Das Chaos in Hoffenheim geht weiter. Auch Sportgeschäftsführer Andreas Schicker soll nun zur Debatte stehen.
Gesellschafterversammlung für Montag angesetzt
Zunächst hatte darüber die Bild berichtet und in der Tat ist es so, dass offenbar der interimistische e.V.-Vorsitzende der TSG Hoffenheim, der aus der Ultra-Szene stammende Christoph Henssler, für den Montag eine Gesellschafterversammlung angesetzt hat.
Am Tag nach dem Spitzenspiel beim FC Bayern am Sonntag (17.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) soll Schicker sich dann rechtfertigen müssen für sein Vorgehen in der Datenaffäre – in der hatte der Österreicher als Geschäftsführer während einer laufenden Untersuchung die Hinweisgeberstelle neu und extern vergeben. Begründung: Verhinderung von möglichen Interessenkonflikten, weil diese von internen Mitarbeitern betreut wurde. Das ist die eine Lesart dieser Geschichte.
Die andere: Nachweislich war eine externe Kanzlei mit der Aufarbeitung der Thematik betraut und gerade Schicker hätte sich mit der Neuvergabe der Untersuchung womöglich wiederum selbst in einen Interessenkonflikt begeben, weil er auch hätte betroffen sein können in der Sache. Noch scheint es keinen finalen Ermittlungsbericht zu geben in der Sache. Auffällig aber ist: Ein ehemals in der Stiftung von Dietmar Hopp tätiger, leitender Angestellter der Spielbetriebs-GmbH wurde in der Sache freigestellt, genauso eine e.V.-Mitarbeiterin. Und die Kapitalseite um Hopp hat – nachvollziehbarerweise – Interesse daran, dass in den im März anstehenden Wahlen im e.V. ein Vertreter an die Vereinsspitze kommt, der ihren Entscheidungen folgt.
Angeblich bauen die Ultras einen anderen Kandidaten auf
Der Hopp gegenüber offenbar widerspenstige Henssler, so ist zu hören, kann wegen bestimmter Satzungsänderungen, die nach seiner jüngsten Wahl in den Vorstand getroffen worden waren, nicht kandidieren. Angeblich bauen die Ultras einen anderen Kandidaten auf. Würde Schicker abberufen, wäre er nach Markus Schütz und Frank Briel (abberufen im Oktober 2025) und Tim Jost, der sich mit der TSG erst am Dienstagabend auf einen Aufhebungsvertrag geeinigt hat, der vierte Geschäftsführer, der binnen weniger Monate den Hut nehmen muss respektive nimmt.
Aber: Gehen soll Schicker nicht, sondern lediglich als Sportdirektor weiterhin den Manager geben. Fraglich, ob der 39-Jährige das akzeptieren wird, zumal er den Klub nicht nur stabilisiert, sondern ihn überraschend auf Rang drei der Bundesliga geführt hat. Henssler, der als e.V.-Chef aufgrund der Rückgabe der Stimmrechtsmehrheit durch Hopp vor drei Jahren über das letzte Wort verfügt, soll dann Justiziar Arno Metz, der einst aus Schütz‘ Kanzlei zur TSG kam, und die für „People and Culture“ zuständige Asmaham Gamgani, die ebenfalls unter Schütz anheuerte, als interimistische Geschäftsführung einsetzen. Ehe der e.V. als Hauptgesellschafter einen durch ordentliche Wahl legitimierten, neuen „Boss“ hat, der dann die weitere Richtung im Kraichgau vorgibt.
Die Lage ist einigermaßen kurios und verschachtelt. Denn zur Einordnung gehören weitere Fakten: Etwa der, dass Briel und Schütz bei Hopp über ihr Vorgehen gegen Spielerberater Roger Wittmann stolperten, das ja von Schicker als Zeuge in einem Gerichtsprozess gewissermaßen begründet wurde und das der Milliardär zunächst mittrug. So zumindest war Hopp in einer Klubmitteilung zitiert worden, ehe er sich später gegenüber Medien anderslautend äußerte. Oder die Tatsache, dass plötzlich wieder der einflussreiche SAP-Aufsichtsrat Gerhard Oswald an Hopps Seite mitmischt, spätestens zu sehen im November 2025, als der VfL Wolfsburg um Schicker buhlte. Oder eben, dass Hopp damals Schicker hätte ziehen lassen, auch der Österreicher kokettierte sehr wohl intensiv mit dem Werben aus Niedersachsen. Am Ende scheiterte der Wechsel an Hensslers Veto. Stellt sich die Frage, was hinter dem Sinneswandel des 29-Jährigen in der Personalie Schicker steckt.

