Mit einer überraschenden Attacke gegen die TSG-Geschäftsführung geißelt Dietmar Hopp (85) das gegen den Berater Roger Wittmann verhängte Stadionverbot. Und widerspricht in einem Sport1-Interview seiner eigenen Stellungnahme.
Hoffenheims Mäzen stützt Wittmann
Das Sommertheater um den von der TSG ausgesperrten Berater Roger Wittmann nimmt kein Ende, sondern eine überraschende Wendung. Denn in einem Interview mit Sport1 äußert sich nun Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp eindeutig verärgert zu der Maßnahme des Klubs, seinen Freund und langjährigen Weggefährten mit einem Haus- und Stadionverbot zu belegen.
„Das Stadionverbot für Roger Wittmann ist eine große Schweinerei“, schimpfte Hopp nun, „aber ich konnte nichts machen. Wir sind eng befreundet und ich helfe ihm auch. Viele dachten, ich hätte das initiiert – dabei war es genau andersrum. Die anderen haben 51 Prozent, ich 49. Deshalb konnte ich mich nicht wehren.“
Das ist eine sehr irritierende Aussage. Denn einige Tage nach der Entscheidung der TSG-Geschäftsführung hatte der Klub eigens Statements beider Gesellschafter veröffentlicht, die vermeintlich auch diese Maßnahme mittrugen und stützten: „Wir stehen uneingeschränkt hinter allen Entscheidungen unserer Klubführung. Die Richtung stimmt, die Maßnahmen sind durchdacht – und wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Weg sportlich und strukturell erfolgreich sein werden.“ Das klingt aus Hopps Mund nun ganz anders.
Die einst vermittelte Geschlossenheit bröckelt gewaltig
Das wirft Fragen auf. Hat Hopp seine Meinung so radikal geändert? Galt das damalige Statement gar nicht der Causa Wittmann? Auf Nachfrage ließ die TSG dieses wissen: „Aufgrund des anhängigen Gerichtsverfahrens, gibt es derzeit keine Äußerungen von uns, auch nicht zu persönlichen Äußerungen von Dietmar Hopp.“ Wie der kicker am Dienstag berichtete, kommt es am 12. September zu einer Verhandlung vor dem Landgericht in Heidelberg, weil Wittmann – wie auch der ebenfalls betroffene Ex-Akademieleiter Dirk Mack – auf Unterlassung klagt.
Hopp hatte seine einstige Ausnahmestellung freiwillig aufgegeben und die Stimmrechtsmehrheit im Sinne von 50+1 an den Verein zurückgegeben. Insofern säße Hopps Co-Gesellschafter, der Vereinsvorsitzende Jörg Albrecht, theoretisch am längeren Hebel. Allerdings geht das Stadionverbot auf eine Maßnahme der Geschäftsführung zurück und nicht auf eine auf Gesellschafterebene. Jedoch vermittelte das damalige Vorgehen inklusive des nachgelieferten Statements der Gesellschafter Einigkeit und Geschlossenheit. Die bröckelt nun gewaltig.
Die Geschäftsführung hatte sich im April zunächst demonstrativ von Wittmann und dessen erheblichem Einfluss auf das operative Geschäft distanziert. Kurz vor der neuen Saison hatte der Zoff zwischen der TSG und Wittmann mit dem Haus- und Stadionverbot eine weitere Eskalationsstufe erreicht.

