Zum Inhalt springen Zur Seitenleiste springen Zur Fußzeile springen

„Der Hahn auf dem Kirchturm“: Kwasniok bewahrt die Ruhe in der Krise

Vier sieglose Spiele am Stück ließen den 1. FC Köln zuletzt in Richtung der Abstiegsränge rutschen – und die Kritik an Lukas Kwasniok lauter werden. Ein Problem hat der Coach damit nicht. Er gibt sich ungebrochen überzeugt von seiner Mannschaft.

Köln „zu gut“ für den Abstieg

„Im Leben brauchst du immer Visionen“, sagte Lukas Kwasniok auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Die nächste für ihn und den 1. FC Köln lautet: Den Samstagabend-Fluch endlich zu beenden. Sechsmal trat seine Mannschaft in dieser Saison um 18.30 Uhr an, sechsmal ging sie als Verlierer vom Platz. Zuhause gegen Borussia Dortmund soll das besser laufen.

Der Glaube geht den Kölnern nicht ab, auch nach vier sieglosen Spielen und nur zwei Dreiern in den vergangenen 15 Partien nicht. „Wenn jetzt ein erneuter Saisonabbruch durch Corona käme, was keiner will, dann hätten wir unser Ziel erreicht. Die Jungs haben bisher gezeigt, dass wir es schaffen, über dem Strich zu sein“, untermauerte der 44-Jährige, der mit seinem Team bislang noch nicht einmal in der Abstiegszone stand.

Kwasnioks Beispiele: Mainz, Dresden, Brighton, Wolves

Damit das so bleibt, braucht es allerdings in den kommenden Wochen Ergebnisse. Kwasniok jedenfalls hat sich durchaus Gedanken zum benötigten Umschwung gemacht, indem er am Donnerstag neben aufstrebenden Dresdnern und Mainzern in seinen Notizen auch zwei Beispiele aus der Premier League für die anwesenden Journalisten mitbrachte.

Neben Fabian Hürzelers Brighton, das zwischenzeitlich nur einen Sieg aus 13 Spielen holte, zuletzt aber die Kurve bekam, führte der Coach vor allem die Wolverhampton Wanderers an. „Sie haben in 26 Spielen neun Punkte geholt und dann in den letzten vier gegen Liverpool, Aston Villa, Crystal Palace und Arsenal sieben“, hob er den Aufschwung der Wolves hervor. „Sie haben auch immer gehört, dass sie die Mannschaft eigentlich schon abmelden können. Aber genau das nehmen wir nach innen nicht wahr. Wir fokussieren uns auf uns und wissen, dass es möglich ist, zwei, drei, vier Spiele am Stück nicht zu verlieren.“

„Ich werde euch nicht damit plagen, dass die Mannschaft hier eine Grütze zusammenkickt.“ (Lukas Kwasniok)

Die Überzeugung, die Kwasniok nach außen trägt, ist groß. „Das ist nicht dahergebabbelt“, versprach er. „Ich sehe, wie die Jungs arbeiten. Und wenn ich das Gefühl irgendwann nicht mehr habe, dann glaubt mir: Ich weiß, wo die Büros der Verantwortlichen sind. Ich werde euch nicht damit plagen, dass die Mannschaft hier eine Grütze zusammenkickt.“ Doch, das machte der Coach deutlich, davon ist er noch weit entfernt. „Solange ich diese Überzeugung habe, muss man sich keine Gedanken machen, denn die Mannschaft ist zu gut, um am Ende das Ziel nicht zu erreichen.“

Für dieses Ziel, den Klassenerhalt, wird es aktuell allerdings erstmals in der Saison etwas enger. Zwei Punkte trennen den FC noch von Relegationsplatz 16. „Die aktuelle Phase ist nicht die allerbeste“, weiß auch Kwasniok. Ein Grund dafür ist zweifelsohne aber auch die Verletztenmisere. Gegen Augsburg fehlten zuletzt acht Profis. „Diese Phasen musst du aushalten“, unterstrich der Coach.

Kwasniok: „… dann hast du den falschen Job ausgesucht“

Dass dann, wenn es nicht läuft, Kritik aufkommt und der Druck auf den Trainer – auch intern, bei aller Rückendeckung – größer wird, sei „ganz normal“, gehe an Kwasniok aber vorbei. „Ich bin der Hahn auf dem Kirchturm“, zitierte er den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. Sturm und Wind müsse ein Trainer, genau wie ein Spitzenpolitiker, in schwierigen Phasen eben aushalten. „Wenn du diesen Job annimmst, es mal nicht so gut läuft und du dann verwundert bist, dass die Menschen dich kritisieren, hast du den falschen Job ausgesucht“, machte Kwasniok klar und nahm die Rolle des sich schützend vor die Mannschaft stellenden Coaches gerne an: „Solange das an mir festgemacht wird, ist das gar kein Problem.“

Zu der Trainerrolle gehöre aber eben auch, dass man nicht alles kontrollieren kann. „Du bist für alles verantwortlich, kannst aber nur etwa 50 bis 60 Prozent beeinflussen.“ Dinge wie die Leistung des Schiedsrichters und des Gegners oder auch die Tagesform eines Spielers fielen nicht darunter. „Das zu akzeptieren, hilft total im alltäglichen Umgang miteinander“, erklärte Kwasniok. „Weil es alles gute Jungs sind und die brauchen einfach nur Zuspruch von mir. Den bekommen sie, solange ich das Gefühl habe, dass sie sich den Allerwertesten aufreißen.“ Und das, betonte Kwasniok, sei auch in der aktuellen Situation weiterhin der Fall.

Hinterlasse einen Kommentar

0.0/5