Simon Rolfes hat Gedanken an einen zweiten Trainerwechsel bei Bayer 04 in dieser Saison von sich gewiesen und damit Kasper Hjulmand den Rücken gestärkt. Mehr als Durchhalteparolen im Kampf um Platz 4 kann der Manager aber auch nicht liefern.
„Trainerwechsel kein Szenario, mit dem wir uns beschäftigen“
Bayer 04 wird wie erwartet mit Trainer Kasper Hjulmand versuchen, die laufende Bundesligasaison für den Werksklub noch zu retten. In dieser hinkt der deutsche Vizemeister nach dem erneut enttäuschenden Auftritt beim 3:3 bei Schlusslicht Heidenheim als Tabellensechster mit vier Punkten Rückstand auf Rang 4 weiterhin deutlich hinter den Erwartungen her.
Auch wenn die Liaison zwischen Bayer 04 und Hjulmand ein Projekt ohne Zukunft ist, hatte der kicker am Sonntag bereits geschrieben, dass alle Anzeichen dafür sprechen, dass Rolfes die Saison mit Hjulmand trotz der fehlenden Punkte und der bestenfalls stagnierenden Entwicklung der Mannschaft durchzieht. Am Dienstag bestätigte der Manager dies. „Ein Trainerwechsel ist kein Szenario, mit dem wir uns beschäftigen“, sagte Rolfes gegenüber Bild, „für uns ist klar: Wir wollen in dieser Konstellation erfolgreich sein. Es bieten sich noch immer alle Chancen, unser Saisonziel zu erreichen.“
Die Jobgarantie für Hjulmand war zwingend, um weitere Unruhe zu unterbinden
Eine Aussage der Managers, die eine klare Jobgarantie für Hjulmand darstellt – und die er treffen musste, um weitere Unruhe im Endspurt um die so wichtige Qualifikation für die Champions League so weit wie möglich zu unterbinden.
Allerdings macht Rolfes auch keinen Hehl daraus, wie groß die Enttäuschung bei ihm über das bisherige Abschneiden ist. „Unser Problem ist: Wir haben gegen Bayern eine richtig gute Leistung gebracht und nicht gewonnen, wir haben gegen Heidenheim eine gute erste Hälfte gespielt und es nicht durchgezogen“, analysiert der Ex-Profi die jüngsten zwei Unentschieden in der Liga und gibt zu: „Das ist frustrierend.“
Starke Argumente für einen Turnaround kann weder Rolfes noch Hjulmand liefern
Doch wirklich starke Argumente, warum Bayer in den letzten sieben Spielen nach Wochen und Monaten mit enttäuschenden Auftritten wie Ergebnissen noch den Turnaround schaffen sollte, kann der Geschäftsführer wie schon Hjulmand direkt nach dem 3:3 in Heidenheim nicht liefern.
Dass der Trainer am Samstag die nach den dauernden englischen Wochen nun erst einmal im Sieben-Tage-Rhythmus stattfindenden Partien („Ich glaube, der Rhythmus, dass wir von Samstag zu Samstag spielen können, wird sehr gut für uns“) als Hoffnungsmacher nannte, war dünn. Rolfes, der vor dem Heidenheim-Spiel von acht Endspielen für Bayer 04 gesprochen und damit bereits eine klare Erwartungshaltung aufgebaut hatte, setzt jetzt trotzdem auf den Faktor Zugzwang, unter dem Bayer 04 als Verfolger mit aktuell vier Punkten Rückstand auf Rang 4 aber ohnehin schon seit Wochen steht.
Rolfes unternimmt den nächsten Versuch, das Team wachzurütteln
„In Momenten, in denen wir unter maximalem Druck standen, haben wir es schon geschafft, unsere Leistung konstant und bis zum Ende abzurufen“, sagt Rolfes, „in Lissabon (1:0 bei Benfica; Anm. d. Red.), in Manchester (2:0 bei City), auch in einigen Bundesliga-Spielen.“ Aber eben nie konstant über mehrere Spiele nacheinander und auch in den jeweiligen 90 Minuten meist mit großen Schwankungen.
Doch Rolfes bleibt nicht viel mehr, als Durchhalteparolen zu bemühen. Und so unternimmt er den nächsten Versuch, die Mannschaft wachzurütteln. „Jetzt muss Heidenheim unser Weckruf sein. Damit wir es unter dem Druck wieder schaffen, unsere Spiele von der ersten bis zur letzten Minute durchzuziehen.“ Eine Forderung, die er inhaltlich so in den vergangenen Wochen wiederholt stellte. Bereits vor dem jüngsten 3:3 hatte der Manager absoluten Siegeswillen von der ersten Minute an gefordert – die gewünschte Reaktion der Mannschaft blieb allerdings mal wieder aus.
Was gibt wirklich Anlass zur Hoffnung auf die große Wende?
Was bietet für Bayer 04 also wirklich Anlass zur Hoffnung auf die große Wende? Warum sollte diese immer wieder stark schwankende Mannschaft jetzt zu Konstanz auf hohem Niveau finden? Warum sollte sie, nachdem sie 2026 aus den jüngsten sechs Partien gegen Abstiegskandidaten nur neun Punkte geholt hat, nun eine Serie hinlegen?
Zumal sich unter den letzten Gegnern mit dem BVB und Stuttgart (beide auswärts) sowie Leipzig in der BayArena noch drei Top-Teams befinden – und Leverkusen gegen die aktuellen Top 5 der Liga bislang eine Bilanz von einem Sieg und sechs Niederlagen aufweist. Fragen, auf die bei Bayer niemand überzeugende Antworten geben kann.

