „Es sieht insgesamt wieder besser aus“, freut sich Schmidt.
Es geht jetzt in die heiße Phase, sagt Schmidt, wenn sie nicht schon längst angebrochen ist. Mit einem Heimsieg, es wäre überhaupt erst der vierte Sieg in dieser Saison, würde man an den HSV heranrücken und diesen gleich wieder nach unten ziehen. Das ist das Ziel des FCH.
Klassisches Sechs-Punkte-Spiel
Die Hamburger kommen mit dem Selbstbewusstsein eines 2:2 gegen Bayern München in die Voith-Arena, dazu haben sie stolze sechs Punkte Vorsprung vor dem Schlusslicht. „Wir benötigen eine hohe Intensität. Wir wissen, dass der Druck jetzt steigt. Die Spiele werden weniger. Unsere Situation hat sich verschärft“, resümiert Schmidt – und bemüht sich danach eines Bildes: „Wir müssen auf den Bahnhof, aufs Gleis, in den Zug einsteigen. Wir müssen nur zusehen, dass wir rechtzeitig da sind und der Zug nicht ohne uns abfährt.“
Genau das müsse man fortan in jedem Spiel sehen. Seine Spieler würden sich dieser Situation stellen, sagt er. „Über den Kampf und die Leidenschaft müssen wir ins Spiel kommen. Das wird jetzt für uns immer wichtiger“, sagt Schmidt. Das 2:3 beim BVB hätte durchaus auch für Selbstvertrauen sorgen können beim Kellerkind, es blieb aber eher Kopfschütteln. Mindestens vier Hochkaräter, darunter ein Kopfball von Marvin Pieringer aus kurzer Distanz aufs verwaiste Tor, ließen die Mannen von der Brenz liegen.
„Wir brauchen positive Gedanken“
Er brauche jetzt stabile Spieler, die sich keinen Kopf machen, die positiv denken, nicht zurückschauen. „Das bringt uns nichts und würde uns jetzt auch nicht helfen. Ich denke in Chancen und auch meine Mannschaft muss in Chancen denken. Wir sind sechs Punkte hinter dem HSV. Die Fakten liegen auf dem Tisch, wir müssen dieses Spiel gewinnen“, sagt Schmidt deutlich. Dann wären es schließlich nur noch drei Punkte und das müsse einfach jedem bewusst sein in diesem Duell.
„Ich weiß, dass es aktuell nicht leicht ist, Fan des FCH zu sein. Wir haben erst drei Siege in dieser Saison und das reden wir auch nicht schön“, sagt Schmidt. Aber: „Jeder Fan, der ins Stadion kommt, der muss für sich eine Entscheidung treffen. Wenn wir im Zug sitzen wollen, der in der Bundesliga bleibt, dann macht es mehr Sinn, die Mannschaft zu unterstützen, anstatt in ein Muster zu verfallen, bei dem man nach dem ersten Fehler gleich negativ wird. Wir brauchen positive Gedanken“, ruft Schmidt auch die Fans auf, seine Mannschaft zu unterstützen. Diese positiven Gedanken brauche die Mannschaft, denn der Ergebnisdruck sei längst da.
Ballast abwerfen und sich über Chancen freuen
Die Situationen in dieser Saison wiederholen sich immer wieder. Die Chancen, die sich der FCH herausspielt, würde man mit der Formulierung „Hundertprozenter“ noch herabwürdigen. So war es bislang nicht nur in Dortmund. Schmidt musste sich also schon häufiger wiederholen. „Es wäre einfach, die Dinge mit Handauflegen zu ändern. Am Ende geht es um Effektivität, da musst du über die Linie, da musst du in den Zug einsteigen, um im Bild zu bleiben. Diesen Schritt müssen wir jetzt gehen, ohne immer wieder dieselbe Schallplatte auflegen zu müssen“, sagt der FCH-Trainer. „Jetzt müssen wir, da brauchen wir nicht drumherumreden. Wir müssen dieses Spiel gewinnen, weil es immens wichtig ist für die kommenden Wochen im Abstiegskampf“, so Schmidt weiter.
Vielleicht braucht es diesen einen Schlüsselmoment, auf den sie an der Brenz alle sehnlichst hoffen. „Wichtig ist, dass wir die Chancen haben und es nicht zu einer Torschusspanik kommt“, witzelt der FCH-Trainer. Was ebenfalls helfen könnte, ist die neu entstandene Konkurrenzsituation durch die Spieler, die zurückgekommen sind, und nicht zuletzt durch die Personalie Eren Dinkci, der schon beim BVB direkt gezeigt hat, dass er der Mannschaft weiterhelfen kann. Die Spieler müssen den Ballast abwerfen und sich freuen, dass sie diese Chancen haben, sagt Schmidt. Wenn sie dies beherzigen, dann darf gegen den HSV womöglich wieder gejubelt werden.

