Für all diejenigen, die es mit dem VfB Stuttgart halten, sollte sich der Stadionbesuch am Sonntag auszahlen. Das Team von Sebastian Hoeneß brannte ein historisches Chancen-Feuerwerk ab, siegte hochverdient – und doch blieben auch kritische Gesprächsthemen.
VfB-Stürmer fehlt in München
Viel Zeit für Verschnaufpausen konnten sich weder die Hamburger Spieler noch die Zuschauer in der ausverkauften MHP-Arena erlauben. Die Gastgeber traten von Beginn an dominant auf, spielten munter nach vorn und hätten das 4:0 aus Sicht ihres Cheftrainers dennoch „vielleicht sogar höher“ gestalten können.
In lediglich drei Bundesliga-Spielen waren die 21 notierten VfB-Chancen seit der entsprechenden kicker-Datenerfassung (Saison 1988/89) von einer Mannschaft übertroffen worden: Um je eine Chance von Fortuna Düsseldorf gegen Eintracht Frankfurt im März 1991 (1:0) sowie von Bayer Leverkusen gegen den Karlsruher SC im August 2007 (3:0). Und um zwei Möglichkeiten von Bayern München gegen Bayer Uerdingen im Juni 1989 (5:0).
Hoeneß sieht „Riesenchance“ im harten Restprogramm
Entsprechend „sehr nah dran“ waren die Mannen von Sebastian Hoeneß am Matchplan, den sich der Coach ausgemalt hatte. Nach Leverkusens 1:0-Sieg in Dortmund war die fortan fünftplatzierte Werkself dem VfB zwischenzeitlich mit einem Punkt Rückstand im Nacken gesessen. Von solchen Ergebnissen aber dürfe man sich „nicht zu sehr beeinflussen lassen“, meinte Hoeneß bei DAZN, schließlich müsse man „davon ausgehen, dass genau das in den nächsten Spielen passiert“.
- Die aktuelle Tabelle
Von seinen Schützlingen fordert der 43-Jährige deshalb, weiter „demütig“ zu bleiben und sich dennoch der eigenen Qualität bewusst zu sein. „Wir sind in der Position, dass wir es in der Hand haben, und wir trauen uns das auch zu – wohlwissend, dass wir noch ein hartes Programm haben“, blickte Hoeneß voraus, der zugleich eine „Riesenchance“ darin sieht, „aus der Position der Stärke heraus“ in die „Sechs-Punkte-Spiele“ gegen direkte Konkurrenten wie Hoffenheim und Leverkusen zu gehen.
- Das Restprogramm der 18 Bundesligisten
Als ein solcher zählt der kommende Gegner als klarer Tabellenführer zwar nicht – und doch richtete der VfB-Trainer den Blick zunächst selbstverständlich auf die nahenden Aufgaben: „Eins nach dem anderen. Wir spielen jetzt gegen die Bayern, dann haben wir Pokal (gegen Freiburg; Anm. d. Red.) und dann geht’s weiter.“
Ohne Undav zum FC Bayern
Dass die Schwaben die kurze Anreise nach München ohne Deniz Undav antreten werden müssen, ist derweil „nichts, was man gerne hat“. Der Stellvertreter von Kapitän Atakan Karazor sah gegen den HSV seine 5. Gelbe Karte, nachdem ihn Nicolas Capaldo beim Stand von 3:0 überhart abgeräumt hatte.
Die beiden Kontrahenten waren daraufhin aneinandergeraten und hatten sich gegenseitig am Kragen gepackt, wobei auch hier die erste Aktion vom HSV-Profi ausgegangen war. Hoeneß jedenfalls konnte die Reaktion seines Schützlings „ein bisschen verstehen. Das war schon ein sehr hartes Ding. Ich will Capaldo da gar keine Absicht unterstellen, aber in solchen Situationen passiert schon mal was“, kommentierte der VfB-Trainer die Szene.
„Deniz hat in der Kabine gescherzt, dass er eigentlich flach schießen wollte.“ (Sebastian Hoeneß)
Erklären konnte er unterdessen auch die Tatsache, dass der eingeteilte Maximilian Mittelstädt den kurz darauffolgenden Elfmeter an ebenjenen Undav abgab, der zuvor bereits einige Chancen vergeben hatte: „Weil die Mannschaft funktioniert, so würde ich es jetzt einfach mal sagen.“
Obwohl Hoeneß direkt wieder davon ausging, „dass Maxi den nächsten wieder selber schießt“, verwies er zudem darauf, dass Undav beim Abschluss vom Punkt leicht weggerutscht sei: „Deniz hat gerade in der Kabine gescherzt, dass er eigentlich flach schießen wollte. Ich glaube, so krass ist er jetzt auch nicht ausgerutscht.“
Demirovic bleibt ohne Tor gegen seinen Jugendklub
Ein Undav-Tor vor dessen Auswechslung wäre letztlich ebenso wünschenswert gewesen wie eines im Falle von Ermedin Demirovic, dessen Treffer in der 66. Minute vom VAR einkassiert worden war. Sichtlich unzufrieden verließ der gebürtige Hamburger, der sämtliche HSV-Juniorenteams durchlaufen hatte, wenige Minuten später das Feld.
„Stürmer wollen auf dem Platz bleiben und wollen dann auch am Ende noch Tore machen. Aber alleine dass wir jetzt darüber sprechen, ist der Grund dafür, dass es dann auch unnötig ist. Es muss möglich sein, das dann auch zu verstecken“, ordnete Hoeneß den frustrierten Abgang des „ganz, ganz feinen Kerls“ ein.
„Es war jetzt eine emotionale Reaktion von ihm und ich glaube, er hat das dann auch gleich gewusst“, führte der VfB-Coach aus. Überbewerten wollte Hoeneß die Situation also keinesfalls, wenngleich er trotzdem klarstellte: „Die Jungs sind alle heiß zu spielen, aber wir haben halt auch ein paar Jungs draußen, die heiß sind zu spielen. Das dürfen wir bei all dem nicht vergessen – und das funktioniert nicht, wenn da jeder nur an sich denkt.“

