Zum Inhalt springen Zur Seitenleiste springen Zur Fußzeile springen

Die Rolle des Königstransfers: Kann sich Wolfsburg das Vinicius-Souza-Experiment leisten?

Bei ihm griff der VfL Wolfsburg tief in die Tasche: Für 15 Millionen Euro kam Vinicius Souza von Sheffield United. Ein Sechser, der umgeschult wird – macht das Sinn?

Kein Vorbeikommen an „Architekt“ Arnold

Es ist eines der Kernthemen nach diesem Wolfsburger Fehlstart. Fünf Punkte nach sechs Spielen und die große Frage: Warum bezahlte der VfL 15 Millionen Euro für den defensiven Mittelfeldspieler Vinicius Souza, um diesen nun offensiver agieren zu lassen? Es ist offensichtlich: Der Brasilianer fremdelt mit der ihm zugedachten neuen Rolle.

Vinicius Souza lächelt fast schon verlegen bei diesem Thema. Er will nichts Falsches sagen, präsentiert sich ganz als Teamplayer und Diplomat. Ein negatives Wort geht ihm nicht über die Lippen. Und so sei es „völlig okay“, dass er aktuell nicht der bevorzugten Sechs eingesetzt wird.

„Hauptsache, ich kann dem Team helfen“

Dort, wo er in seiner Karriere immer abräumte, ist Kapitän Maximilian Arnold gesetzt. Vini Souza soll nun zum Verbindungsspieler werden, offensiver agieren. „Wenn der Trainer mich auf einer anderen Position braucht, mache ich das gerne“, unterstreicht der 26-Jährige. „Hauptsache, ich kann dem Team helfen.“

„“Natürlich ist die Sechs meine natürliche Position, aber wenn ich mal auf der Acht oder Zehn spiele, sehe ich das auch positiv.“ (Vinicius Souza spielt beim VfL Wolfsburg in ungewohnter Rolle)

Das ist bislang freilich nur bedingt der Fall. Offensivakzente kann der Sommerneuzugang bislang nicht wirklich setzen, er findet noch so gar nicht zu seinem Spiel, wirkt bisweilen verloren auf dem Feld. Und doch lamentiert er nicht, sondern nimmt die Herausforderung an. „Natürlich ist die Sechs meine natürliche Position, aber wenn ich mal auf der Acht oder Zehn spiele, sehe ich das auch positiv. Es hilft mir, mich weiterzuentwickeln.“

Beim Test am Mittwoch gegen Hertha BSC (0:2) agierte der Brasilianer anfangs sogar in der Innenverteidigung. Vinicius Souza wird überall gebraucht – nur nicht dort, wo er am besten ist. Warum ist das so?

„Mit Max haben wir einen Architekten auf der Sechs“

„Wir denken, mit Max haben wir einen Architekten auf der Sechs, der das Spiel aufbauen kann“, erklärt Trainer Paul Simonis. „Mit Vini arbeiten wir intensiv an seiner Rolle etwas höher auf dem Platz. Das ist vielleicht nicht seine Top-Position. Aber wenn wir den Ball verlieren, dann ist Vini sehr wichtig für uns, das ist nicht Max‘ größte Qualität.“

Vinicius Souza kompensiert die Schwächen des Kollegen, ist in höherer Rolle im Gegenpressing gefordert, aggressive Arbeit gegen den Ball ist gewünscht. „Weil er ein Profil hat, das wir hier in der Bundesliga brauchen“, streicht Simonis hervor: „Ein Spieler, der laufen kann, der kämpfen kann, der Bälle gewinnen kann.“

Video-Analyse für den Umschüler

Am besten könnte Vinicius Souza diese Qualitäten auf der Sechs einbringen. Dort, wo er auf dem Rasen zu Hause ist. Weswegen er als „Bulldozer“ oder „Monster“ genannt wird. Nun ist er ein Umschüler. „Nach jedem Training schaue ich mir Videos an, analysiere meine Aktionen. Das hilft mir sehr“, sagt er. „Mit jedem Spiel fühle ich mich wohler.“

Kommt am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! Bei kicker) jetzt vielleicht doch die Gelegenheit, sich von seiner besten, weil gewohnten Seite zu zeigen? Kapitän Arnold hat sich gegen Berlin eine leichte Muskelverletzung im hinteren Oberschenkel zugezogen. Wird der Routinier nicht rechtzeitig fit, könnte Vini Souza ihn ersetzen.

Wo würde er sich aufstellen, wenn er der Trainer wäre? Der Neuzugang lächelt. „Das ist Sache des Trainers. Wenn ich auf der Sechs, Acht, Zehn oder sogar als Innenverteidiger ran muss – alles gut. Wichtig ist, dass ich auf dem Platz stehe.“

Trainer Simonis rechnet diese Haltung seinem als Schlüsselspieler gedachten Neuzugang hoch an. „Er kam von selbst zu uns und sagte: ‚Okay, zeigt ihr mir alles. Können wir nach dem Training auch bestimmte Übungen auf dem Platz machen?‘ Ich denke, das ist die Art von Spielern, mit denen man arbeiten möchte.“

Ein Experiment und der Druck, punkten zu müssen

Und doch müssen die Fragen erlaubt sein: Warum verpflichtet der VfL diesen Spieler für so viel Geld, obwohl Arnolds Stärken und Schwächen hinlänglich bekannt waren? Kann es sich Wolfsburg überhaupt erlauben, dieses Positions-Experiment zu machen? Der Druck, zu punkten, ist nach fünf Spielen ohne Sieg und drei Niederlagen in Serie schon immens. Und Vinicius Souzas Umschulung noch längst nicht abgeschlossen.

Hinterlasse einen Kommentar

0.0/5