Nach sieben Spielen ohne Niederlage musste Bayer Leverkusen bei Union Berlin einen unerwarteten Dämpfer einstecken. Neben der fehlenden Durchschlagskraft lag das vor allem an einem Aussetzer von Robert Andrich. Das wusste der Kapitän selbst nur zu gut.
Beim 0:1 in Berlin
Im August 2019 gab Robert Andrich sein Bundesliga-Debüt im Trikot des 1. FC Union Berlin. Zwei Jahre später zog es den Abräumer weiter zu Bayer 04 Leverkusen. Die Wiedersehen mit seinem Ex-Klub waren eigentlich immer eine angenehme Angelegenheit für den mittlerweile 31-Jährigen. Bis zum Samstag, als er seine saubere Bilanz von fünf Siegen und drei Unentschieden mit Leverkusen gegen die Köpenicker zu einem Großteil selbst versaute.
Es lief die 28. Minute, als Andrich bei einem langen Ball von Aljoscha Kemlein gefordert war. Im Laufduell mit dem nicht gerade als Sprinter bekannten Rani Khedira brachte Leverkusens Kapitän zunächst problemlos den Körper vor den Ball. Aber eben nur zunächst. Viel zu leicht ließ er anschließend seinen Gegenspieler doch noch zum Ball gelangen. Unions Sechser bedankte sich und lupfte frech über Janis Blaswich zum Sieg.
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Andrich deutlich: „Das darf mir nicht passieren“
„In dem Moment habe ich alles falsch gemacht“, wusste auch Andrich selbst nach der Partie. „Ich stehe erst gut, habe den Körper davor, und dann unterschätze ich die Situation. Das darf mir nicht passieren“, ärgerte sich der Defensivspezialist in der Mixed Zone. „Allgemein tut so ein Fehler brutal weh, aber hier besonders und mit einer Niederlage umso mehr.“
Die Gastgeber tankten mit dem von Andrichs Blackout eingeleiteten Tor zusätzliches Selbstvertrauen, ließen sich die zuvor sieben sieglosen Spiele nicht mehr anmerken und zeigten ihr typisches Union-Gesicht. Baumgarts Mannschaft kämpfte gegen Leverkusens Angriffsbemühungen an, unterband den Spielfluss und hatte eben auch das nötige Quäntchen Glück, dass Patrik Schick in der Nachspielzeit gleich zweimal vorbeiköpfte.
Defensiv sonst stabil, vorne fehlt die Durchschlagskraft
„Es ist sowieso immer sehr schwer, hier zu spielen. Aber mit der Führung im Rücken fühlt sich Union noch wohler, tief zu verteidigen“, sagte Andrich, der auch von seiner Mannschaft eine stabile Defensivleistung sah. „In der zweiten Hälfte waren sie nicht einmal am Sechzehner oder in der Richtung.“
Doch vorne fehlte eben die entscheidende Durchschlagskraft. „Mit ein bisschen Glück rutscht einer der Kopfbälle rein oder ein, zwei durch den Fünfer fliegende Hereingaben werden gefährlicher. Das braucht man auch ein bisschen, um bei Union ein Tor zu schießen.“ Ganz besonders eben dann, wenn vorne die nötigen Ideen fehlen, um das Köpenicker Bollwerk vor große Herausforderungen zu stellen.
Andrich schmettert Ausreden ab: „ganz billig“
Ausreden wollte Andrich aber keine gelten lassen. Weder die fünffache Rotation noch den von Trainingseinheiten und einem Spiel der Frauen am Vortag mitgenommenen Rasen und schon gar nicht die umklammernden Champions-League-Duelle gegen Olympiakos Piräus. „Die ist ganz billig“, stellte Andrich klar. „Das ist nun mal unser Rhythmus. Wir haben einen breiten Kader, haben alle Qualität und sind Profis genug, um alle drei Tage zu spielen.“
Diesen Rhythmus behält die Werkself zunächst auch bei. Vielleicht eine gute Sache, um den Dämpfer schnellstmöglich wieder abzuschütteln. „Es muss weitergehen“, blickte Andrich auf das „schwere Rückspiel“ am Dienstagabend zu Hause gegen Piräus, in dem es darum geht, den 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel ins Ziel zu bringen. „Da müssen wir den nächsten Schritt machen.“

