Nachdem während Corona und auch im Anschluss an die Pandemie einige Klubs wirtschaftlich ins Schlingern geraten waren, will die Deutsche Fußball-Liga (DFL) künftig ihre Eingriffsmöglichkeiten mit Blick auf finanzielle Auswüchse vergrößern.
Kaderkosten sollen auf Sicht begrenzt werden
Das erklärten die beiden DFL-Geschäftsführer Dr. Marc Lenz und Dr. Steffen Merkel im Zuge einer Medienrunde. Konkret will die Liga die Mittelverwendung stärker steuern und eine Kaderkostenregulierung einführen, angelehnt an die UEFA-Finanzregeln, an deren Ausarbeitung und Einführung Lenz unmittelbar beteiligt war. Diese sehen vor, dass ab der Saison 2025/26 maximal 70 Prozent der fußballbezogenen Einnahmen eines Klubs in das kickende Personal gesteckt werden dürfen. Zudem können Investoren etwaige Defizite von bis zu 60 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren ausgleichen, finanziell gesunde Klubs haben einen zusätzlichen weiteren Spielraum von zehn Millionen Euro.
Wider das Rattenrennen, so könnte der Arbeitsansatz lauten, das sich natürlich stark aus dem europäischen Wettbewerb speist, weil dort Kapitalzufuhren, anders als aufgrund der 50+1-Regel in Deutschland, unbegrenzt möglich sind. „Trotz Rekordumsätzen sind hohe Defizite oft Standard durch Transferkosten, die dann wieder extern finanziert werden müssen. Das erhöht den Druck auf die Wirtschaftlichkeit und die Bundesligisten“, erläutert Lenz einen Denkansatz. Die Vereine aus der Bundesrepublik bewahren „in einem schwierigen Gesamtkontext eine gesunde Balance zwischen Wettbewerbsfähigkeit und finanzieller Stabilität. Das muss die klare Marschroute sein.“
Fokus auf den Unternehmenswert gewandert
Ein Blick auf die Top-15 der umsatzstärksten Klubs in Europa aus dem letzten Jahrzehnt aber verdeutlicht das Problem: In dieser Dekade waren nur fünf dieser Spitzenvereine profitabel, neun hätten die von der UEFA angepeilte 70-Prozent-Grenze bei den Kaderkosten gesprengt. International sei der Fokus auf den Unternehmenswert gewandert. „Investoren legitimieren und akzeptieren signifikante Defizite innerhalb der Klubs über Jahre, um bei einem entsprechenden Verkauf zu profitieren“, erklärt Lenz.
Prominentes Beispiel: der FC Chelsea, den Roman Abramovich – nicht ganz unfreiwillig aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine – auf dem Papier mit Plus verkaufte trotz erheblicher Investitionen in Spieler. Ein solches Geschäftsmodell aber „wird nie unsere Perspektive im deutschen Kontext sein“, stellt Lenz klar. Und doch heißt es: Gerade die international tätigen Klubs stehen im Wettbewerb mit Vereinen, die bewusst defizitär agieren, also mehr Geld in Beine stecken.
Es ergibt Sinn, sich bei der Kaderkostenregel an den 70 Prozent der UEFA zu orientieren
Diesen darf man entsprechend keine allzu großen Fesseln anlegen über ein nationales Financial Fairplay, insofern ergibt es Sinn, sich bei der Kaderkostenregel an den 70 Prozent der UEFA zu orientieren. In den vergangenen Monaten hat eine Arbeitsgruppe Ideen entwickelt, die neben DFL-Vertretern auch Abgesandte von Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, RB Leipzig, dem Hamburger SV, dem FC Schalke 04 und dem SV Darmstadt 98 umfasst. Nachdem das Thema bereits bei der letzten Mitgliederversammlung (MV) kurz angesprochen wurde, soll sich nun auch die Finanzkommission damit beschäftigen, später das Präsidium und eben abschließend erneut die MV, um eine mögliche Novelle zu verabschieden.
„Was es bei uns nicht geben wird, ist eine Überregulierung.“ (Marc Lenz)
„Was es bei uns nicht geben wird, ist eine Überregulierung“, verspricht Lenz, der weiterhin in Richtung UEFA an eine absolute, also keine prozentuale Kaderkostenbegrenzung denkt. Denn das würde die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Klubs konterkarieren. „Es geht darum, bei Einzelfällen mit Kaderkosten von mehr als 100 Prozent, und die gab es auch in Deutschland, anders agieren zu können.“ Nämlich antizipierend, um im Fußballsprech zu bleiben. Denn das aktuelle Lizenzierungsverfahren zielt zum einen auf die Frage ab, ob die kommende Saison durchfinanziert ist, also ob ein Verein liquide ist. Zum anderen mit der Eigenkapitalregel – ein Negativwert muss verbessert werden, sonst drohen in letzter Konsequenz Punktabzüge – auf die finanzielle Stabilität.
Rennt aber ein Verein aufgrund eines hohen Einmal-Kapitaleinschusses in ein strukturelles Defizit – das beste Beispiel ist wohl Hertha BSC mit den Windhorst-Millionen – konnte die DFL bislang nicht regulierend eingreifen. Denn die Liquidität war ja da und das Eigenkapital zunächst entsprechend hoch. „Fehlende Regulierung hat zu dem ein oder anderen Einzelfall geführt, bei dem wir erst in der Lizenzierung reagieren konnten. Dann aber ist es zu spät“, sagt Lenz, der bewusst keine konkreten Fälle nennt.
Kapital ist willkommen, sofern es nicht blind in Beine gesteckt wird
Daneben bleibt als Binnenthema die Erkenntnis, dass „die Bundesligisten vermehrt in langfristige Strukturen investieren müssen“ statt in den Kader. Also in Nachwuchsleistungszentren und Stadionstrukturen. Dafür soll eine Steuerung der Mittelverwendung eingeführt werden. Kapital also ist willkommen, sofern es nicht blind in Beine gesteckt wird, etwas salopp ausgedrückt. Schließlich geht es auch darum, es Vereinen weiterhin zu ermöglichen, die höherstehende Konkurrenz zu attackieren. Was bekanntlich auch eines gewissen monetären Hintergrunds bedarf. Geld erhöht nun mal die Wahrscheinlichkeit auf Tore dramatisch, wie es der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel zu sagen pflegt.
Aber: Wachstum muss gesund sein, unterstreicht Lenz: „Für uns ist es wichtig, dass sich Klubs schrittweise und damit langfristig entwickeln, damit wir einen Mechanismus haben, um die Wettbewerbsintegrität zu schützen.“

